«Geld in der Römischen Republik»

Vom Basar zum E-Commerce

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Ein türkischer Bazar

Der Basar ist die Urform des Marktplatzes, wo der Preis einer Ware auf Grund ihrer relativen Seltenheit und des jeweiligen Käuferinteresses bestimmt wird. Im E-Commerce werden mit elektronischen Mitteln die Grenzen der lokalen Präsenz überwunden, so dass der globale Markt letztlich zum virtuellen Basar wird.

Vom Basar zum E-Commerce

Im orientalischen Basar treffen ortsgebunden und überblickbar Angebot und Nachfrage jederzeit direkt aufeinander. Der Basar ist deshalb die Urform des Marktplatzes, wo der Preis einer Ware auf Grund ihrer relativen Seltenheit und des jeweiligen Käuferinteresses bestimmt  wird. Im e-Commerce werden mit elektronischen Mitteln die Grenzen der lokalen Präsenz überwunden, so dass der globale Markt letztlich zum virtuellen Basar wird. 

Der Handel als Warenaustausch begann mit der Arbeitsteilung. Solange alle Menschengruppen als Jäger und Nomaden oder als sesshafte Viehzüchter und Bauern nur auf die Deckung des Eigenbedarfes aus waren, also anderen Menschen nichts anzubieten hatten, konnte es gar keinen Handel geben. Erst mit einer Spezialisierung der Tätigkeit, die über die Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau hinausging, also mit einer systematischen Agrarproduktion und mit der gezielten Herstellung von Geräten und Werkzeugen ergab sich ein Nahrungsmittel- und Warenangebot, das Tauschmöglichkeiten eröffnete. Diese wirtschaftliche Evolution machte sich schon im 4. Jahrtausend v. Chr. in Mesopotamien bemerkbar, wo die ersten Städte mit einem Marktplatz entstanden. Bezeichnenderweise stammt der älteste uns bekannte Begriff für einen solchen Marktplatz, der Basar, aus dem Persischen. Dort entwickelten sich bald aus der primitiven Naturaltauschwirtschaft Umrechnungs- und Zahlungskonventionen, die auch zur Schaffung der ersten Geldformen führten.

Das Mittelmeer als historisches Ausgangsbecken

Die wichtigsten Städte der Antike entstanden an Flüssen oder am Meer. Der Gütertransport mit Schiffen und Flössen spielte dabei eine zentrale Rolle, obwohl es für den Landverkehr gerade im Zweistromland bereits damals Wagen mit Rädern gab. Die ersten Völker, die primär von Handel und Schifffahrt lebten, waren die Phönizier und die Griechen.

Für das kaiserliche Rom wird das Mittelmeer als Mare Nostrum zum Mittelpunkt des Imperiums. Erstmals in der Weltgeschichte funktioniert im Zeichen der Pax Romana ein grosses Wirtschaftsgebiet mit einem einheitlichen Rechts-, Mass- und Geldsystem, das einen hochentwickelten Handel während Jahrhunderten ermöglicht. Deshalb geht das Wort für Markt in allen Sprachen Westeuropas auf den lateinischen Mercatus zurück. Trajans Märkte in Rom sind als Emporium für viele Städte ein Vorbild in einem Imperium mit einem florierenden Wirtschaftssystem.

Urbanisierungsgrad wird in Europa erst im 19. Jahrhundert wieder erreicht

Europas Mittelalter war vorerst durch einen Rückgang der städtischen Bevölkerung und damit des Handels geprägt. Weniger davon betroffen waren viele Städte Norditaliens, insbesondere die Seefahrer-Republik Venedig, die zur Zeit der Kreuzzüge ihren Handel mit Stützpunkten im östlichen Mittelmeer bis nach Konstantinopel erheblich ausbaute. Symptomatisch ist dabei sowohl Marco Polos Reise entlang der Seidenstrasse bis nach China, als auch der Handel Venedigs mit den Arabern‚ die vor allem Gewürze aus Indien zunächst mit Schiffen bis zum persischen Golf und dann mit Karawanen durch die Wüste bis zum Mittelmeer brachten. Damit gelangten über Venedig als Drehscheibe, wo auch die nordischen Hansestädte eigene Lagerhäuser hatten, neue Güter nach ganz Europa, und zwar auch auf dem Landweg über die Alpenpässe. Zur Zeit der Renaissance, als die Medici in Florenz und die Fugger in Augsburg als unternehmerische Bankiers für Könige und Händler fungieren, verfügt der Alte Kontinent über ein ausgebautes Strassennetz, in welchem Messestädte wie Mailand, Lyon, Köln, Prag oder Krakau eine wichtige Verteilerrolle spielen.

Westwärts oder ostwärts um die Weltkugel?

Das äusserst rentable Handelsmonopol, das Portugal mit der Umsegelung Afrikas (1488) und der Sicherung des direkten Seewegs nach Südostasien bis zu den Gewürzinseln durch koloniale Stützpunkte erreichte, warf Araber und Venezianer aus dem Geschäft und machte die Portugiesen im 16. Jahrhundert  zum reichsten Volk Europas. Demgegenüber profitierte Spanien als territoriale Kolonialmacht nur kurzfristig von den Bodenschätzen Lateinamerikas, da der ständige Zufluss an Silber, dem kaum produktive Leistungen gegenüberstanden, stark inflationär wirkte. Eine der wichtigsten Folgen der Entdeckung einer Neuen Welt durch Christoph Kolumbus machte sich dagegen erst lange nach 1492 bemerkbar, nämlich dann, als der kontinentale Austausch von Nahrungs- und Genussmitteln beiderseits des Atlantiks allmählich konkrete Auswirkungen zu zeigen begann. 

Unbekannt in Europa  waren vor 1492 Kartoffeln, Mais, Tomaten, Ananas, Erdbeeren, Kakao und Tabak sowie der Truthahn. Unbekannt in Amerika waren vor 1492 Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Reis, Bananen, Äpfel, Birnen, Orangen, Zitronen, Zwiebeln, Oliven, Kokospalmen und Zuckerrohr sowie Kaffeepflanzen und Weintrauben; vor allem fehlten Zuchttiere wie Kälber, Schweine, Schafe, Hühner und Esel sowie das Pferd, das lange vor Kolumbus ausgestorben war. Die Bedeutung dieser neuen Ernährungsbasis lässt sich daran erkennen, dass mit der Zeit im Agrarsektor die USA und Argentinien mit der Rindfleischproduktion, Zentralamerika mit der Zucker-, Bananen- und Kaffee-Ernte und Irland und Deutschland mit dem Kartoffelanbau identifiziert wurden. 

Von der Industrialisierung zur Globalisierung

Im 17. Jahrhundert streben drei europäische Staaten – Frankreich, Holland und Grossbritannien – eine gezielte koloniale Expansion an, die erstmals weltweit orientiert ist. Frankreichs Schwerpunkt liegt zunächst in Nordamerika, wo 1608 die Besiedlung von Québec und die Jagd nach Biberfellen beginnen. Mit der Ostindischen Kompanie verdrängt Holland 1641 Portugal von der Gewürzroute und sichert sich Indonesien, das es bis nach dem Zweiten Weltkrieg als Kolonie halten kann. Besitzungen in Brasilien muss Holland dagegen ebenso bald aufgeben wie das 1626 auf Manhattan gegründete New Amsterdam, das 1664 von den Engländern auf New York umgetauft wird. Grossbritannien beherrscht im 18. Jahrhundert immer mehr die Weltmeere und damit den Welthandel, so dass es den Verlust der Vereinigten Staaten, die 1776 unabhängig werden, mit der Kolonialisierung Indiens, Australiens und Neuseelands zu kompensieren vermag. Im 19. Jahrhundert wird das Britische Imperium noch durch viele Länder Afrikas erweitert, wo nur Frankreich als Kolonialmacht mithalten kann.

Grossbritanniens führende Rolle als Handelsnation wird nach der Erfindung der Dampfmaschine (1769) mit der Industriellen Revolution deutlich verstärkt. Nicht nur industriell hergestellte Güter, wie etwa Textilien, sondern auch Maschinen können nunmehr auf dem Weltmarkt angeboten werden. Dasselbe gilt auch für die Eisenbahn, die nach 1825 den Landtransport weltweit verändert. In dieser Phase der Industrialisierung erhält Grossbritannien vor allem Konkurrenz durch Deutschland und die USA.

Mehr Wohlstand für alle Handelspartner

Die Energiebasis des 19. Jahrhunderts ist die Kohle, die als begehrtes Handelsgut zur Bildung der ersten Rohstoffmärkte führt. Die Kohle wird im 20. Jahrhundert zum einen durch das Erdöl abgelöst, das nicht nur Heiz- und Treibstoff ist, sondern auch die Basis der petrochemischen Industrie darstellt. Tanker und Pipelines erweitern das Transportsystem, und der Benzinmotor ermöglicht die Entwicklung von Automobil und Flugzeug. 

Zum anderen eröffnet die Elektrizität auf Grund vieler Erfindungen ein Potenzial, das vom motorischen Antrieb über Beleuchtung und Tiefkühlung, Radio und Telefon bis zu Fernsehen und Computer geführt hat und noch längst nicht ausgeschöpft ist. Dabei haben in den letzten Jahrzehnten einige Länder Asiens, vor allem Japan, vom Automobilbau über die Entwicklung von Foto- und Videokameras bis zur Unterhaltungselektronik am Weltmarkt stark gewonnen. In den Supermärkten städtischer Zentren wird heute auf Grund eines voll ausgebauten Transport- und Kommunikationssystems weltweit ein vergleichbares Angebot an Nahrungsmitteln und Konsumgütern präsentiert; für Industrieprodukte, Rohstoffe und Energieträger existieren schon längst weltweit interdependente Märkte. In dieser Globalisierung stellt das Internet nur den letzten Schritt dar, mit welchem die ortsunabhängige Evaluation von Angebot und Nachfrage stattfinden kann: Mit dem e-Commerce, der sogar über ein mobiles Telephon möglich ist, hat der Basar weltweite Dimensionen erreicht.