«Geld: ein Versprechen?»

Staatsmann Alfred Escher

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Er war eine der bedeutendsten wirtschaftspolitischen Zürcher Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts. Doch seine Ideen, seine Energie und Tatkraft kamen nicht nur Zürich, sondern der ganzen Schweiz zugute. Das Schweizer Eisenbahnnetz z. B. wurde dank seiner Initiative massgeblich ausgebaut und an die Verkehrswege Europas angebunden. Zur Unterstützung dieser Entwicklung nahm er auch die Gründung bedeutender Institutionen des Finanz-, Versicherungs- und Bildungswesens in die Hand. Gemeint ist Alfred Escher, den dieses Video mit einer kleinen Hommage würdigt.

 

Alfred Escher – ein Politiker des 19. Jahrhunderts

Alfred Escher wurde 1819 in Zürich geboren und starb 1882 in der Enge, einer Gemeinde, die heute ebenfalls zum Stadtgebiet gehört. Sein Lebenswerk strahlte aber weit über seine engere Heimat hinaus: In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war er die dominierende wirtschaftspolitische Persönlichkeit der Schweiz. Ihm verdankte der noch junge Bundesstaat auch den zunehmenden internationalen Respekt und die Achtung.

Kein Schweizer Politiker des 19. Jahrhunderts prägte das Land so nachhaltig wie Alfred Escher. Als Promotor und Organisator realisierte er wegweisende Projekte wie die Gotthardbahn, die Nordostbahn, die Schweizerische Kreditanstalt – heute Credit Suisse, die Schweizerische Lebensversicherungs- und Rentenanstalt – heute SwissLife. Und er war massgeblich an der Gründung der ETH Zürich beteiligt.

  • Aber was sagt uns Alfred Escher heute? Und was wäre aus der Schweiz geworden, wenn es Alfred Escher nicht gegeben hätte?

Ohne eine Persönlichkeit wie ihn hätten sich wichtige nationale Entwicklungen verzögert. Und unsere heutige Wirtschaftsstruktur sähe wohl anders aus.

Eisenbahnpionier und Bankengründer

Der Eisenbahnpionier und Förderer des schweizerischen Bankwesens Alfred Escher war aber weder Ingenieur noch Bankfachmann. Er war ein grosser Visionär mit enormer Umsetzungskraft. Dabei faszinierte ihn nicht die Technik, sondern die Vorstellung, zugunsten des Gemeinwohls verschiedene Kräfte miteinander zu vernetzen und produktiv werden zu lassen. So gesehen war er auch ein Vorkämpfer der Globalisierung.

Zu Alfred Eschers Zeiten waren Dampflokomotiven allerdings nichts Neues mehr. Sie schnaubten bereits durch England, Nordamerika und weite Teile Europas. Die Schweiz hingegen drohte vom wichtigen Verteiler auf der Nord-Süd-Achse umfahren zu werden. Topografie, fehlende Schwerindustrie und Föderalismus erschwerten hier die Verwirklichung des Eisenbahnprojekts. Damit geriet das Land gegenüber dem Ausland immer mehr in Rückstand. Dank Alfred Eschers Initiative und Risikobereitschaft holte es diesen aber innert Kürze auf.

Alfred Escher dachte vernetzt und verstand es bestens, Synergien zwischen Politik, Bank-, Eisenbahn- und Bildungswesen zu schaffen. Ihm gelang es, grosse Innovationen des 19. Jahrhunderts gegen alle Widerstände durchsetzen: vor allem anderen den Bau des schweizerischen Eisenbahnnetzes und des Gotthardtunnels, die Gründung der Schweizerischen Kreditanstalt und der Rentenanstalt sowie die Etablierung des Eidgenössischen Polytechnikums in Zürich, der späteren ETH. Damit verhalf er Zürich wie der Schweiz zu einem ungeahnten Aufschwung.

Kurz: Männer wie Alfred Escher waren und sind in Politik wie Wirtschaft gefragt. Sie begründen Entwicklungen, für die die Zeit allen Widerständen zum Trotz gekommen ist. Doch man muss sie aushalten können, Männer, die wie Alfred Escher auf ihrem Weg zu grossen Zielen alles überrollen, was ihnen im Weg steht.

  • Welche Beziehung hatte Alfred Escher wohl zu Geld?

Seine Beziehung zu Macht und Geld mag stark von der familiären Entwicklung geprägt worden sein. Alfred Eschers Familie, ein Zweig der Escher vom Glas, gehörte zu den bedeutendsten Geschlechtern im alten Zürich. Wie wenige andere hatte sie zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert an Aufschwung und Blüte der Zürcher Wirtschaft mitgewirkt. Mitte des 18. Jahrhunderts waren die Escher vom Glas auf dem politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Höhepunkt. Dann aber führte eine Folge von tragischen Ereignissen zum gesellschaftlichen Bruch und zur Distanzierung der Familie Escher vom alten Zürich: Alfred Urgrossvater Hans Caspar Escher-Werdmüller verliess nach einem Ehebruch, seiner Scheidung und Enterbung die Schweiz und wanderte nach Deutschland aus; Grossvater Hans Caspar Escher-Keller ging Bankrott und hätte Zürich beinahe mit in den finanziellen Abgrund gerissen; und Vater Heinrich Escher, in Amerika zu neuem Reichtum gekommen, verletzte den Ehrenkodex, weil er die Schulden der vorausgegangenen Generation nicht beglich. Diese Ereignisse sollten auch noch die nachfolgenden Generationen belasten.

Symbolisch verdeutlicht wurde die gesellschaftliche Distanzierung der Familie Escher vom alten Zürich durch Vater Heinrich. Er entfernte sich auch geografisch von der Stadt, indem er das am See gelegene, von einem grossen Park umgebene herrschaftliche Landhaus Belvoir in der Gemeinde Enge bauen liess. Der so zur Schau gestellte Reichtum musste die Stadtzürcher Familien provozieren. In dieser Atmosphäre wuchs Alfred Escher auf − fern von den etablierten Zürcher Kreisen, für die er dann auch auch weder Sympathie noch Zeit hatte.

Seine Verdienste für Zürich und die Schweiz bleiben jedoch unbestritten. Alfred Escher war ein Visionär. Und grosse Visionen bedingen die Konsequenz, mit alten Normen zu brechen. Neuerungen kommen oft von Personen, die ausserhalb des herrschenden Systems stehen.

  • Doch war dieser Mann glücklich gewesen?

Dies fragte auch Professor Alexander Schweizer in seiner Abdankungsrede von 1882. Und er antwortete: «Nein, wie man das gewöhnlich versteht, Ja, wie er es verstand. Er hat im Verkanntsein gesprochen: ‹Das Beste am Leben ist ja doch Arbeit, Mühe und Anstrengung›.»