«Geld: ein Versprechen?»

Mein Geld

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Ob es jemals Liebe war?

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Ich heiratete einen Millionär,

und zum Ende meines Kunststudiums reichte ich über eine Rechtsanwältin die Scheidung ein.

Die Ehe war kinderlos geblieben, und der Zugewinn belief sich auf ein beträchtliches Ausmass an Vermögen, das wir im Laufe unserer Ehe angehäuft hatten. Einige der Firmenbeteiligungen hatte er aus steuerlichen Gründen schon während unserer Ehe an mich abgetreten. Es war auch nicht ratsam, das Schwarzgeld, das auf verschiedenen Konten unter meinem Namen lag, den Finanzbehörden auszuliefern.

Hochhaus-, Konzern- und Reederbeteiligungen, Schmuckstücke, Antiquitäten, Aktien, Grundstücke und mehrere Häuser im In- und Ausland sowie einige Eigentumswohnungen, die wir günstig erworben hatten, wurden auf ihren Wert hin geprüft und dem Gerichtsbeschluss entsprechend geteilt.

Auch die beträchtliche Anzahl von Kunstwerken, die seltenen Teppiche und diese alte Briefmarke, die er im Verlauf der gemeinsamen Jahre auf meinen Rat hin erstanden hatte, waren zu versteigern. Mehrere kapitalbildende Lebensversicherungen auf meinen Namen konnte ich zur Gänze behalten, und was die alten und neuen Autos und die Motorräder betraf, wurden wir relativ schnell handelseinig.

Die Yacht hatte ich ohnehin nie gemocht, und ich war froh, das Ding endlich flüssig zu sehen. Dass ich freilich die Diamantensammlung, die in keinem der Versicherungspapiere gelistet war, einfach unterschlagen habe, hat er mir anscheinend bis heute nicht verziehen. Er grüsst mich noch immer nicht, wenn wir uns auf der Strasse sehen.

Ob es jemals Liebe war?

Aus: Sabine Zimmermann, aus der Serie «Währungen», 1999