«Leit-Währungen - Leitfaden der Geschichte»

Oanda Café

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Dass Devisenhandel nicht nur etwas für Profis oder Leute mit dickem Portemonnaie ist, zeigt die Firma Oanda in Toronto. Sie bietet seit 2001 eine Onlineplattform an, die jedem erlaubt, Devisen zu handeln – selbst mit geringem Einsatz. Ermöglicht hat dies das Internet und die Pionierarbeit von Olsen. Die 1985 gegründete Zürcher Firma ist führend in der Entwicklung elektronischer Finanzmarktprodukte und legte mit dem Erforschen und Bereitstellen von Hochfrequenzdaten die Basis für Oandas Plattform. Diese DVD gibt einen kurzweiligen Einblick in die kreative Welt der beiden Firmen.

 

Informationsrevolutionen

Grosse Umwälzungen in der Geschichte der Menschheit wurden häufig nicht etwa durch Kriege oder Naturkatastrophen, sondern durch Neuerfindungen im Informationsbereich bewirkt. Die Einführung des Geldes oder die Erfindung des Buchdrucks lösten regelrechte Revolutionen aus, die bis in die heutige Zeit hinein wirken. Ihre Bedeutung wurde allerdings erst viele Jahre später wahrgenommen.

Etwa um 560 vor Christus liess Krösus, König des lydischen Reichs in Kleinasien, erste Gold- und Silbermünzen prägen. Dieses Münzensystem stellte einen Wertmassstab dar: Waren und Dienstleistungen verschiedenster Art konnten anhand dieses Massstabs verglichen und bewertet werden. Damit war der Tauschhandel nicht länger an einen örtlich begrenzten Raum gebunden. Handwerker und Kaufleute konnten ihren Handlungsspielraum ausdehnen.

Die europäische Kultur hat ihre Grundlage in Krösus' Geldsystem − einem System, in welchem die Herkunft des Einzelnen nebensächlich wurde und sich dessen Verankerung im sozialen Umfeld verringerte − in Asien etwa spielte beides viel länger eine zentrale Rolle als in unseren Regionen. Auch die Globalisierung, wie wir sie heute erleben, wäre ohne ein standardisiertes und stabiles Geldsystem überhaupt nicht denkbar.

Nicht geringer waren die Auswirkungen der Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg um die Mitte des 15. Jahrhunderts. Dass immer mehr Bevölkerungsschichten Zugang zu Information und Bildung erhielten, bewirkte eine gesellschaftliche Revolution. Ohne die Buchdruckerkunst wäre zum Beispiel die rasche Verbreitung der Thesen Martin Luthers und damit der Reformation nicht möglich gewesen. Aber auch die demokratischen Staatssysteme, wie sie uns heute vertraut sind, beruhen auf der umfassenden Information aller Bürgerinnen und Bürger.

Eine dritte Informationsrevolution, deren Folgen vermutlich heute noch gar nicht absehbar sind, begann um 1990 mit der Erfindung des World Wide Web und der Webbrowsertechnik. Der orts- und zeitunabhängige Zugang zu Informationen aller Art hat unseren Alltag verändert. Beabsichtigen wir, etwas zu kaufen, vergleichen wir im Internet die Preise verschiedener Anbieter und geben online die Bestellung auf; planen wir eine Reise, suchen wir im Internet nach der passenden Zugverbindung; benötigen wir Informationen zu einem bestimmten Thema, geben wir den Suchbegriff bei Google ein; sind Rechnungen zu bezahlen, erledigen wir das über E-Banking. Händler und Mittelsmänner werden zunehmend überflüssig. Auch Geld wechseln, Devisen verwalten, Aktien kaufen oder verkaufen ist heute jedem, der Zugang zu einem PC mit Internetanschluss besitzt, ohne Umweg über eine Bank möglich. Während der individuelle Anleger früher seine Geldgeschäfte weitgehend seiner Bank überliess und auf deren Wissen und Erfahrung vertraute, informiert er sich heute selber und tätigt seine Transaktionen, als sässe er persönlich im Tradingroom.

Oanda

Zu den Ersten, die die Chancen der jüngsten Informationsrevolution erkannten, gehört eine kleine Firma im kanadischen Toronto namens Oanda. Millionen von Menschen benutzen bereits den Online-Währungsumrechner von Oanda, mit dem sich Beträge aus einer beliebigen Währung zu aktuellen Kursen und ohne Taschenrechner in eine andere umrechnen lassen.

Seit 2001 bietet Oanda auch eine Internet-Devisenplattform, mit der jedermann direkt am Devisenhandel teilnehmen kann – und zwar zu Konditionen, die im traditionellen Bankgeschäft nur Grosskunden gewährt werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob jemand 10 Dollar oder 10 Millionen Dollar handeln möchte.

Es ist das erklärte Ziel von Oanda, Devisentransaktionen zu möglichst tiefen Kosten anzubieten. Das Unternehmen verdient lediglich an den Kursdifferenzen; Kommissionen werden keine in Rechnung gestellt. Möglich ist das nur, weil es Computerspezialisten und Finanzfachleuten gelungen ist, die gesamten Abläufe zu automatisieren.

Oanda nimmt mit seiner Devisenplattform in vielerlei Hinsicht eine Vorreiterrolle ein.

  •  Es handelt sich um die erste Handelsplattform mit einer grafischen Benutzeroberfläche. Frühere Plattformen zeigten lediglich einen Bildschirm voller Ziffern, die zwar für einen Händler überblickbar, für ungeübte Benutzer jedoch unverständlich waren.
  • Oanda ist die erste und bisher einzige Devisenhandelsplattform, die rund um die Uhr und an sieben Tagen in der Woche geöffnet hat.
  • Oanda ist die erste vollautomatisierte Plattform. Dadurch sind die Transaktionskosten enorm gering, und Oanda kann unabhängig vom Transaktionsvolumen einen einzigen Devisenkurs anbieten.
  • Die Zinsen werden bei Oanda von Sekunde zu Sekunde berechnet und gutgeschrieben. Die Banken tun das einmal pro Tag und schreiben Zinsen nur gut, wenn eine Position über Nacht gehalten wird.

Oanda ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein Unternehmen sich neue Möglichkeiten zunutze machen und sich gegenüber der Konkurrenz einen Vorsprung erarbeiten kann. Die neue Technologie und die tiefen Transaktionskosten haben aber nicht nur eine fortschrittliche Finanzplattform, sondern eine ganz neue Wissenschaft ermöglicht: die sogenannte High Frequency Finance.

High Frequency Finance

Um Schwankungen im Finanzmarkt zu verstehen und wenn möglich sogar zu prognostizieren, sind Fachleute auf Modelle angewiesen. Welche Resultate ein Modell liefert, hängt unter anderem vom Massstab ab, der verwendet wird: Betrachten wir zum Beispiel die Erdoberfläche von weit weg, zeigt sich uns ein ganz anderes Bild, als wenn wir näher herankommen.

Ähnlich verhält es sich mit Finanzmarktmodellen: Die einen beobachten den Markt eher aus der Vogelperspektive und ziehen Monats- oder Tagesdaten zur Beurteilung von Kursbewegungen heran. Die anderen zoomen näher ans Kursgeschehen heran und basieren auf Stunden- oder gar Sekundendaten.

Ein Modell ist ein vereinfachtes Abbild der Wirklichkeit. Rückschlüsse auf das Verhalten des untersuchten Bereichs sind nur dann zutreffend, wenn das Modell die Wirklichkeit genügend genau abbildet.

Herkömmliche finanzmathematische Modelle, die meist auf Tagesdaten basieren, gehen davon aus, dass die Erträge eines Vermögenswerts normalverteilt sind. Die Normalverteilung oder gausssche Verteilung ist die wichtigste aller Wahrscheinlichkeitsverteilungen und geht auf den deutschen Mathematiker Carl-Friedrich Gauss zurück. Grafisch stellt sich diese Verteilung als «Glockenkurve» dar.

Tatsächlich lassen sich zahlreiche Beobachtungen durch das Modell der Normalverteilung erstaunlich gut beschreiben. Ärzte benutzen es in Form von Wachstumstabellen für Säuglinge und Kleinkinder, Wissenschaftler bei der Bestimmung von Beobachtungsfehlern oder Bankiers zur Risikooptimierung von Anlageportfeuilles. Von der Realität an den Finanzmärkten liefert es jedoch kein gutes Abbild, wie die Vergangenheit gezeigt hat.

Fachleute kritisieren schon seit langem, dass es an den Aktienbörsen viel häufiger zu grossen Kurseinbrüchen kommt, als die Normalverteilung unterstellt. Diese geht nämlich davon aus, dass die allermeisten Kursveränderungen sehr klein sind. Nur ganz wenige sind gross – und je grösser, desto unwahrscheinlicher sind sie. Ein Ereignis wie der Kurssturz des Dow Jones 1987, aber auch andere dramatische Kursbewegungen der letzten Jahrzehnte, sind mit der Normalverteilung gar nicht erklärbar. Die Glockenkurve muss deshalb korrigiert werden, wenn man sie auf den Finanzmarkt anwenden möchte. Die Fachleute sprechen von sogenannten «Fat Tails»: Die auslaufenden Seiten der Glockenkurve sind dicker als bei der Normalverteilung. Negative und wiederum sehr hohe Renditen haben also eine höhere Wahrscheinlichkeit, als die Normalverteilung postuliert. Das bedeutet aber auch: Wer sich auf die Normalverteilung verlässt, unterschätzt die Risiken an den Finanzmärkten beträchtlich.

Herkömmliche Finanzmarkttheorien bezeichnen extreme Ereignisse gern als Spezialfälle und blenden sie aus. Es sind aber gerade diese extremen Ereignisse, die über Gewinn und Verlust entscheiden, und nicht die «normalen» Kursschwankungen. Benoît Mandelbrot, der Begründer der fraktalen Geometrie, hat deshalb einen ganz anderen Ansatz gewählt. Er versucht, aussergewöhnliche Kursbewegungen mit Hilfe der Fraktaltheorie darzustellen.

Die fraktale Geometrie behandelt anders als die euklidische Geometrie nicht einfache Formen wie Geraden oder Kreise. Sie beschreibt komplexe Gebilde und Erscheinungen, die ähnlich auch in der Natur vorkommen, etwa in Küstenlinien oder Gebirgszügen. Fraktale sind selbstähnlich, das heisst, jeder Ausschnitt einer fraktalen Figur ähnelt bei entsprechender Vergrösserung dem Gesamtobjekt.

Eine solche Selbstähnlichkeit erkannte Mandelbrot, als er die Schwankungen von Baumwollpreisen über mehr als hundert Jahre hinweg untersuchte. Egal, ob er die Kurven für einen Tag, eine Woche oder einen Monat betrachtete: Sie sahen alle ähnlich aus.

Dieses Phänomen macht sich die High Frequency Finance zunutze. High Frequency oder Hochfrequenz meint, dass nicht Tagesdaten, sondern jede einzelne Veränderung gemessen und ausgewertet wird. Wenn ein Kurs sich also etwa alle 3 Sekunden verändert, ergibt das mit High Frequency 25'000 Daten pro Tag – das sind so viele, wie mit herkömmlichen Methoden in hundert Jahren gesammelt werden. Früher konnten solche enormen Datenmengen gar nicht gespeichert und analysiert werden. Die heutige Technologie ermöglicht es jedoch, beliebig kleine Zeitabschnitte unter die Lupe zu nehmen und miteinander zu vergleichen.

Dabei hat man festgestellt, dass die Volatilität, also die Schwankungen von Kursen, zunimmt, je kürzer der untersuchte Zeitabschnitt ist. Innerhalb einer Stunde schwanken die Daten viel stärker als innerhalb eines Monats. Und man hat weiter festgestellt: Zwischen der Volatilität im kurzfristigen und derjenigen im langfristigen Bereich besteht ein konstanter mathematischer Zusammenhang. Das heisst aber auch: Kennt man die kurzfristige Volatilität, kann man daraus auf die langfristige schliessen.

Olsen

Die Erkenntnisse von Mandelbrot und die Möglichkeit, Hochfrequenzdaten zu sammeln und auszuwerten, hat sich eine kleine Zürcher Research-Boutique namens Olsen Ltd. zunutze gemacht. Olsen hat in den letzten 25 Jahren die grösste Datenbank mit Hochfrequenzdaten im Devisenbereich aufgebaut und beschäftigt sich mit deren Analyse. Während jedoch herkömmliche Analyseprogramme auf der traditionellen Statistik beruhen, operiert Olsen mit der Chaostheorie und der fraktalen Geometrie.

Richard Olsen, Gründer und CEO von Olsen Ltd., vergleicht die Finanzmärkte mit Seen, in die laufend Steine geworfen werden. Die Steine – das sind politische und wirtschaftliche Ereignisse. Das Modell von Olsen erhebt nicht den Anspruch, die Steinwürfe zu prognostizieren. Es versucht jedoch, die Wellen, die durch sie ausgelöst werden, vorherzusehen.

Die fraktale Geometrie allein reicht nicht als Grundlage für Olsens Modell. Wichtig ist auch zu wissen, wann sich ein bestimmter Kurs bewegt und durch wen. Mit anderen Worten: Man muss das Verhalten der Marktteilnehmer kennen. Diese lassen sich grob in drei Gruppen einteilen: Erstens die kleine Gruppe der Zentralbanken, die über die grössten finanziellen Mittel und den längsten Zeithorizont verfügt. Zweitens die Gruppe der institutionellen Anleger, die am vielfältigsten ist und vor allem im mittelfristigen Bereicht agiert. Und drittens die Gruppe der Spekulanten, die für einen Grossteil des gesamten Börsenvolumens verantwortlich ist. Spekulanten agieren kurzfristig, versuchen von möglichst jeder Kursänderung zu profitieren und gehen dabei häufig ein hohes Risiko ein. Dadurch bringen sie Unruhe und Instabilität in den Devisenmarkt, fördern allerdings gleichzeitig dessen Liquidität.

All diese Erkenntnisse sind in das Computermodell von Olsen eingeflossen. Damit und dank der Online-Devisenplattform von Oanda, die das Handeln im Sekundentakt überhaupt erst ermöglicht hat, kann Olsen eine völlig neue Generation von Finanzmarktprodukten anbieten.

Bei Olsen werden laufend alle Daten in Echtzeit eingelesen und analysiert. Erkennt das Modell einen Kursausschlag, gibt es Gegensteuer, indem es eine kleine Gegenposition eröffnet. Beruhigt sich der Markt, dann schliesst es die Position wieder mit einem Profit. Wenn nicht, vergrössert es die Position, beobachtet, baut weiter auf, bis der Kurs seine Richtung ändert. Auf diese Weise schafft das Olsen-Modell Liquidität im Bereich kleinster Kursbewegungen und beruhigt gleichzeitig die Volatilität über grössere Zeitintervalle hinweg. Im Durchschnitt werden so täglich hundert Transaktionen pro Währungspaar ausgeführt – mit einem sehr kleinen Risiko. Genau umgekehrt agieren Spekulanten: Sie beschränken sich auf wenige, dafür oft hochriskante Geschäfte.

Die Finanzmarktprodukte von Olsen bieten gleichzeitig eine hohe Performance, umfassende Kontrolle und sofortige Verfügbarkeit ? eine Kombination, die in dieser Qualität bisher im Finanzmarkt nicht angeboten wurde. Je nach Risikobereitschaft kann ein Kunde 10 bis 15 Prozent Profit erzielen. Er kann die Performance laufend auf der Website von Olsen verfolgen, und er kann die Anlage jederzeit zurückziehen.

Dadurch, dass Olsens Modell den Markt laufend mit zusätzlicher Liquidität versorgt und allen den Zugang zum Devisenmarkt öffnet, wirkt es ausgleichend und stabilisierend. Im herkömmlichen Devisenmarkt sind es wenige, die viel gewinnen, und viele, die verlieren. Olsen trägt dazu bei, das Risiko gleichmässiger zu verteilen und damit den Finanzmarkt und letztlich die Wirtschaft zu stabilisieren.

Dass ein voll automatisiertes Computermodell funktionieren kann, hat Olsen im Devisenhandel bereits bewiesen. Der nächste Schritt wird sein, diese Technologie auch in anderen Märkten wie zum Beispiel dem Aktien- oder Rohstoffhandel anzuwenden. Wir sehen also auch hier: Eine neue Entwicklung hat gerade erst begonnen.

Olsen-Café

Keine Frage, der Finanzmarkt befindet sich im Umbruch. Die Möglichkeiten und Potenziale der neuen Technologien sind erstaunlich. Übergänge von einer bekannten Umgebung in eine unbekannte können aber auch verunsichern oder gar Angst machen. Anleger sind gefordert – vielleicht sogar überfordert.

Das Zürcher MoneyMuseum möchte seinen Besucherinnen und Besuchern den Einstieg in die virtuelle Welt neuer Finanztechnologien erleichtern. Mit dem Olsen-Café hat es einen vorerst virtuellen Ort geschaffen, wo sich Interessierte über Neuentwicklungen im Finanzbereich informieren und neue Techniken lernen können. Sie können sich zum Beispiel in die Gesetzmässigkeiten des Online-Devisenhandels einführen lassen oder ein virtuelles Konto bei Oanda eröffnen, um ihre eigenen Erfahrungen mit «pips» und «spreads» zu machen. Oder sie informieren sich über das Olsen-Modell und probieren es am Bildschirm selber aus.

Das Olsen-Café bietet laufend Einblicke in Neu- und Weiterentwicklungen in der Finanzwelt. Vor allem aber ist es ein Ort, wo die Informationsrevolution nicht verunsichern, sondern neugierig machen soll. Denn wie gesagt: Die neuen Möglichkeiten sind erstaunlich.