«Archaische Zahlungsmittel»

Geldtheorie I

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Geld und Material

Nahrung und kostbare Dinge werden über viele Jahrhunderte hinweg für Zahlungen verwendet, bevor sie auch zum Kaufen dienen. Erst mit der Neuzeit aber schlägt diese Verwendung um zu Geld im heutigen Sinn. Im selben Moment beginnt Geld sich von seinem Material zu lösen – bis es zuletzt zu blossen Bits geworden ist.

 

Die Schuld ist nicht notwendig eine solche belastende, in der Regel besteht sie wie beim Austausch von Gaben in einer positiven Verpflichtung.

 

Archaische Zahlungsmittel

Am Ursprung unseres Geldes liegt nicht der Tausch, sondern die archaische Zahlung: die Überreichung bestimmter Gegenstände zum Ausgleich einer Schuld oder zur Einlösung einer Verpflichtung. Je nach Gemeinschaft und Gelegenheit wurden viele unterschiedliche Dinge zu Zahlungen verwendet. Damit dienten sie jedoch nicht schon zu Geld, mit dem man etwas hätte kaufen können.

Geld ist nicht gleich Geld. Denn Geld ist nicht sogleich und von Anfang an das Geld, das heute bekanntlich die Welt regiert. Es regiert durchaus noch nicht die Welt, sobald nur irgendwelche Dinge in Ansätzen so verwendet werden, wie wir es heute von Geld kennen.

Anders, als heute die meisten annehmen, liegt sein Ursprung auch nicht im Tausch oder im Handel. Die übliche Annahme ist, die Menschen hätten gekauft und gehandelt wie heute, mit dem einzigen Unterschied, dass es ursprünglich ohne Geld und stattdessen im Tausch Gut gegen Gut stattgefunden hätte. Indem die Menschen später Geld an die Stelle eines der beiden getauschten Güter eingesetzt hätten, hätten sie demnach das Geld quasi erfunden. Dass Menschen jedoch einander verkaufen, was sie brauchen, egal, ob gegen Geld oder gegen ein anderes Gut, ist historisch eine späte Erscheinung. Sie tritt immer erst dort auf, wo es vorher bereits eine bestimmte Form von Geld gibt. In allen Kulturkreisen wurden Dinge erst dann auch für Käufe verwendet, wenn sie vorher in einem anderenZusammenhang schon als Werte Verwendung gefunden hatten: im Zusammenhang der archaischen Zahlung.

Auch Zahlungen haben sehr lange Zeit nicht die Bedeutung, die wir mit ihrem Begriff verbinden, nämlich dass da Geld für etwas zu zahlen wäre. Zahlungen sind zunächst Teil jenes archaischen Zusammenlebens von Menschen, das auf spezifisch wechselseitigen Verpflichtungen beruht. Dies Verpflichtetsein muss einerseits etwa durch Austauch von Gaben bekräftigt werden, es verlangt aber insbesondere, dass eine Schuld gegenüber anderen ausgeglichen wird. Und dieser Ausgleich ist die archaische Form der Zahlung.

Die Schuld, die mit ihr ausgeglichen wird, kann in einer Untat bestehen: Wenn ein Mann aus einer anderen Sippe erschlagen wird, ist ein Ausgleich dafür die Blutrache: Zahlung im archaischen Sinn. Die Sippe des Getöten tötet ihrerseits einen Mann aus der Sippe des Schuldigen und damit ist die Schuld aufgehoben, der Frieden wieder hergestellt. Aber der Ausgleich kann auch erfolgen, indem die Sippe des Schuldigen der geschädigten Sippe entsprechende Gaben überreicht. Mit deren ritueller Überreichung ist die Schuld ebenso ausgeglichen wie durch die tödliche Rache, auch sie ist archaische Zahlung dieser Schuld.

Die Schuld aber ist dabei nicht notwendig eine solche belastende, in der Regel besteht sie wie beim Austausch von Gaben in einer positiven Verpflichtung. Die Zahlung ist dann Gegenleistung etwa für erwiesene oder auch für erhoffte Hilfe oder bei einer Heirat für die Frau, die aus einer anderen Sippe kommt. Die Dinge, die dabei als Zahlung zu überreichen sind, können je nach Gelegenheit sehr genau festgelegt sein. In jedem Fall aber sind – oder waren – verschiedene Dinge als archaische Zahlung möglich und eingeführt: Ursprung unseres Geldes zwar, aber noch lange nicht unser Geld.

 

 

Münzen und Banknoten

Münzen sind ursprünglich Stücke aus Edelmetall von einem jeweils bestimmten Gewicht. Noch bevor man solche Stücke zu Münzen gießt oder prägt, sind sie einfach in Form von Klumpen oder Barren verwendet worden. Und wie und wofür diese Metallstücke verwendet wurden, daran ändert sich zunächst überhaupt nichts, wenn sie zu Münzen geschlagen werden: Man verwendete sie für Zahlungen, für Sühnezahlungen, für Brautzahlungen, für Abgaben – für Zahlungen im archaischen Sinn. Und man verwendete dafür die Münzen nur unter anderem, nämlich neben vielen anderen Dingen, die weiterhin zu Zahlungen dienen konnten.

In den Münzen bekommen jedoch all diese Zahlungsmittel nun eine Norm: Was jeweils als Zahlung zu leisten ist, wird nach dieser einen Art Ding normiert – nach Münzen, falls sie es sind, oder entsprechend auch nach einer anderen Art Ding, Kaurischnüren etwa. Und damit erst beginnt es, dass solche Dinge außerdem als Tauschmittel verwendet werden. Außer bei Zahlungen leisten sie entsprechenden Ausgleich nun auch bei Gelegenheiten des Tauschens oder, wie man dann sagen kann, des Kaufens. Die Notwendigkeit dazu besteht ursprünglich nur sehr eingeschränkt: Soldaten bekommen etwa auf längeren Feldzügen Münzen, um damit Verpflegung kaufen zu können, die sie nicht mehr selber mitführen, sondern andere mitführen lassen. Hier kommt es zum Kaufen, weil in diesem Fall die heimische Versorgung ausfällt. Im Normalfall also beruht die Versorgung weiterhin nicht auf dem Kauf und Verkauf von Lebensmitteln oder Gütern.

Die Gelegenheiten, wo etwas mit Münzen zu kaufen ist, erweitern sich zwar, bleiben aber grundsätzlich eingeschränkt: eingeschränkt danach, wo und wann etwas gekauft werden kann, eingeschränkt auf bestimmte Personengruppen und vor allem eingeschränkt auf bestimmte Güter, die verkauft werden dürfen oder überhaupt zu kaufen sind. Eingeschränkt bleibt lange auch die Ersetzung von Münzen durch Papiergeld. Egal, ob in China oder in Europa, fürs erste bezeugen solche Papiere ihrem Halter lediglich das Eigentum an irgendwo hinterlegten Münzen. Sie sind Münz-Ersatz und Münz-Vertreter, sind nicht selbst frei handelbare Tauschmittel. Als sich in China Schwierigkeiten mit diesen Papieren einstellen, werden sie daher umgekehrt vollständig auch wieder durch Münzen ersetzt.

Grundlegend anders wird es erst mit einem historischen Umschlag: als die Versorgung innerhalb einer Gesellschaft in der Tat beginnt, auf Geld, auf dem Kauf und Verkauf von Gütern zu basieren. Dann erst werden auch Münzen und Noten zu dem, als was wir sie heute kennen: körperliche Vertreter eines Tauschwerts, der als solcher nicht mehr körperlich existiert und in der Hauptsache auch nicht mehr in dieser körperlichen Gestalt kursiert.

 

 

Digitales Geld

Die Münzung hatte eine Normierung zum Sinn: all die verschiedenen Dinge, die zu einer Zahlung dienen konnten, an einer Menge Edelmetall zu bemessen, die in einer Anzahl dieser Münzen bestimmbar war. Gesetze schrieben dann etwa als Strafe und Zahlung vor, dass jemand, der einem anderen den Arm gebrochen hatte, das Gleiche erleiden müsse oder aber einen Ausgleich von soundso vielen Münzen zu leisten habe. Das hieß jedoch nicht, dass er buchstäblich diese Anzahl Münzen zu beschaffen hatte. Er konnte weiterhin auch irgendwelche jener anderen Dinge beibringen, die bis dahin zur Zahlung gedient hatten, nun jedoch im Wert der geforderten Menge Münzen oder Metall. Das heißt, all diese Dinge wurden damit nach einem einheitlichen Gut bewertet, eine Anzahl Münzen stellte ihren Wert dar. Und das taten Münzen dann auch beim Kauf, bei ihrer Verwendung als Geld im engeren Sinn.

Dieser Wert – der Tauschwert, zu dem er dabei wird – bleibt sehr lange Zeit gebunden an die Münzen und anderen Dinge. Doch von dem Moment an, wo das Wirtschaften einer Gesellschaft hauptsächlich auf Geld beruht, also darauf, dass man die Versorgungsgüter zu kaufen bekommt, muss der Geldwert selbst nicht mehr in Gestalt eines Dinges auftreten, nicht mehr in Gestalt von Münzen oder anderer Dinge. Von da an löst er sich von ihnen und damit insgesamt von seinem substantiellen Dasein. Er besteht dann allein noch darin, dass er jeweils als dieser Geldwert fungiert, dass er also in einem Kauf gegen Ware des gleichen Werts getauscht wird. Geldwert besteht dann allein noch in dieser Funktion. Damit er sich nicht in Luft auflöst, ist nun allein entscheidend, dass auf jeden Kaufakt, in den er als Tauschwert eingeht, weitere Kaufakte folgen, in denen er jeweils wieder als derselbe Wert eingehen kann. Dafür muss Geld als dieser fortwährende Wert allerdings verbürgt werden.

Das leisten die neu entstehenden Nationalstaaten mit ihrem Gewaltmonopol: mit Polizei, Justiz, Verwaltungsapparat. Sie sind dann die letzte Gewähr für das Geld, das sie als Währung herausgeben: heute nur zum geringsten Teil in Münzen und Scheinen, in der Hauptsache als Zahlen auf elektronisch geführten Konten. Dort ist Geld erkennbar als reine Zahl: Sie beziffert einen Wert, der als solcher aus nichts besteht, als dass er so beziffert wird – um als Tauschwert zu fungieren. Der Wert also, von dem mittlerweile die gesamte Welt abhängt, ist aufs äußerste abstrakt: Er ist reines Quantum, in Ziffern festgehaltene Funktion.

Bitcoins machen damit auf andere Weise ernst: Sie werden dezentral und nicht-staatlich allein durch Rechnerleistung geschöpft und sind jede für sich individuell identifizierbar. Ihre Verwendung als Geld ist eben damit jedoch auch eingeschränkt: auf wenige Unternehmen, die Bitcoins akzeptieren, und auf ihren frei gehandelten Wert in staatlicher Währung.

 

Am Ursprung unseres Geldes liegt nicht der Tausch, sondern die archaische Zahlung: die Überreichung bestimmter Gegenstände zum Ausgleich einer Schuld oder zur Einlösung einer Verpflichtung.

Geld und Zeit

Geld, wie wir es kennen, ist ein historisch spätes Phänomen. Wo es aufkommt, wird der gesamte Lebensprozess einer Gesellschaft von ihm abhängig und unterwirft es den gesamten Zeitverlauf einem objektiven Zwang: dass Geld stets weiter als Geld fungieren und stets zu mehr Geld werden muss.

 

 

Genese des modernen Geldes

Geld kommt nicht als das Geld zur Welt, mit dem wir heute umgehen, sondern es wird dazu. Und zwar wird es dazu nicht etwa in einer notwendigen, quasi natürlichen Entwicklung, nicht so, dass es sich aus einfachen Anfängen heraus nur immer weiter hätten entfalten müssen, bis es schließlich so komplex geworden wäre wie unser heutiges Geld. Die frühen Formen von Geld, und das heißt: die Zahlungen und Käufe, die mit Münzen, aber immer auch parallel mit anderen Dingen zu tätigen waren, sind ein in sich völlig stabiles Phänomen. Sie haben keinen Zug zur Fortentwicklung, kennen nicht die Notwendigkeit zur Veränderung, da sie grundsätzlich nur Teil eines Wirtschaftens waren, das auf etwas anderem beruhte als auf Geld, Kauf und Handel. Sie waren stets nachgeordneter Teil einer Versorgung, die sonst hauptsächlich über Selbstversorgung, über Teilung oder über Sammlung und Wiederverteilung der Güter durch die Mächtigen verlief.

Dabei blieb es über Jahrhunderte. Erst eine spezielle historische Konstellation in Westeuropa macht dem im Lauf des 16. Jahrhunderts ein Ende – und zunächst allein dort. Sie treibt die frühere Geldverwendung über sich hinaus zu einem Wirtschaften, das nun zu „der Wirtschaft“ wird, wie wir sie heute nennen, zu einem eigenen gesellschaftlichen Funktionsbereich. Es ist die kapitalistische Wirtschaft, in der die Versorgung tatsächlich in der Hauptsache über Geld verläuft. Und dies ist eine Art der Wirtschaft, die jene Länder, in denen sie aufgekommen ist, nachgerade dazu zwingt, sie alsbald mit viel Gewalt in die Welt zu tragen – mit dem entsprechenden Erfolg: der kapitalistischen Weltwirtschaft von heute.

Diese Art Wirtschaft ist zum ersten Mal ein blind sich vollziehendes System: Alles, was sie erfasst, wird darin als Geldwert über einen Markt vermittelt. Das heißt, dass die Hauptsache dessen, was die Menschen tun und wovon sie leben, von diesem Geldwert abhängt. Die Menschen bestimmen nicht von sich aus darüber, sondern werden darin bestimmt: von systemischen Imperativen, die das Geld vorgibt. Diese Abhängigkeit, da sie alles Wirtschaften und alle Versorgung betrifft, ist sehr umfassend. Gerade das aber treibt die Menschen dazu, sie zu verklären und dem System, von dem sie abhängen, seine positive Vernunft zuzuschreiben: als ob sie selbst sich mit Vernunft dafür entschieden hätten – statt in Wahrheit einer historisch blind entstandenen Abhängigkeit zu folgen. Gerade weil es als blindes System einer solchen Vernunft entbehrt, wird es verklärt zu einem Versprechen. Unermüdlich wird beschworen, das System würde als Markt mit unsichtbarer Hand Ausgleich schaffen zwischen den gegensätzlichsten Tendenzen und Interessen. So aber wird überblendet, was sich längst immer deutlicher zeigt: dass dieses System die Gegensätze, die es auszugleichen verspricht, nicht nur nicht ausgleicht, sondern überhaupt erst schafft.

 

 

Wachstum

Nicht Gier der Menschen ist es, die zu wirtschaftlichem Wachstum zwingt. Nicht weil die Menschen immer mehr Güter haben wollen, sieht sich „die Wirtschaft“ gezwungen, immer mehr zu produzieren. Und nicht wenn Menschen sich mit weniger begnügen würden, könnte die Wirtschaft aufhören, auf ihrem Wachstum zu bestehen. Sie ist vielmehr gezwungen, aus Geld immer mehr Geld zu machen. Und das zwingt sie dazu, unter anderem auch immer mehr Güter zu produzieren und die Menschen dazu zu bringen, dieses immer Mehr an Gütern auch zu wollen, nämlich zu kaufen.

Die kapitalistische Wirtschaft, zu der es im Verlauf des europäischen 16. Jahrhunderts kommt, ist zwingend auf diese Art Wachstum angewiesen: nach der Logik des modernen Geldes, das zum Hauptvermittler aller Versorgung geworden ist. Wenn eine ganze Gesellschaft darauf angewiesen ist, über Geld zu bekommen, was sie zum Leben braucht, muss sie vor allem durchgängig zu Geldkommen. Und das heißt, dass Geschäfte Geld abwerfen müssen – also mehr Geld ergeben, als aufgewendet wurde. Diese Notwendigkeit, gesellschaftsweit durchgesetzt, ergibt rein rechnerisch, völlig stur, blind und unwiderleglich den Zwang, dass Geld zu mehr Geld werden muss.

Wenn dies bei einem einzelnen Geschäft misslingt, ergibt es einen Verlust. Wenn es einem Unternehmen auf Dauer misslingt, geht es bankrott. Wenn es auf Dauer einer ganzen Gesellschaft misslingt, bricht ihr Geldsystem zusammen – und damit alle Versorgung, die von diesem System abhängt. Deshalb muss es in diesem System dieses Mehr geben: Schon ein Prozent zu wenig Wachstum bedeutet Krise. Geld muss als Kapital fungieren – muss, um Geld zu bleiben, mehr Geld werden.

Dieses Wachstum ist, wie inzwischen nicht weniger als vier kapitalistische Jahrhunderte beweisen, über lange Zeit hinweg möglich. Und fast vom ersten Augenblick an haben die Menschen darin das Versprechen gesehen, dass es auf immer möglich wäre, indem sie sich eine bloße Notwendigkeitzur bestehenden Wirklichkeit umgedeutet haben. Ebenso von Anfang an wurden aber Phasen von Wachstum durch Krisen unterbrochen und die jüngsten haben den Glauben an die letztliche Beständigkeit des Wachstums sehr wohl erschüttert – und damit zurecht auch den Glauben an das Geld. Und doch vermag keine Krise etwas gegen den Zwang, dass es mit Geld und Wachstum auf immer weitergehen muss, wenn die Versorgung über Geld nicht zusammenbrechen soll. Wie sehr dieser Zwang die Versorgung, die von ihm abhängt, auch schädigen mag, etwa in Gestalt belasteter Lebensmittel oder insgesamt einer zunehmend zerstörten Welt, das Geld zwingt die Menschen dazu, auf ihn all ihre Hoffnung zu setzen: gerade ihn als ein einziges, großes Versprechen anzusehen.

 

Arm und Reich

Dem Zwang folgend, der vom Geld ausgeht, da jeder auf den Erwerb von Geld angewiesen ist, haben die Menschen ungeheuren Reichtum an Gütern und eine fast übermächtige Beherrschung der Natur geschaffen. Die Staaten, die demselben Zwang folgend daran interessiert sind, ihn noch im letzten Winkel der Erde zu implementieren, machen daraus unschwer das Versprechen, Geld würde, wenn es nur gut kapitalistisch agieren und immer mehr werden dürfe, letztlich Wohlstand für alle garantieren. Eine Milliarde hungernder Menschen, eine rapide ausgreifende Verelendung und eine systematische Zerstörung der Natur, die inzwischen den ganzen Planeten zu ruinieren droht, strafen dieses Versprechen auf die grässlichste Weise Lügen.

Der Fortbestand des kapitalistischen Systems beruht auf der fortgesetzt gelingenden Verwendung von Geld als Kapital: als Geld, das mehr Geld abwirft. Also ist das notwendige Wachstum nur dem Geld selbst abzuverlangen: dadurch, dass Geld eingesetzt wird, um mehr Geld abzuwerfen. Und das bedeutet notwendig: Je mehr Geld eingesetzt wird, umso mehr kann es abwerfen. Unter den Bedingungen kapitalistischer Konkurrenz muss daher auch um eben dieses Mehr an Geld konkurriert werden, das ein Unternehmen einzusetzen hat, um daraus Gewinn zu schöpfen – Gewinn, um den es ja in der Konkurrenz mit anderen Unternehmen geht. Auf diese Weise verstärkt sich aber diese offensichtliche Konsequenz einer kapitalistischen Wirtschaft noch weiter: dass nur Geld zu Geld führt und mehr Geld zu immer noch mehr Geld.

Jeder Versuch, diesem Mechanismus beizukommen und zum Beispiel durch passende Steuern „soziale Gerechtigkeit“ herzustellen, ist zum Scheitern verurteilt. Selbst wenn es hie und da ein Slumdog zum Millionär schafft, insgesamt werden Arme ärmer und Reiche reicher. Dem zu steuern, hieße die Reichen ärmer machen, und das würden zwar die Reichen ohne Zweifel überleben, aber es würde die großen Kapitalien schwächen und damit ihre alles entscheidende Fähigkeit zu Gewinn. Und an der liegt nicht nur den jeweiligen Eigentümern, sondern an der muss allen liegen, die von dieser Wirtschaft abhängig sind, selbst den Ärmsten. Vor allem aber muss an der Fähigkeit zu kapitalistischem Gewinn den Staaten liegen, denjenigen also, die sich zu einer solchen Schwächung der Kapitalien entschließen müssten – und nicht entschließen können. Denn Staaten wiederum konkurrieren gegeneinander mit der Menge an kapitalistischem Geschäft, das innerhalb ihres Zuständigkeitsbereichs gelingt. Die Staaten also müssen das höchste Interesse daran haben, diese Menge ja nicht zu beschneiden. Folglich bleibt es unabwendbar bei diesem Gesetz der Geldvermehrung.

Keine Krise vermag etwas gegen den Zwang, dass es mit Geld und Wachstum auf immer weitergehen muss, wenn die Versorgung über Geld nicht zusammenbrechen soll.