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«Tausch und Geld»

Alternativen zu Geld?

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Über Geld hinaus

Wirtschaften ohne Geld – wie soll das gehen? Das wissen wir auch nicht. Aber darüber nachdenken wollen wir. Menschen tun Dinge, beschenken sich, teilen, was sie haben, helfen einander und tragen zum Gelingen von kleinen und grossen Unternehmungen bei – ohne Geld. Sie haben das früher getan, sie tun es heute. Und wie sieht die Zukunft aus?

 

 

«Gutes» Geld

Die meisten Überlegungen, wie den Schwierigkeiten mit dem Geld beizukommen wäre, richten sich auf das Geld selbst: Sie wünschen es sich krisenfrei. Dementsprechend konstruieren sie in Gedanken ein Geld, das bestimmte Nachteile ablegen würde und auf seine Vorteile eingeschränkt wäre. Andere Ansätze praktizieren alternative Geldkreisläufe unterhalb des regierenden Weltgeldes, die in manchem bereits real von dessen Logik abweichen.

 

Jeder Wunsch und Versuch, «über Geld hinaus» zu denken, stößt auf eine allergrößte Schwierigkeit: dass jeder unserer Gedanken bereits auf Geld geeicht ist. Wir kennen die Welt so sehr nur geprägt durch das Geld, uns sind die Formen, in die es alles zwingt, so unendlich vertraut, sie sind so mächtig und wir waren alle von klein auf so nachdrücklich gezwungen, sie uns zu eigen zu machen, dass es unserem Denken fast ebenso unmöglich ist, eine Welt jenseits des Geldes zu imaginieren wie eine Welt jenseits von Raum und Zeit. Die Gedankenspielereien mit Zeitreisen und x Parallel-Universen sind ein Klacks gegen das, was dem Denken auch nur eine einzige ohne Geld existierende Welt abverlangt.

Das führt vorweg dazu, dass die Gedanken, wie es anders und wie es gut gehen könnte, meist unmittelbar beim Geld halt machen: Die meisten machen sich Gedanken um das Geld. Auslöser sind dafür die Krisen, in die das Geld regelmäßig gerät und die derzeit heftiger und nachhaltiger geraten sind als sonst. Kritik an den Geldverhältnissen, die von den Krisen ausgehen, versteigen sich daher allenfalls zu dem Wunsch, das Geld möge ordentlich funktionieren, krisenfrei. Es wäre schon alles gut, wenn nur die Banken besser kontrolliert, die richtigen Finanztransaktionen besteuert oder die passenden Leute gefeuert würden. Oder aber: wenn die Leute weniger oder das Richtige kaufen würden, in den richtigen Läden, aus den richtigen Ländern und zu den richtigen Preisen.

Andere versuchen der Tatsache, dass es nicht gut geht mit dem Geld, beizukommen, indem sie sich ein Geld nach ihren Wünschen ausmalen, Geld, das bestimmte schlechte Eigenschaften ablegen und nur die gedachten guten Eigenschaften behalten würde. Da soll die passende Steuer das Richtige bewirken, eine dekretierte Abschaffung von Zins oder die trickreich ausgetüftelte Behinderung von spekulativem Mehrwert. Dass das Geld, das sie dabei als Gedankenkonstrukt optimieren, Teil eines Systems ist, dessen Geltung sie darin als weiterhin intakt voraussetzen, entgeht ihnen dabei jedoch regelmäßig. Und dieses System verträgt sich – zum Beispiel – keinesfalls mit einem gebremsten Mehrwert.

Die vielfach bereits realisierten Versuche, ein «anderes» Geld zu schaffen, greifen ein wenig weiter aus. In Regionalwährungen funktioniert Geld tatsächlich anders als das herrschende. Tauschkreise gehen etwa mit Zeitstunden als Währung um und beginnen so damit, das Denken in Äquivalenten zwar nicht aufzugeben, es aber vom Profitinteresse zu lösen. Und für die Befreiung der Menschen von der Not, um das Geld fürs Überleben bangen zu müssen, gibt es seit einiger Zeit bereits die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens – allerdings: in Geld. Und das hieße weiterhin in Abhängigkeit vom Geldsystem und von dessen Funktionieren.

Commoning

Die Bewegung der Commons setzt der über Geld vermittelten Versorgung eine gemeinsame Teilhabe an Tätigkeiten und grundlegenden Gegebenheiten wie dem Besitz entgegen. Im Kern der Bewegung ist angelegt, dass über das gewollte und gewünschte Gemeinsame allein die Gemeinschaft entscheidet, ohne Bindung an die Zwänge, die mit dem Geld eingerichtet sind.

 

Dass das Geld als System zu den Schäden, Nöten und Grausamkeiten führt, die uns inzwischen geläufig eine von vielen Fernsehdokumentationen vor Augen führt, das haben die erkannt, die dem Geld eine Änderung grundsätzlichster Art entgegensetzen wollen. Die Bewegung der Commons hat zu ihrem Leitbild die Allmende, das gemeinsam bestellte Land, Land also, das nicht der Einzelne als sein Privateigentum abgetrennt von den anderen bebaute, sondern das allen gehörte, von allen bebaut wurde und alle von seinen Früchten leben ließ. Das heißt, dem Geld wird hier etwas entgegengesetzt, das eine gemeinsame Teilhabe selbst an zutiefst grundlegenden Gegebenheiten, Tätigkeiten und Formen der Versorgung einschließt.

Dass alle, die sich um solche Commons bemühen, noch sehr auf der Suche sind, kann nicht verwundern und kann nicht anders sein. Sie stehen ja nicht nur vor der Schwierigkeit, positiv zu bestimmen, was auf welche Weise und wem gemeinsam sein kann, und das unmissverständlich inmitten einer Welt, die der herrschenden Geldlogik gehorchend jede solche Gemeinsamkeit grundsätzlich erst einmal ausschließen und entsprechend argwöhnisch verfolgen muss. Sie haben auch mit der anderen Schwierigkeit zu kämpfen, dass sie nicht alsogleich einen neuen Ismus ausrufen wollen, der zum einen notwendig solche Verfolgung auf sich ziehen würde, der zum anderen und vor allem aber sein Programm einer Gemeinschaft vorschreiben würde, die doch als solche das Programm ist. Über das gewollte und gewünschte Gemeinsame hätte allein diese Gemeinschaft zu entscheiden – und als Gemeinschaft, nicht in Befolgung eines Programms, das sonst lediglich durch eine Partei innerhalb der Gemeinschaft verfasst und erlassen würde. Daher muss sich diese Bewegung so weit wie möglich offen halten, skizzieren, was gedacht, was möglich, was hie und da bereits erreicht ist, und so Weitere dazu ermutigen, ähnliches zu versuchen.

oikos, modern

Wovon die Menschen leben und wie sie es verteilen, müsste grundsätzlich anders geleistet werden als vermittelt über Geld. Soll sich der hohe Grad an Arbeitsteiligkeit bewahren, ist eine Rückkehr zu älteren Formen der Subsistenz ausgeschlossen. Die unter dem Geldzwang extrem gesteigerte Fähigkeit der Menschen, besser und mit weniger Aufwand zu produzieren und das Produzierte genauer zu verteilen als je zuvor, wäre unbedingt zu nutzen – nur anders als mit Geld und seinen Zwängen etwa zu Wachstum und zu einer Produktionsweise, die die Welt zugrunde richtet. 

 

Die Not und das Verderben, denen die Geldlogik diese Welt aussetzt und die sie die Menschen zwingt dieser Welt zu bereiten, sie können nur ein Ende finden, wenn der Geldlogik selbst ein Ende bereitet wird. Nur dann, wenn nicht mehr so produziert werden muss, dass Geld dabei herausspringt, wenn Menschen nicht mehr dafür arbeiten müssen, dass andere sie dafür bezahlen, wenn nicht mehr alles, wovon und womit Menschen leben, danach durchsucht und danach behandelt werden muss, dass es Geld abwirft, möglichst viel Geld, nur dann ist ein Ende der grassierenden Not und des immer weiter ausgreifenden Verderbens überhaupt möglich. Es erfordert mehr, als dass nur nicht mehr nach der Geldlogik gedacht würde, es erfordert ein Ende des Geldes selbst.

Wovon die Menschen leben und wie sie es verteilen, es müsste demnach grundsätzlich anders geleistet werden als vermittelt über Geld und über den systemisch eingerichteten Zwang, zu Geld zu kommen. Das wäre zwar bedeutend einfacher, als wenn alles, was Menschen tun, zuerst auf Geld gerichtet sein muss, bevor es – vielleicht ja, vielleicht aber auch nicht – zu irgendetwas gut sein kann. Alles, was Menschen tun, hätte dann einfacherweise nur dem zu gelten, was sie tun und was sie damit erreichen wollen, nichts sonst. Aber das hat unter anderem die eine unüberwindliche Schwierigkeit, dass heute all das fast ausschließlich über Geld organisiert ist: Alle Versorgung, die nicht über Geld liefe, ist so gut wie vernichtet, ja, alle Voraussetzungen dafür, sie anders zu organisieren als über Geld, sind über die letzten Jahrhunderte hinweg planmäßig ausgemerzt worden. Das ist der bittere Grund dafür, dass die Bevölkerung in Staaten, in denen es mit dem kapitalistischen Geldgewinn nicht ganz so klappt wie bei den Weltmarktgewinnern, nur noch vor sich hin darben oder davonlaufen kann.

Eine Rückkehr zu irgendwelchen älteren Formen der Subsistenz ist daher ausgeschlossen, selbst für den Fall, dass sie irgendwie wünschenswert wäre. Statt zu einer Rückkehr käme es nur zu einem Rückfall: weit zurück hinter früher erreichte Möglichkeiten. Es kann nicht anders sein: Die modernen Mittel für Produktion und Verteilung, zu deren Entwicklung das Geld die Menschen angetrieben hat, wären nicht aufzugeben, sondern aufrecht zu erhalten – aber neu zu verwenden. Denn ihre Fähigkeit, besser und mit weniger Aufwand zu produzieren und das Produzierte auch genauer und zuverlässiger zu verteilen als je zuvor, wäre dann, wenn sie nicht mehr dem Diktat einer Rentabilität in Geld unterworfen wären, anders zu nutzen. Es ist eine hoch willkommene Fähigkeit: ein Geschenk, für das dem Geld postum geradezu noch einmal Dank abzustatten wäre.