«Geld in der Römischen Republik»

Was bedeutet Geld für mich?

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«Diese Frage interessierte mich schon als Teenager ...»

Jürg Conzett ist Gründer des MoneyMuseums und beschäftigt sich noch immer mit dieser Frage.

Was ist Geld? Diese Frage interessierte mich schon als Teenager. Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der über Geld nicht gesprochen wurde, aber in der man sich bewusst war, ein Unternehmen zu besitzen. Von meinen Mitschülern wurde ich oft mit dem Unternehmen und mit Geld identifiziert, anstatt selber eine Person zu sein. Und so nahm ich diesen Umstand in mein Selbstverständnis auf, ich identifizierte mich mit dem Geld meiner Familie.

Aber ich litt. Früh ist es mir aufgefallen, dass Geld nicht unbedingt glücklich macht. Oft ging es bei den Familienfehden um das Thema Geld. Wieso entzündete sich Streit ausgerechnet an dem Gegenstand, der uns Annehmlichkeiten verschafft? Ich erlebte Geld im wahrsten Sinne als Zündstoff.

Beantwortet der Glücksphilosoph Epikur die Frage?

Schon früh las ich deshalb die Schriften des Glücksphilosophen Epikur und was er zu diesem Thema meinte. So viel stand fest: kein Geld zu haben führt auch nicht zum Glück. Kein Geld zu haben, aber glücklich zu sein wäre zwar akzeptabel gewesen, aber da war auch der Anspruch an die Annehmlichkeiten unseres Lebens. Meine Dissertation «Das Problem des Aufstiegsstrebens in der modernen Gesellschaft» löste das Problem natürlich nicht, aber es liess mir Zeit, mich mit der Frage zu beschäftigen.

So hatte ich schon früh die Vision, Geld zu haben und glücklich zu sein – und ich schlug eine Bankkarriere ein. Die Frage «Was ist Geld?» stellte ich immer wieder meinen Kunden, nachdem ich mich als Finanzberater selbständig gemacht hatte. Meine Kunden waren meist Unternehmer. Da mich deren Antworten im Innersten interessierten, entstanden viele wertvolle Gespräche. Jede Geschichte war anders, wie meine Kunden zu ihrem Geld gekommen waren, das sie mir nun zur Verwaltung anvertrauen wollten. Ich notierte und lernte viel, bis schliesslich die «Geldgeheimnisse» zusammengestellt waren.

Geldgeheimnisse erfahren

Ein Geldgeheimnis ist wie jedes Geheimnis etwas, das man erfahren, aber nicht aussprechen kann. Aber ein Geheimnis verrate ich Ihnen trotzdem. Es stammt von Onassis und heisst: «Du sollst dem Geld nicht hinterherlaufen – Du sollst ihm entgegentreten.» Ich nenne dies Serendipity – zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein. Diese Geldgeheimnisse waren das Fundament des kommenden MoneyMuseums. Die Frage «Was ist Geld?» stand deshalb von Anfang an im Mittelpunkt des MoneyMuseums. Nach den «Geldgeheimnissen» liess ich einen Online-Test programmieren – «Welcher Geldtyp bin ich?» Dieser Selbsttest war über die Jahre sehr beliebt, er warf Fragen auf, die sich die meisten Leute so nicht stellten. Das MoneyMuseum liess mich mit vielen weiteren Themen beschäftigen, eines nach dem andern. Lange studierte ich die Geschichte des Geldes, von Krösus, dem Erfinder des Geldsystems über die Chinesen mit ihrer Vielfalt an Tauschmitteln bis zum wert-losen Geld heute. Es reihten sich nicht nur Ausstellung an Ausstellung, auch Publikationen, Filme, Hörspiele und Referate befassten sich mit diesem Thema.

 

Du sollst dem Geld nicht hinterherlaufen – du sollst ihm entgegentreten.

Aristoteles Onassis

Was ist Geld? Eine Frage, viele Antworten

Was habe ich daraus gelernt? Antworten auf die Frage «Was ist Geld?» gibt es viele. Das sieht man am besten an Hand der Geschichte des Geldes, die unsere Vergangenheit Revue passieren lässt ohne Jahreszahlen und ohne die grossen Schlachten, einfach an Hand von interessanten Münzen. Natürlich fiel mir auf, dass sich nach 1500 etwas Grundlegendes geändert hat. Nicht nur die Grösse der Münzen veränderte sich, sondern die Genese des modernen Geldes entstand dazumal. Heute ist das Geld nicht mehr physisch, sondern es herrscht in unseren Köpfen.

  • Ich habe gelernt, zwischen Geld, Vermögen und Reichtum zu unterscheiden. Und zwar strikt. Sprachlich und gedanklich. Sonst beginnt unweigerlich die Verwirrung im Kopf. Es sind drei unterschiedliche Bereiche, mit ganz verschiedenen Voraussetzungen.
  • Geld braucht man, um Steuern zu bezahlen, die Wohnungsmiete am Ende des Monats, die Hypothekarzinsen, die Lebenskosten, die Löhne von Angestellten zu begleichen.
  • Vermögen ist wichtig in unserer Gesellschaft, vor allem produktives Vermögen, das Einkommen generiert. Es ist unsere Altersvorsorge.
  • Ich habe gelernt, dass Reichtum nicht nur materiell zu verstehen ist, sondern vor allem Reichtum an Erfahrung, an Erlebnissen, an Optionen ist.
  • Und vor allem habe ich gelernt, dass es viele Bereiche gibt – ja, geben muss –, in denen das Geld nicht herrscht und nicht herrschen darf. Ein Beispiel, das mir immer wieder in den Sinn kommt, ist folgendes: Ich sammle antiquarische Bücher von der Renaissance bis in unsere Zeit. Die Renaissance-Bücher sind sehr sorgfältig gearbeitet, vom Papier, vom Einband, vom Schriftbild her. Damals kosteten sie einen Handwerker mehrere Monatssaläre. Es war und ist wertvoll, solche Bücher in der Hand zu halten. Oft fragen mich die Besucher des MoneyMuseums, was so ein Buch wert sei. Meine Antwort: «Es ist wert-los.» Für mich hat das Buch beim Kauf einen Geldwert, den muss ich dem Verkäufer entrichten. Aber unmittelbar anschliessend verliert das Buch jeglichen materiellen Wert, es ist in diesem Sinne wert-los geworden. Der einzige Wert ist der, der mir das Buch bedeutet. Das ist die Voraussetzung, dass ich mich freuen kann, das Buch in der Hand zu halten.