«Bildertouren zu interessanten Münzen»

Der Heilgott und sein Fußball? Caracallas Suche nach Heilung und der Asklepioskult auf Münzen um 215 n. Chr.

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Wissen Sie, was der griechische Heilgott Asklepios mit einem Fussball zu tun hat? Rein gar nichts. Trotzdem ist auf Münzen ein Ball neben seinem Fuß abgebildet. Die Hintergründe dazu erfahren Sie hier.


 

Begleiten Sie uns auf unserer Reise durch die Welt des Geldes. Heute machen wir Halt in Rom. Wir befinden uns im Jahr 215 nach Christus.

 

Hoppla, was ist denn das? Da liegt neben dem Fuß des Asklepios ein Fußball! Natürlich, Sie haben Recht. Das kann eigentlich nicht sein! Aber warum diese Kugel neben dem linken Fuß eines Gottes liegt, das will ich Ihnen heute erzählen.

 

Dafür müssen wir in das Jahr 211 zurückgehen. In diesem Jahr starb der römische Kaiser Septimius Severus. Er hatte von seiner Frau Julia Domna zwei Söhne: Den 22jährigen Caracalla und den nur um ein Jahr jüngeren Geta.

 

Wie das bei fast gleichaltrigen Brüdern manchmal vorkommt: Die beiden konnten sich nicht ausstehen. Und der Vater ermunterte die Rivalität geradezu noch. Das ging schief. Caracalla ließ Geta ermorden. Warum? Wenn wir manchen Historikern glauben, aus purer Bosheit.

 

Nun ja, selbst römische Kaiser waren ein bisschen vielschichtiger als es die ältere Geschichtsschreibung und das moderne Hollywood uns suggerieren wollen. Wahrscheinlich verhinderte Caracalla mit diesem Brudermord einen Bürgerkrieg. Dass er selbst dabei nicht unbeschadet davonkam, dafür sprechen die Quellen. In der Historia Augusta lesen wir, dass Caracalla an keinem Bild seines Bruders vorbeigehen konnte, ohne in Tränen auszubrechen. Herodian überliefert Alpträume, in denen ein blutüberströmter Geta Caracalla mit einem Schwert verfolgte.

 

Caracalla litt anscheinend unter dem, was wir heute vielleicht als posttraumatische Belastungsstörung bezeichnen würden. Und er litt wirklich. Er suchte Heilung. Er pilgerte zu allen Heilgöttern, deren Heiligtümer er auf seinen Reisen passierte. Und so machte er 214 auch im Asklepieion von Pergamon Halt.

 

Dieses Asklepieion war berühmt. Seine Priester waren Fachleute für gequälte Seelen. Ein Teil der Therapie bestand aus einem Heilschlaf, der wundermächtige Träume schenkte. Durch einen langen, dunklen Gang wurden die Patienten in einen prachtvollen Rundbau geführt, in dem ihnen manchmal Asklepios selbst im Traum erschien. Und wenn nicht er, dann kam vielleicht Telesphoros, was übersetzt nichts anderes bedeutet als „der der das Ende bringt“.

 

Das Ende der Krankheit? Das Ende des Lebens? Das stand in der Hand der Götter. Ihr Bote gehörte jedenfalls eng zum pergamenischen Kult. Das kleine Männchen ist leicht zu erkennen mit seinem bodenlagen Umhang und seiner eng anliegenden Kappe.

 

Auch Caracalla unterzog sich den Zeremonien. Er sprach lange und ausführlich mit den Priestern, ging durch den dunklen Gang in den Rundbau und träumte etwas, das ihm Erlösung schenkte.

 

Dass die Kur erfolgreich war, wissen wir, weil Caracalla den Asklepios von Pergamon ehrte, wie nur selten Götter in der römischen Münzprägung geehrt worden sind. Der Kaiser ließ den pergamenischen Asklepios in einer umfangreichen Münzemission darstellen und feierte dessen Macht so im ganzen römischen Reich.

 

Asklepios ist dargestellt, wie er im Tempel von Pergamon zu sehen war: als bärtiger Mann, den von der Schlange umwundenen Stab in die Achsel gestützt. Zu seiner Rechten ist Telesphoros zu erkennen. Doch der Fußball? Was hat der da zu suchen? Sollte etwa auch er typisch sein für den Asklepios von Pergamon?

 

Ja, tatsächlich, dieser kleine Ball war typisch, auch wenn es sich natürlich nicht um einen Fußball handelt.

 

Gemeint ist eigentlich der Omphalos - nicht der Nabel der Welt, wie oft zu lesen, sondern ein typisches Attribut von griechischen Heroen, das sich aus der Darstellung des Grabhügels entwickelt hat. Und das stellte man in Pergamon eben in Verbindung mit dem Heilgott und seiner Schlange dar. Auch manche Statuen des Asklepios zeigen dieses kleine Attribut in allen Details.

 

Und da die Stempelschneider in Rom die Aufgabe hatten, den Asklepios von Pergamon ins Münzbild zu setzen, übernahmen sie alle ihnen aufgetragenen Details, auch wenn sie anscheinend noch nie gesehen hatten, wie ein Omphalos wirklich aussah. Ihnen geriet dieses Detail eben eher zu einem Fußball.