«Faszination Gold»

Chinas Münzgeschichte

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«Reiche wachsen und schwinden. Staaten kommen und vergehen», schrieb Luo Guanzhong in seinem Roman «Die drei Reiche». Gleiches liesse sich von Chinas Geld sagen: Das Land des Drachen hat im Lauf seiner langen Entwicklung von einer kleinen Kulturinsel am Gelben Fluss zur Volksrepublik viele Geldformen kommen und gehen sehen. Und doch ist seine Geldgeschichte von einer einzigartigen Stabilität geprägt – Kauriwährung und Käschmünze z. B. waren jahrhundertelang in Umlauf. Sie und weitere Gelder aus dem Reich der Mitte werden Ihnen hier in ihrem historischen Kontext vorgestellt. Kommentare von Dagmar Lorenz, Sinologin und Autorin der DVD, ergänzen die kleine Tour d'Horizon.

 

China – eine jahrtausendealte Zivilisation

Es war die Landwirtschaft, die das alte China ernährte: Von den Ernten hingen Wohlstand und Stabilität ab.

Kein Wunder also, dass schon die chinesische Mythologie von Herrschern berichtet, die den Boden in Ackerland verwandelten und die Flüsse regulierten.

Einer von ihnen ist der Huanghe, der Gelbe Fluss.

In seiner Großen Ebene entwickelten sich die Anfänge der chinesischen Kultur und damit auch der chinesischen Geldgeschichte.

Hier lebten in archaischer Zeit Bauern und Krieger.

Aus den Inschriften solcher Bronzen geht hervor, dass sie von Königsgeschlechtern beherrscht wurden: ab dem 16. Jahrhundert vor Christus von den Shang, und ab dem 11.Jahrhundert vor Christus von den Zhou. Den Tauschhandel kannte man damals schon.

Als erstes eindeutiges Zahlungsmittel gilt die Kaurischnecke, «bei» genannt: ein Importartikel aus den Küstenregionen des ost- und südchinesischen Meeres.

Kaurischnecken wurden durchbohrt und auf Schnüre gereiht. Mit Kauris wurden Waren bezahlt, Handwerker und Krieger entlohnt. Kauris wurden auf Raubzügen erobert und in Schatzkammern gelagert.

Und da man bald immer mehr Kauris benötigte, schnitzte man sie aus Rinderknochen ...

... oder goss sie aus Bronze – was den Vorteil hatte, dass man sie wieder einschmelzen konnte, um neue Geldstücke zu gewinnen.

Ab etwa 770 vor Christus brach das Reich der Zhou auseinander. Ehemalige Gefolgsleute wurden zu selbstbewussten Fürsten, die untereinander um die Vorherrschaft rivalisierten.

Die Zeit der Streitenden Reiche

Es entstanden zahlreiche Kleinstaaten, die sich in blutigen Kämpfen aufrieben. In der Endphase dieser Entwicklung, der sogenannten „Zeit der Streitenden Reiche“, blieben am Schluss nur noch sieben größere Staaten übrig: Eine Zeit allgemeiner Unsicherheit.

Die unruhigen Zeiten brachten neue Geldformen hervor. Zum Beispiel diese Spatenmünzen. Sie sind Eisenspaten nachgebildet, die in der Landwirtschaft verwendet wurden.

Oder Messermünzen in Form von Messern, wie sie Jäger und Fischer verwendeten.

Solche Münzen wurden von den jeweiligen Fürstentümern ausgegeben. Sie wurden gegossen – und nicht etwa geprägt, wie die Münzen im Westen.

Im Umlauf waren auch Bronzekauris, genannt «Ameisennasen-Münzen», «yibi» – und Ringmünzen. All diese Münzformen existierten als lokale Währungen nebeneinander.

Dies hier ist eine Banliang-Münze: Ban Liang ist „ein halber Liang“, also eine halbe Unze, etwa 8 Gramm.

Diese Münze war vorwiegend im nördlich gelegenen Staat Qin in Gebrauch.

Hier sollte sich die weitere Geschichte Chinas entscheiden. Denn dem König von Qin gelang es nach und nach, sämtliche andere Staaten zu besiegen und seinem Territorium einzuverleiben.

 

Die Wuzhu-Münze: über Jahrhunderte bewährt

221 vor Christus war der letzte Konkurrent niedergerungen. Fortan herrschte der König des Staates Qin als Kaiser über ein erstmals geeintes chinesisches Reich: Bekannt wurde er unter dem Namen Qin Shi Huangdi.

Unter dem Nachfolger des Ersten Kaisers versank das Reich im Chaos.

Schließlich erzwang einer der Kriegsherren die Einigung. Er begründete eine neue Kaiserdynastie: die Han.

Die Han-Kaiser machten den einst verfolgten Konfuzianismus zur herrschenden Staatsdoktrin. Zugleich übernahmen sie von ihren Vorgängern wichtige Verwaltungsstrukturen und auch die Banliang-Münze.

Aber für den täglichen Gebrauch war diese Münze zu schwer. Und so goss man zunächst kleinere, die von geringerem Gewicht waren, sogenannte Ulmensamen-Münzen.

Erst 118 vor Christus ließ der Han-Kaiser Wudi eine neue, einheitliche Münze gießen: die Wuzhu-Münze. "Wu" ist die Zahl 5, "Zhu" ist eine Gewichtseinheit. Die Münze wog also "5 Zhu".

Die Wuzhu-Münze war noch lange nach dem Untergang der Han-Dynastie in Gebrauch: Fast acht Jahrhunderte hindurch! Und alle Münzen in späteren Zeiten orientierten sich weitgehend an Form und Größe der Wuzhu-Münzen.

Es ist die typische chinesische Münze schlechthin! Ein Stück rundes Metall. Es symbolisiert den Himmel. Dann ein quadratisches Loch in der Mitte: Das ist die Erde. Solche Münzen konnte man bequem auf Schnüre aufreihen und mit sich tragen. „Käsch“ wurden sie von den Europäern genannt, nach dem Sanskrit-Wort „Karscha“, einer indischen Gewichtseinheit.

Gegossen wurden solche Münzen mit Hilfe eines sogenannten Geldbaums. Seine Äste sind die Zugangskanäle für den Metallguss. Anschließend werden die Münzen vom Baum gepflückt, auf einen Spieß gesteckt, entgratet und poliert.

Im Gegensatz zu westlichen Münzprägungen wurden für den chinesischen Münzguss keine wertvollen Materialien wie Silber oder Gold verwendet. Man begnügte sich mit unterschiedlichen Kupferlegierungen wie Bronze oder Messing. Nicht der Materialwert des Zahlungsmittels zählte, sondern die Tatsache, dass es als Geld allgemein anerkannt wurde.

Einmal noch wurde die Erfolgsgeschichte dieser Einheitsmünze unterbrochen. Im Jahre 8 nach Christus putschte sich der Regent Wang Mang auf den Drachenthron. Er führte wieder die alten Münzformen ein: unter anderem auch Spatengeld und Messermünzen. Eine kurze Episode der Münzgeschichte, denn schon 23 nach Christus wurde Wang Mang militärisch besiegt und ermordet.

So heisst es im chinesischen Romanklassiker "Die drei Reiche": hier die Darstellung einer Romanepisode aus späterer Zeit.

Der Handel blüht mit der alten Seidenstrasse auf

Nach dem Untergang der Han war das Reich in drei Königreiche geteilt, danach folgten die Thronwirren der Jin-Dynastie.

Die Hunnen überrannten das Reich, im Norden und im Süden bildeten sich Teilstaaten – bis es schließlich wieder zu einer Reichseinigung kam: Doch erst 618 gelangte eine Dynastie an die Macht, die China eine politische und wirtschaftliche Blütezeit bescheren sollte: die Tang.

Eine Kai-Yuan-Tong-Bao-Münze aus dem 7. Jahrhundert. Solche Münzen wurden von Gaozu eingeführt, dem ersten Kaiser der Tang-Dynastie.

Das Schriftzeichen „Kai“ bedeutet in Kombination mit dem Schriftzeichen „yuan“ soviel wie „Neuanfang“ und soll darauf hinweisen, dass nun die neue Epoche der Tang-Dynastie begonnen hat. Das Schriftzeichen „tong“ in Kombination mit dem Schriftzeichen „bao“ bedeutet soviel wie „umlaufender Wert“. Es wurde nämlich zunehmend üblich, Münzen nicht mehr nach ihrem Gewicht zu bezeichnen, sondern nach dem ihnen zugeschriebenen Wert. Solch umlaufende Werte wurden auch „Kurant-Münzen“ genannt.

„Der Himmel ist hoch und der Kaiser ist weit“.

Der zweite Tang-Kaiser, Taizong, eroberte große Gebiete entlang der alten Seidenstraße. Damit fand China ab etwa 630 Anschluss an internationale Händlernetze. Sie verbanden Zentralasien mit den Reichen der Parther, Kuschan und Sasaniden in Persien und Nordwest-Indien, und erstreckten sich bis weit nach Westen – in die Einflussgebiete des römischen und byzantinischen Imperiums im östlichen Mittelmeerraum. Fremde Kaufleute strömten nach China und erhandelten die im Westen begehrten Luxuswaren: Seide, Tee und das um 620 erfundene Porzellan.

Eine Käschmünze aus der südlichen Song-Dynastie.

Im Gegensatz zu den Münzen, wie wir sie im Westen kennen, zeigen chinesische Käschmünzen nie das Porträt eines Herrschers. Zu erkennen ist stattdessen die sogenannte Regierungsdevise des jeweiligen Kaisers. Die Devise auf dieser Münze lautet „Shaoding“, das bedeutet soviel wie „fortgesetzte Konsolidierung“: Es ist eine von acht Regierungsdevisen, unter denen der Kaiser Li Zong regierte – und da die Regierungsdevisen jeweils einen bestimmten Zeitabschnitt innerhalb der Regierungszeit des Kaisers bezeichnen, kann der Münzsammler von heute davon ausgehen, dass diese Münze etwa zwischen 1228 und 1233 hergestellt worden sein muss 

Insgesamt regierte Lizong zwischen 1224 und 1264.

In späteren Zeiten, seit dem Beginn der Ming-Dynastie, also ab 1368, begnügten sich chinesischen Kaiser die mit einer einzigen Devise für die gesamte Regierungsdauer: Diese Münze stammt aus der Epoche des ersten Ming-Kaisers, der unter der Devise „Hongwu“ regierte, was soviel heisst wie „gewaltige Kampfkraft“.

Mit dem Aufschwung des Fernhandels kam das Silber. Mit Silberbarren bezahlten ausländische Händler Chinas Exportartikel wie Tee, Seide und Porzellan.

Silber und Gold bevorzugten auch die Fremdvölker, die China im 12. und 13. Jahrhundert beherrschten: die Dschurdschen, die als Jin-Dynastie regierten, und die Mongolen.

Kublai Khan, der Enkel Dschingis Khans, hatte mit seinem Reitervolk im 13. Jahrhundert das chinesische Reich überrannt und die Yuan-Dynastie begründet.

Silberpesos aus dem Fernhandel

Die Mongolenkaiser hatten ein anderes Verständnis von Geld als die Chinesen. In ihren Augen waren die chinesischen Käschmünzen wertlos. Die Finanzverwaltung des Reiches vertrauten sie daher mächtigen Händlergilden an: meist moslemischen Uiguren, Persern und Arabern. Diese Organisationen trieben im Auftrag des Kaisers die Steuern von den Chinesen ein – und zwar in Naturalien, wie Getreide oder Seide.

An die kaiserliche Schatzkammer lieferten sie dann den Gegenwert in Silberbarren. Die Gewinnspannen solcher Steuergeschäfte waren beträchtlich!

Die Silberreserven ermöglichten es Kublai Khan, erstmals Papiergeld als allein gültiges Zahlungsmittel einzuführen. Dieser Geldschein stammt aus dem 14. Jahrhundert.

Die ersten richtigen Papiernoten, die sogenannten «jiaozi», gab es aber schon seit dem 11. Jahrhundert.

Solange der Silbernachschub florierte, behielt auch das Papiergeld seinen Wert. Das änderte sich spätestens, als rebellierende Bauern die Mongolenherrschaft hinwegfegten – und einer ihrer Anführer im 14. Jahrhundert den Drachenthron bestieg: Als Kaiser Hongwu und Begründer der Ming-Dynastie sollte er in die chinesische Geschichte eingehen. Auf die chronische Wirtschaftskrise antwortete der Kaiser mit der Ausgabe immer neuer Papiernoten 

Die Folge waren Preisverfall und Inflation. Und so wurde bereits ab 1569 gar kein Papiergeld mehr ausgegeben. Im chinesischen Reich bezahlte man wieder mit den bewährten Käschmünzen – während der Außenhandel nach wie vor auf der Silberwährung fußte.

Ein Silberpeso aus dem Jahre 1596, aus der Ära des spanischen Königs Philipps des Zweiten.

Mit solchen «Reales», wie man sie nannte, bezahlten die Spanier im 16. und 17. Jahrhundert die chinesischen Luxuswaren Tee, Seide und Porzellan.

Drehscheibe ihres Chinahandels war der 1571 gegründete Hafenstützpunkt Manila auf den Philippinen. Über genügend Silbergeld verfügten die Spanier allemal:

Die von den Conquistadores ausgebeuteten Bergwerke in Peru und Mexiko sorgten für reichen Nachschub.

Diese Silberpesos aus späterer Zeit tragen sogenannte «Chopmarks»: Mit solchen Gegenstempeln markierten die chinesischen Händler die ausländischen Geldstücke, um sie auf ihre Echtheit zu prüfen.

Von diesen Silberimporten war die Finanzwirtschaft des chinesischen Kaiserreiches abhängig – umso mehr, da China keine eigenen nennenswerten Silbervorkommen besaß. Und so drückte man beide Augen zu, als im 16. Jahrhundert Portugal, die zweite große westliche Handelsnation, die Insel Macao besetzte und zum Stützpunkt ihres Chinahandels machte.

Die Portugiesen machten sich außerdem das Handelsembargo zunutze, das China im 16. Jahrhundert gegen das kriegerische Japan verhängt hatte. Portugiesische Kaufleute kauften chinesische Seide, verschifften sie nach Japan und tauschten sie dort gegen Silber aus japanischen Bergwerken. Mit diesem Silber, das in China weitaus höher bewertet wurde als in Japan, kehrten sie zurück, um in China noch mehr Seide einzukaufen: ein lukratives Geschäft, auch für die chinesische Regierung, deren Silberbarrendepots sich füllten.

17. Jahrhundert: Währungskrise in China

Das änderte sich spätestens Mitte des 17. Jahrhunderts. Holland und England stiegen zu führenden Seehandelsnationen auf und brachen in die Märkte der Spanier und Portugiesen ein. Die Silberimporte gingen zurück. In China kam es zu einer Währungskrise – die vor allem die Bauern in den Ruin trieb, denn sie verkauften ihre Ernte gegen Käschmünzen, ihre Steuern aber mussten sie in Silber entrichten.

Probleme, mit denen auch die nachfolgende Kaiserdynastie Chinas zu kämpfen hatte. Wieder einmal hatte eine Fremddynastie den Drachenthron erobert: Es waren die Mandschu. Seit 1644 stellten sie die chinesischen Kaiser.

Wie schon ihre Vorgänger, so waren auch die Mandschu-Kaiser darauf bedacht, das chinesische Reich gegen Einflüsse von außen abzuschotten – ungeachtet der Tatsache, dass sich China schon damals den Auswirkungen eines sich zunehmend globalisierenden Handels kaum mehr entziehen konnte. Zugleich wurde deutlich, dass man sehr wohl westliches Know-how benötigte: astronomische Instrumente beispielsweise.

An den chinesischen Kaiserhof gelangten sie über europäische Jesuitenmissionare, die zeitweise als Experten für den chinesischen Kaiser arbeiteten – bis man sie wieder wegschickte.

Weggeschickt wurde auch Lord Macartney, der 1793 mit einer Delegation am chinesischen Kaiserhof eintraf.

Er warb im Auftrag des englischen Königs für die Aufnahme gleichberechtigter Handelsbeziehungen. Doch für Kaiser Qianlong war es schlicht undenkbar, mit einem ausländischen Staat Beziehungen auf gleicher Augenhöhe zu pflegen: Das Reich der Mitte war schließlich allen anderen Völkern auf dieser Erde kulturell weit überlegen. Wenn sich England dem chinesischen Kaiser unterordnen will – na schön. Aber ein Austausch auf Gegenseitigkeit? Nein danke: China hat alles, was es benötigt und braucht die Waren dieser Barbaren nicht!

1839 bis 1842: Opiumkriege

Doch eine wahrhaft barbarische Ware eroberte knapp dreißig Jahre später den chinesischen Markt: das Opium.

Britische Kaufleute der Ostindienkompanie führten das Opium aus Indien ein. Derselbe Stoff, der ihre Kunden süchtig machte, bescherte den Engländern eine günstige Handelsbilanz. Endlich gab es eine Ware, die in China zu verkaufen war! Denn bisher hatten die Engländer von den Chinesen nur kaufen können: zum Beispiel Tee, der mit teurem Silber bezahlt werden musste – was zu einem Silberabfluss aus England geführt hatte. Nun bezahlten die chinesischen Zwischenhändler mit Silber für Opium – mit der Folge, dass nun in China das Silber knapp wurde.

Das chinesische Kaiserhaus ließ den Opiumhandel verbieten. Und als das nichts nutzte, versuchte man den Opiumhandel mit Gewalt zu unterbinden. Darauf wiederum reagierte England: mit Kanonenbooten.

So kam es von 1839 bis 42 zu den sogenannten Opiumkriegen.

Und da China der modernen westlichen Militärtechnik so gut wie nichts entgegenzusetzen hatte, blieb ihm nichts anderes übrig, als alle Forderungen Englands zu akzeptieren, unter anderem: Hongkong an England abzutreten, zahlreiche Häfen für den ungehinderten Handel mit England zu öffnen und hohe Reparationszahlungen zu leisten.

Und das war erst der Anfang: Den Engländern folgten die Franzosen, die Russen, die Deutschen – und später sogar die Japaner. Sie alle nutzten die militärische Schwäche Chinas aus, um sich immer größere Einflussgebiete zu sichern:

Um die erpressten Reparationszahlungen leisten zu können, musste China sich außerdem noch verschulden: bei westlichen Banken, natürlich. Welch eine Demütigung für das einst so selbstherrliche Reich der Mitte! Sogar eine neue Geldform konnten die westlichen Barbaren erzwingen: den Drachendollar, erstmals 1889 in Kanton geprägt nach dem Muster der westlichen Silberdollars – mit einer Prägemaschine aus Birmingham: Dieser hier trägt die Aufschrift «Guangxu», die offizielle Regierungsdevise des vorletzten chinesischen Kaisers – was ironischerweise soviel heisst wie: «glorreiche Nachfolge».

Fremdenfeindliche Aufstände erschüttern das Land: nach dem Taiping-Aufstand der Boxeraufstand im Jahr 1900.

Doch die Fremden schlagen zurück: Ein internationales Expeditionskorps erobert Peking. Die Tage des chinesischen Kaiserreichs sind gezählt.

Erste Ansätze zu einer Modernisierung Chinas kommen zu spät. 1911 bricht das morsche Kaiserreich zusammen. 1912 dankt das chinesische Kaiserhaus ab: im Namen des noch unmündigen Kindkaisers Puyi. China wird Republik. Sein neuer Präsident heisst Sun Yatsen.

Die neue Republik lässt einen neuen Silberdollar prägen: mit dem Porträt des Dr. Sun Yatsen und einer neuen Datumsbezeichnung: hier das Jahr 23, gerechnet ab dem Jahr 1 der Republikgründung 1912. Solche Silberdollars wurden bis etwa Mitte 1930 produziert. Aus dieser Serie ragt der sogenannte «Dschunkendollar» heraus – mit einer segelnden Dschunke auf seiner Rückseite.

Viele Provinzen gaben ebenfalls Münzen im Namen der Republik heraus. Nur wenige Jahre nach der Republikgründung wurden große Teile Chinas von Militärmachthabern, sogenannten Warlords, beherrscht 

Hier einer von ihnen, der sogenannte «christliche General», Feng Yuxiang. Die Warlords gaben ebenfalls eigene Währungen aus.

Den Machtkämpfen zwischen Warlords, einer Regierung in Peking, und einer Nationalchinesischen Gegenregierung in Nanjing folgte in den 1930er Jahren die japanische Invasion Chinas. Im Zweiten Weltkrieg fielen japanische Bomben auf chinesische Städte. Japanische Besatzer verübten Massaker an chinesischen Männern, Frauen und Kindern. Flüchtlinge irrten durch verwüstete Landstriche.

Im Schatten des Wirtschaftswunders

Auf dem Finanzsektor herrschten chaotische Zustände: Es gab das Geld der nationalchinesischen Regierung unter Chiang Kai-Shek, es gab Geldmarken in den Gebieten, die Mao Zedong nach dem legendären Langen Marsch mit seiner Volksbefreiungsarmee erobert hatte.

Die Japaner gaben ebenfalls eigenes Geld aus.

Eine Münze und ein Geldschein aus der Mandschurei. Die Japaner hatten dort 1932 den Marionettenstaat Mandschuguo ausgerufen und den letzten Kaiser PuYi als Statthalter eingesetzt.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs dauerte es noch einmal vier Jahre, bis der Bürgerkrieg zu Ende war und Mao Zedong in Peking einmarschierte, wo er am 1. Oktober 1949 die Volksrepublik China ausrief.

Einmal abgesehen von Hongkong, Macao und Singapur, gibt es seitdem zwei chinesische Währungen: der Renminbi, die sogenannte „Volkswährung“ in der Volksrepublik China, und der „Xin Taibi“, „der neue Taiwan-Dollar“ in der Republik China auf Taiwan. Hierher, nach Taiwan, war Chiang Kai-Shek nach seiner Niederlage gegen die Truppen Mao Zedongs geflohen.

Auf der Insel vor dem chinesischen Festland etablierte er mit amerikanischer Unterstützung seine Republik, die in Wahrheit eine Diktatur war.

Diktatorisch wurde auch das Festland regiert – durch die Kommunistische Partei Mao Zedongs.

Unter dem Reformer Deng Xiaoping begann eine Entwicklung, die China innerhalb von zwei Jahrzehnten zu einem kapitalistischen Boom verhalf – und dies unter der Führung der Kommunistischen Partei.

Sie beansprucht nach wie vor die Alleinherrschaft – während Taiwan sich demokratisiert hat. Bei all dem ist Festlandchina längst eng mit der globalen Finanzwirtschaft verzahnt.

Doch was die Glitzerfassaden der Boomtowns verbergen: Viele Chinesen leben im Schatten des Wirtschaftswunders – Wanderarbeiter in den Städten oder arme Bauern auf dem Lande.

Die Zukunft Chinas wird auch vom Umgang mit dieser sozialen Hypothek abhängen.