«Bildertouren zu interessanten Münzen»

«Landraub», ein Dokumentarfilm von Kurt Langbein, 2015

 zurück

In grossem Stil kaufen oder pachten institutionelle Investoren weltweit Ackerflächen. Unter diesem Phänomen, das international als «Landgrabbing» bezeichnet wird, versteht man grossflächige Landnahmen durch ausländische Investoren in Entwicklungsländern mit dem Ziel, dort Lebensmittel für den Export zu produzieren.

Der Film «Landraub» portraitiert die Investoren und ihre Opfer. Ihr Selbstbild ist extrem unterschiedlich. Die einen sprechen von gesundem Wirtschaften, Sicherung der Nahrungsversorgung und Wohlstand für alle. Die anderen erzählen von Vertreibung, Versklavung und vom Verlust der wirtschaftlichen Grundlagen.

 

Filmbesprechungen von «Landraub»

 

 

 

  • Der Film «Landraub»  zeigt die Dimensionen. Eine Fläche halb so gross wie Europa wurde bereits aufgekauft, die Bauern und indigenen Völker mussten weichen. Statt Nahrung für die Region anzupflanzen, wird im grossen Stil für die Märkte der wohlhabenden Länder produziert. 
  • Der Film «Landraub»  erzählt, was das mit uns zu tun hat. Neben Landgrabbing behandelt der Film auch das Abholzen von Regenwälder, die Kluft zwischen Kleinbauern und der Agrarindustrie, die Rolle von Palmöl und der moderne Kolonialismus.
     

Weitere Themen:

Krise des Regenwaldes

Als Regenwald werden Wälder bezeichnet, die durch ein besonders feuchtes Klima gekennzeichnet sind. Wegen der sehr unterschiedlichen Klimabedingungen wird je nach Klimazone zwischen den tropischen Regenwäldern und Regenwäldern der gemäßigten Breiten unterschieden.

Der tropische Regenwald entwickelte sich über Millionen von Jahren zu einem der komplexesten Lebensräume unserer Erde. Mindestens die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten sind hier heimisch. Die klimatischen Voraussetzungen: Mindestens 2.000 Millimeter Jahresniederschlag und konstante Temperaturen um die 26 Grad Celsius.

Bedeutung der Regenwälder

  • Neben dem Artenreichtum erfüllen die Regenwälder Funktionen, die nicht nur für die beheimateten Bewohner wichtig sind. Sie sind Speisekammer (beispielsweise Bananen oder Kakao), Wasserspeicher und Klimaregulator in einem. 

Folgen der Regenwaldzerstörung

  • Globale Erderwärmung. Sie stabilisieren das Klima der Welt, indem sie der Atmosphäre Kohlenstoffdioxid (CO2) entziehen und stattdessen Sauerstoff abgeben. Allein der Amazonas-Regenwald schluckt etwa zwei Milliarden Tonnen CO2 im Jahr. Die Abholzung von Wäldern macht ungefähr 15% des weltweiten Ausstoßes von CO2 aus. Denn Regenwälder und Torfmoore speichern besonders viel CO2. Wird Regenwald abgeholzt, steigen grosse Mengen Kohlendioxid in die Atmosphäre auf, die vorher in den Wäldern gebunden waren. Die Schicht aus Kohlendioxid in der Atmosphäre wirkt wie das Glasdach eines Treibhauses. Deshalb nennt man CO2 auch Treibhausgas, weil es zur globalen Erwärmung beiträgt.
     

Kleinbauern versus Agrarindustrie

Vor allem Kleinbauern und Selbstversorger leiden weltweit unter dem Landraub durch Grossinvestoren. Dabei bewahrt die industrielle Landwirtschaft die Menschheit keineswegs vor dem Hunger. Sie zerstört aber gleichzeitig unseren Planeten.

 

Palmöl – Chance und Krise

Palmöl ist ein Pflanzenöl, das aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme gewonnen wird. In den Fett- Molekülen sind zu 44 % die gesättigte Palmitinsäure und zu 39 % die einfach ungesättigte Ölsäure gebunden. Palmkernöl wird aus den Kernen der Früchte gewonnen und besteht zu über 80 % aus gesättigten Fetten. Mehr als zwei Drittel des Palm- und Palmkernöls werden heute in der Nahrungsmittelproduktion verwendet, 24 Prozent bei der Herstellung von Konsumartikeln und fünf Prozent dienen der Erzeugung von Energie im sogenannten Biosprit.

Palmöl als Klimakiller

  • Indonesien und Malaysia produzieren gemeinsam rund 85 Prozent des weltweit hergestellten Palmöls. Dafür werden in beiden Ländern tropischer Regenwälder so schnell abgeholzt wie in kaum einer anderen Region. Grund: Die Nachfrage nach Palmöl steigt seit Jahren stetig an.
  • Beispiel Indonesien, mit 240 Millionen Einwohnern das viertgrösste Land der Welt: Zur Errichtung einer Plantage wird zuerst der Urwald abgeholzt und brandgerodet. Danach werden die kohlenstoffreichen Torfböden entwässert. Diese bestehen aus totem Pflanzenmaterial, das sich über Tausende von Jahren unter Sauerstoffabschluss gebildet hat. Diese Moore speichern bis zu 6000 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar. 50-mal mehr als Wald ohne Torfboden. Durch die Entwässerung entweicht das gesundheitsgefährdende CO2 in die Atmosphäre. Dadurch ist Indonesien für knapp zehn Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich und steht hinter China und USA an dritter Stelle der grössten Klimasündern. Die Abholzung des Regenwaldes verursacht schon jetzt mehr klimaschädliche Treibhausgase als der gesamte Automobil- und Flugverkehr zusammen. 
 

Kolonialismus versus Kolonialismus 2.0

  • Als Kolonialismus wird die meist staatlich geförderte Inbesitznahme auswärtiger Territorien und die Unterwerfung, Vertreibung oder Ermordung der ansässigen Bevölkerung durch eine Kolonialherrschaft bezeichnet.
  • Seit Ende der 1980er Jahre übernahm Geld die Rolle der Waffen. Mit zunehmender Liberalisierung und Globalisierung des Agrarhandels schlug die Stunde der grossen Agrar-Handelsunternehmen. Landknappheit in den Ursprungsländern dieser Grosskonzerne wird durch Inbesitznahme durch Flächen in anderen Ländern und auf anderen Kontinenten «ausgeglichen». Nach der globalen Finanzkrise 2008 wurden durch die Kapitalmärkte die Äcker der Welt als Geschäftsfeld entdeckt. Banken, Pension- und Investmentfonds und Grosskonzerne eignen sich riesige Ländereien an, meist schliessen sie mit Regierungen Mega-Deals ab, durch die sie für einige Euro im Jahr Riesenflächen für 50 bis 100 Jahre pachten. Die Folge: Vertreibung und Unterwerfung der heimischen Bauern. Mit diesem Kolonialismus 2.0 sichern sich die reichsten Unternehmen der Welt den Zugriff auf die wichtigste Ressource dieser Welt – fruchtbaren Boden.

Website des Filmes:

Schulmaterial zum Film