«Währungen von A-Z»

Was ist Geld für uns?

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Dr. Thorsten Polleit, Honorarprofessor für Volkswirtschaftslehre, Universität Bayreuth

Was Geld ist

Heute geht es um das Geld. Genauer: Es geht um das, was Geld ist!

Sie, ich, wir alle, verwenden Geld tagtäglich.

Mit Geld bezahlen wir unsere Käufe im Supermarkt, im Kaufhaus, im Internet.

Und obwohl wir alle jeden Tag ganz selbstverständlich Geld verwenden, so haben doch vermutlich die wenigsten von uns eine Antwort parat auf die Frage:

Was ist Geld?

Geld ist universell akzeptiertes Tauschmittel

Die Antwort auf diese Frage kann jedoch kurz und knapp ausfallen:

Geld ist das allgemein, universell akzeptierte Tauschmittel.

Geld ist das marktfähigste Gut. Es ist das Gut, das sich am einfachsten gegen andere Güter eintauschen lässt. Geld ist das liquideste Gut.

Geld ist kein Konsumgut. Es wird nicht verbraucht, es geht nicht unter, wenn man es verwendet.

Geld ist auch kein Produktionsgut. Es wird nicht eingesetzt, um andere Güter zu produzieren.

Vielmehr ist Geld ein Gut eigener Art. Geld ist ein Tauschgut.

Geld hat nur eine Funktion, und das ist die Tauschfunktion.

Geld ist eine grossartige Errungenschaft.

Das wird deutlich, wenn man sich vor Augen führt, wie das Tauschen ablaufen würde, wenn man kein Geld verwendet, wie es in einer Naturalwirtschaft der Fall ist.

In einer Naturalwirtschaft müssen Güter, die Waren und Dienstleistungen, direkt gegen andere Güter getauscht werden.

Wer beispielsweise einen Apfel möchte und bereit ist, dafür ein Brot hinzugeben, muss jemanden finden, der bereit ist, einen Apfel gegen ein Brot herzugeben.

Damit ein solcher Tausch hier möglich wird, muss eine sogenannte doppelte Koinzidenz vorliegen. Sie herbeizuführen, ist nicht nur zeitaufwendig, es ist häufig ganz unmöglich – und der Tausch kann nicht stattfinden.

Mit der Verwendung von Geld hingegen wird das Tauschen leicht. Man tauscht das Gut, das man abzugeben bereit ist, gegen Geld, und das Geld wird nachfolgend verwendet, um das letztlich gewünschte Gut zu erlangen.  

Das Verwenden von Geld als Tauschmittel erweitert die Tauschmöglichkeiten für die Menschen ganz erheblich.

Das Rechnen in Geldpreisen macht das Tauschen einfacher: Es vermindert die Anzahl der Tauschrelationen zwischen den Gütern, die man kennen muss, um richtige Entscheidungen treffen zu können. Die Kosten des Handelns nehmen ab.

Geld ist so gesehen ein produktiver Segen. 

Ohne Geld wäre eine arbeitsteilige Volkswirtschaft gar nicht denkbar.

So wichtig also Geld ist, damit eine Volkswirtschaft arbeitsteilig und produktiv wirtschaften kann, so entscheidend ist damit auch die Frage: Wieviel Geld braucht eine Volkswirtschaft?

Um die Antwort auf diese Frage zu finden, liebe Zuschauer, wird im nächsten Video besprochen, was Inflation ist.

 

Thorsten Polleit wurde 1967 in Münster geboren und studierte von 1988 bis 1993 Wirtschaftswissenschaften an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster, an der er 1995 bei Manfred Borchert (Geld und Währung) promovierte.

Von 1997 bis 2000 arbeitete er für ABN AMRO, danach bis 2012 für Barclays Capital. Im April 2012 wechselte er als Chefvolkswirt zur 2010 gegründeten Goldhandelsfirma Degussa Goldhandel GmbH.

2003 erhielt er einen Ruf als Honorarprofessor für Volkswirtschaftslehre an die Frankfurt School of Finance & Management. Er gibt zudem Vorlesungen an den Universitäten Duisburg-Essen und Bayreuth. Seine Lehr-, Interessen- und Forschungsschwerpunkte sind Kapitalmarkttheorie, Geldpolitik und -theorie und insbesondere die Österreichische Schule der Nationalökonomie.

Er ist, zusammen mit Matthias Riechert, Gründungsmitglied und Partner von Polleit & Riechert Investment Management LLP. Thorsten Polleit schreibt seit 1998 regelmässig für verschiedene internationale Zeitungen und spricht auf Konferenzen. Er ist Mitglied verschiedener Verbände, Institutionen und Forschungseinrichtungen.