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Liebe – das einzig verbindende Prinzip

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«Liebe ist das einzige Gut, das mehr wird, wenn man es verschwendet.» (anonym)
Liebe ist eine Energiestruktur, die versucht, Unterschiedlichkeiten aufzuheben. Aber sie versucht es nicht dadurch, dass sie das Andere auslöscht und gleich macht, sondern die Liebe versucht, das Andere als das zu lassen, was es ist, und es in eine Einheit zu integrieren. Liebe ist das liebevolle Annehmen all dessen, was ist, ohne zu urteilen und ohne zu werten.
Ein Vortrag von Harald Wessbecher

 

Textfile: Harald Wessbecher - Liebe

Liebe - das einzig verbindende Prinzip

10. November 1989 - ein Gespräch von Harald Wessbecher

Das einzig verbindende Prinzip in dieser Wirklichkeit ist das Prinzip der Liebe. Ihr lebt in einer Wirklichkeit, in der die Einheit in Gegensätzlichkeiten, in Pole zerfallen ist.

Harald Wessbecher

 

Damit ist die Notwendigkeit geschaffen, die Verschiedenheit der Pole wieder in eine Einheit zurückführen. Das Prinzip, welches die Einheit zur Verschmelzung anstrebt, ist das Prinzip der Liebe.

Allen Wirklichkeiten, allen Dimensionen, die polar geformt sind, ist das Liebesprinzip unterlegt. Wenn man keine Vorstellung davon hat, was Liebe ist, sagt diese Aussage in sich wenig. Was ist also Liebe?

Liebe ist eine Energiestruktur, die versucht, Unterschiedlichkeiten aufzuheben. Aber sie versucht es nicht dadurch, dass sie das Andere auslöscht und gleich macht, sondern die Liebe versucht das Andere als das zu lassen, was es ist und es in eine Einheit zu integrieren. Doch was heißt das?

Es heißt zum Beispiel, dass, wenn Liebe zwischen den Menschen fließt, das keine Energie darstellt, die versucht, den anderen zu dem zu machen, wovon man glaubt, es sei richtig. Liebe ist kein Prinzip, das versucht, von dem anderen das zu bekommen, wovon man glaubt, man selbst würde es brauchen. Liebe ist nicht ein Prinzip, das den anderen an mich bindet, indem ich ihm Verantwortlichkeiten überstülpe. Liebe ist auch kein Prinzip, das den anderen verpflichtet, in irgendeiner Form zu sein, die anders ist als die, die er selbst zum Ausdruck bringt.

Liebe ist die schöpferische Kraft, die denjenigen, der liebt, und all das, was geliebt wird, dazu anregt, in jeder nur denkbaren, fühlbaren und ausdrückbaren Form sich selbst zu sein. Liebe ist das unbegrenzte Prinzip des vollkommenen Lassens und Akzeptierens. Liebe ist das liebevolle Annehmen all dessen, was ist, ohne zu urteilen und ohne zu werten.

 

Liebe ist eine Energiestruktur, die versucht, Unterschiedlichkeiten aufzuheben. Aber sie versucht es nicht dadurch, dass sie das Andere auslöscht und gleich macht, sondern die Liebe versucht das Andere als das zu lassen, was es ist und es in eine Einheit zu integrieren.

Das Beurteilen entsteht durch das Anhaften an Wertvorstellungen, die irgendwann von irgendwelchen Menschen aufgestellt worden sind, um Richtlinien für die Ausdrucksform einer psychischen oder physischen Existenz zu geben. Liebe ist deshalb das Gegenteil einer Richtlinie, weil sie versucht, den schöpferischen, göttlichen Ausdruck in allem und jedem zu erkennen und ohne die Begrenzung einer Richtlinie fruchtbar werden zu lassen.

Liebe kennt weder ethische, moralische, soziale oder sonstige Richtlinien - sie ist vollkommenes Annehmen.

Ihr befindet Euch in einem Zeitalter des Aufwachens, der Wandelung; aber Wandelung wozu? Einige glauben zu sehen, dass die Welt, wie sie ist, dem Untergang geweiht sei, nicht wissend, dass dies niemals sein kann. Die Welt kann allenfalls einer Änderung geweiht sein. Wann immer sich etwas ändert, ist das, was sich ändert, durch all die Aspekte erzeugt, die von dieser Änderung betroffen sind. Wann immer in Eurer oder in einer anderen Wirklichkeit etwas geschieht, ist das, was geschieht, ausnahmslos und ausschließlich von den Aspekten verursacht, die an dieser Änderung teilhaben.

Es gibt keinen Grund, für Eure Zukunft schwarz zu sehen, genau so wenig, wie es Grund gibt, rot zu sehen oder gar grün. Diese Änderung, die sich im Moment in Eurer Wirklichkeit abspielt, ist eine Spiegelung dessen, was dort in jedem einzelnen Aspekt vor sich geht, sowohl materiell als auch psychisch.

Was immer auf Eurer Erde geschieht, ist von allem, was auf ihr existiert, verursacht und von allen einzelnen Aspekten, die diese Erde ausmachen. Die Erde als Summe von Aspekten wird niemals untergehen, sondern sich allenfalls wandeln.

Ein Problem tritt dann auf, wenn man glaubt, beurteilen zu können, welche Form der Wandlung günstig sei und welche nicht. Nun, wer glaubt zu wissen, welche Form der Wandlung günstig ist? 

Liebe kennt weder ethische, moralische, soziale oder sonstige Richtlinien - sie ist vollkommenes Annehmen.

Die Wertung einer Wandlung kann nur auf Grund eines Wertmaßstabes erfolgen. Man glaubt beispielsweise, es wäre günstiger, Tiere zu schlachten als Pflanzen umzuschlagen, oder man müsste bestimmte Luftschichten schützen und andere erzeugen, weil man denkt, es wäre für das, was auf dieser Welt lebt, wichtig.

Man hat sich wissenschaftliche, soziale oder gar spirituelle Perspektiven zurechtgebaut, Betrachtungsweisen darüber, was gesund und was ungesund ist, was Ausdruck gibt und was Ausdruck nimmt, was scheinbar natürlichem kosmischen Gesetz entspricht und was nicht, was religiös und gottgleich ist oder was dagegen steht.

Esoteriker behaupten gleichzeitig, dass alles göttlich ist, und doch müssten bestimmte Aspekte vermeidbar sein, weil sie eher auf der dunklen Seite des Göttlichen angesiedelt seien. Unter uns gefragt: Wie kann das sein? Dieses Zeitalter, in dem Ihr steht, ist ein Zeitalter der Erkenntnis, des Aufwachens. Aber aufwachen wozu?

Es ist ein Zeitalter der spirituellen Entwicklung, aber nicht so verstanden, dass Ihr Euch aus dem spirituellen Sumpf zum spirituellen Licht entwickelt, sondern eher so, dass die Verstrickung, die Verwicklung in Nichtwissen, in Nichtausdruck, das Gebunden-Sein an Wertmaßstäbe zu Ende geht.

Dies geschieht, indem Ihr Euch aus der geistigen Verstrickung heraus entwickelt und Ihr plötzlich klar sehen könnt. Ihr erkennt, Ihr alle und alles, was hier in dieser Wirklichkeit und überall existiert, ist Ausdruck eines einzigen Prinzips: Dies ist in dieser Wirklichkeit, wie wir sagten, die Liebe, das wohlwollende Lassen und Unterstützen des kreativen Ausdrucks von allem, was ist, und wir wiederholen, von allem, was ist.

Wer dieses Prinzip der Liebe verstanden hat, der kann unmöglich meinen, dieses darf sich ausdrücken, aber jenes nicht. Denn wo ist das Verständnis des Göttlichen, wenn es eine solche Unterscheidung gibt? Wo ist ein annäherndes Verständnis dessen, was man das kosmische Bewusstsein nennt?

Was heißt kosmisches Bewusstsein? Es ist ein Wissen um das kosmische Sein. Das Wort kosmisch kommt aus dem Griechischen, bedeutet ganzheitlich und beschreibt das Liebesprinzip. Erleuchtung ist die Wahrnehmung mit allem, was ist. Wer in diesem Bewusstsein ist, wird alles lieben als das, was es ist, nämlich als Ausdruck des Einen, des Urgrundes und der Einheit.

Dort, wo es kein Sein gibt, weil die Polarität aufgelöst ist und aus diesem Grunde auch kein Bewusstsein existiert, existiert auch keine Liebe. Liebe ist das verbindende Prinzip des Polaren. Wenn Gott die Liebe ist, dann zeigt sich Gott in der Polarität eben durch dieses Prinzip.

Dort, wo es kein Sein gibt, weil die Polarität aufgelöst ist und aus diesem Grunde auch kein Bewusstsein existiert, existiert auch keine Liebe. Liebe ist das verbindende Prinzip des Polaren. Wenn Gott die Liebe ist, dann zeigt sich Gott in der Polarität eben durch dieses Prinzip. Und gerade deshalb ist alles, was existiert, das göttliche Prinzip, welches es zu verinnerlichen gilt.

Jeder Mensch, der nur annähernd versucht, sich auf seinen eigentlichen Ausdruck zu besinnen, auf seine eigenen Fähigkeiten, auf das, was ihn wesentlich macht, der wird zu diesem göttlichen Prinzip in sich Kontakt bekommen und es auch zum Ausdruck bringen. Jeder Mensch, der sich zum Ausdruck bringt, erfüllt seine Bestimmung, indem er in das schöpferische Prinzip des Göttlichen eintaucht.

Ausdruck des schöpferischen Prinzips ist interessanterweise nicht, liebe deinen Nächsten, sondern liebe dein Selbst wie den anderen. Liebe den anderen als dein Selbst, liebe alles wie Dich selbst.

Das liebende Prinzip, das Freiheit und Zugang zu all den Fähigkeiten im Menschlichen bringt, ist das Bewusstsein, dass das Einzige, was wirklich zählt, der eigene Ausdruck ist. Nur aus diesem einen Grunde seid Ihr in diese Wirklichkeit der Polarität eingetaucht, um das zu lieben, was Ihr seid - unbegrenzte, schöpferische Energie.

Dieser Ausdruck des unbegrenzt Schöpferischen kann nicht durch irgendwelche dunklen Seiten- die es nicht gibt begrenzt werden, genauso wenig wie durch helle Seiten: Es gibt nur Seiten. Die Liebe kennt nicht den Unterschied zwischen dem Dunklen und dem Hellen, die Liebe kennt nur das einende Prinzip, dass alles, was ist, aus Liebe besteht, jedoch in unterschiedlichen Erscheinungsformen.

 

Es geht nicht darum, etwas zu retten oder sich gar vor etwas zu schützen, denn ohnehin ist alles, was immer Ihr erlebt, von Euch selbst geschaffen. Wovor also wollt Ihr Euch schützen? Vor Euch selbst? Darüber lohnt es sich nachzudenken.

Wenn dies das Zeitalter der Umkehr ist, wie viele sagen, dann ist diese Umkehr lediglich eine Umkehr der Erkenntnis. Es ist die Erkenntnis, dass die scheinbare Begrenztheit, das "sich fangen lassen" in philosophischen, religiösen, moralischen und sozialen Strukturen in Wertesystemen gleich welcher Art, dass dieses ein Ende haben muss, wenn die Schöpfung beziehungsweise Ihr als Menschen Zugang zu Eurem göttlichen Urgrund bekommen wollt, zu dem, was Ihr seid.

Jeder Einzelne von Euch ist mit einem unbegrenzt schöpferischen Prinzip hierher gekommen, das nach Ausdruck schreit. Dieses schaffende Prinzip ist die Liebe, weil es die Verbindung sucht und damit das Potential in sich trägt, alles zu schaffen. Wer in Liebe lebt, ist nicht aufzuhalten, sein Ausdruck ist kolossal und überall. Seine Fähigkeiten sind unbegrenzt, nicht einmal eingegrenzt durch das, was man die scheinbar physikalischen Gesetze nennt. Wer wirklich in diesem Prinzip der Liebe lebt, für den gibt es keine Gesetzmäßigkeiten und Richtlinien außer denen, die er sich selber freiwillig sucht. 

Es gab immer Menschen, die dieses Prinzip lebten und es gibt auch jetzt Menschen, die dieses Prinzip leben. Die Liebe als lassendes Prinzip strahlt für diejenigen, die im Umfeld solcher Personen stehen und es wird ihnen die Freiheit wieder zurückgeben, sich selbst zu leben. Das ist die Wandelung und die Entwicklung in diesem Zeitalter.

Es geht nicht darum, etwas zu retten oder sich gar vor etwas zu schützen, denn ohnehin ist alles, was immer Ihr erlebt, von Euch selbst geschaffen. Wovor also wollt Ihr Euch schützen? Vor Euch selbst? Darüber lohnt es sich nachzudenken.

Es ist geradezu paradox, wenn in Kreisen der Esoterik behauptet wird: Der Mensch ist ein göttliches Geschöpf und aus diesem Grunde kann er sich schützen. Aber wovor? Vor einem anderen Gott?