«Währungen von A-Z»

Geld und Beziehung II: Gesellschaft

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Politik und Gesellschaft werden einander gern entgegengesetzt und die Gesellschaft dabei verstanden als die Gesamtheit aller Bürger als Bürger, nämlich insofern sie nicht mit Politik befasst seien, also nicht mit der Lenkung und Leitung ihrer selbst als Bürgerschaft. Eine geldvermittelte Gesellschaft jedoch ist nicht mehr nur die Gemeinschaft ihrer Mitglieder jenseits solcher Vermittlung. Die Vermittlung durch Geld setzt jeden einzeln in abstrakten Zusammenhang mit allen anderen als einer Gesamtheit, die als solche nicht greifbar ist: der Gesamtheit des Geldes als Gesamtheit der Geldbesitzer. Gesellschaft ist nicht Gemeinschaft, sondern – in aller Wirklichkeit so abstrakt, wie es klingt – Vermittlungszusammenhang.

Zusammenhang in der Gesellschaft durch Abhängigkeit von Geld

Die geldvermittelte Gesellschaft stiftet den Zusammenhang zwischen ihren Mitgliedern durch eine Abhängigkeit voneinander, die höchst real besteht, aber eine höchst abstrakte Verlaufsform hat: die Abhängigkeit vom Geld. Das Leben eines jeden darin hängt davon ab, dass er zu Geld kommt, dass er folglich für sich etwas tut oder produziert, wofür andere ihm Geld geben. Und damit ist er zugleich umgekehrt abhängig davon, dass auch die jeweils anderen das tun und produzieren, was er zum Leben und wofür er deshalb Geld braucht, um es ihnen abkaufen zu können. Aber er kennt nicht die, für die er etwas tut, oder tut es nicht für sie, weil er sie kennt. Und auch sie tun das Ihre nicht für ihn, nicht, weil sie ihn kennen und zu seiner Versorgung beitragen wollen, sondern indem sie so wie er für sich darauf achten müssen, damit zu Geld zu kommen. In der Verfolgung dieses einen geldförmigen Interesses eines jeden für sich, in der Vereinzelung also erstellt sich ein Zusammenhang von Vereinzelten – die durch eben diesen Zusammenhang und in ihm Vereinzelte sind.

Ausgeschlossensein von Geld

Doch dieser Zusammenhang trennt sie nicht nur, er bringt sie gegeneinander in Stellung. Ein Beleg für die Unzahl von Konflikten, in die all diese Einzelinteressen, diese Interessen der Vereinzelten in der Konkurrenz mit denen aller anderen geraten, ist die Unzahl von Anwälten, die für das Ausfechten dieser Konflikte teuer bezahlt werden. Wie vielfältig die Konflikte aber auch jeweils sein mögen, ihren Kern haben sie im Prinzip der Ausschliessung, welches mit dem gesellschaftsvermittelnden Geld gesetzt ist. Denn dieses Geld beruht darauf, dass mit ihm etwas zu kaufen ist, was nur der bekommt, der es kauft. Alle anderen sind von dem ausgeschlossen, was gekauft werden soll. Sie sind davon ausgeschlossen, damit es einzig und allein gegen Geld an den geht, der das Geld dafür aufbringt. In einer Gesellschaft, in der so gut wie alles, was Menschen brauchen, nur für Geld zu haben ist, sind Menschen also von so gut wie allem grundsätzlich erst einmal ausgeschlossen: Sie müssen dafür zahlen und – vor allem – auch zahlen können. Wer es nicht kann, darf verhungern.