Münztouren ⟩ Durch die Zeiten ⟩ Monetäre Eckpfeiler der letzten 1500 Jahre ⟩ Heiliges Römisches Reich, Friedrich II. von Hohenstaufen (1220-1250), 1/2 Augustalis, ca.1231, Brindisi

Heiliges Römisches Reich, Friedrich II. von Hohenstaufen (1220-1250), 1/2 Augustalis, ca.1231, Brindisi

Denomination: 1/2 Augustalis
Prägeautorität: Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen
Prägeort: Brindisi
Prägejahr: 1231
Gewicht in Gramm: 2.619999885559082
Durchmesser in mm: 16.0
Material: Gold
Eigentümer: Sunflower Foundation

Das 13. Jahrhundert war in vielerlei Hinsicht ein Wendepunkt: In den Wissenschaften besann man sich auf die alten Schriften der Antike, die oft nur durch arabische Übersetzungen erhalten geblieben waren. Wirtschaft und Fernhandel erlebten einen lebhaften Aufschwung. Das führte dazu, dass eine zahlungskräftigere Währung in Form von Goldmünzen eingeführt werden musste.

Friedrich II. von Hohenstaufen, der Münzherr dieses halben Augustalis, war seit 1197 König von Sizilien; 1212 wurde er zum deutschen König und 1220 auch zum Kaiser gewählt. Wie kein anderer Herrscher seiner Zeit verkörperte er die Verbindung von Antike und «Moderne», von Morgenland und Abendland. Daher erstaunt es nicht, dass gerade er es war, der die Tradition der Goldprägung in Europa wieder aufnahm.

In Friedrichs Heimat Sizilien war die Goldmünzenprägung nie ganz erloschen. Da Byzanz immer schwächer wurde und der Handel, vor allem mit dem Osten, wertvolle Münzen erforderte, begannen im 13. Jahrhundert verschiedene Münzherren, wieder Goldmünzen zu schlagen. Friedrich nahm die Goldprägung als Erster auf. Sizilien war seit den Reformen von 1229/31 der modernste Staat seiner Zeit und dank weitreichender Handelsbeziehungen mit den über grosse Goldvorräte verfügenden Ländern des Ostens ein führender Finanzplatz.

Auf dieser Goldmünze, einer der schönsten des Mittelalters, dokumentierte Friedrich II. sein Sendungsbewusstsein: Der Kaiser ist in antiker Gewandung, mit Lorbeerkranz auf dem Haupt abgebildet – ganz in der Tradition der alten römischen Herrscher, als deren Nachfolger im Heiligen Römischen Reich sich Friedrich verstand. Sein Herrscherwille manifestierte sich aber nicht nur in seinem Porträt. Auch der Adler auf der Rückseite, seit der Antike Herrschafts- und Machtsymbol, betonte seinen imperialen Anspruch. Zwar zeigten die Augustalen Friedrichs II. noch kein echtes Herrscherporträt, aber sie wiesen voraus auf die Wiedergeburt der römischen Antike in der Zeit der Renaissance.