Münztouren ⟩ Altertum

Alexander der Grosse – der Vater der ersten Einheitswährung

Alexander der Grosse ist für die Münzgeschichte von grosser Bedeutung. Kurz nachdem er im jugendlichen Alter von zwanzig Jahren nach dem Tod seines Vaters Philipp II. die Regierung übernahm, stellte er seine Münzprägung auf den attischen Münzfuss um – auf den Standard der Tetradrachmen von Athen also, einer damals international gebräuchlichen Silberwährung.

Alexanders Prägungen waren von Anfang an in geradezu genialer Voraussicht auf die Entwicklung eines Grossreichs ausgerichtet. Wo immer er auf seinen späteren Eroberungszügen hinkam, liess er seine Münzen prägen und in Umlauf bringen. Obwohl in Europa und Asien in Hunderten von Münzstätten geschlagen, waren Alexanders Münzen strotz stilistischer Varianten von einer bis dahin unbekannten Einheitlichkeit. So schuf Alexander das erste staatliche Münzmonopol, die erste Einheitswährung.

Alexanders Silbermünzen trugen auf der Vorderseite alle das wahrscheinlich dem Alexander ähnliche Haupt des Herakles, des mythischen Stammvaters der Argeaden, wie sich das makedonische Königshaus nannte. Die Goldmünzen zeigten auf der Vorderseite den Kopf der Athene und auf der Rückseite die Siegesgöttin Nike.

Cäsar, seine Verbündeten und seine Feinde

In seinen Eroberungsfeldzügen unterwarf Julius Cäsar Ägypten, Gallien, Belgien und Britannien, und legte damit den Grundstein für die Ausdehnung des späteren römischen Imperiums. Die Eroberung Galliens gab Cäsar das nötige Prestige und den finanziellen Hintergrund, um seine Ziele in Rom zu verfolgen: die Umgestaltung der Römischen Republik und der griechisch-römischen Welt. In Rom selbst war seine Position umstritten und Cäsar brauchte den Schutz offizieller Ämter und Würden. Er war mehrere Male Konsul und Provinzgouverneur.

Im Jahre 44 v. Chr. überstürzten sich die Ereignisse, was sich auch in der Münzprägung bemerkbar machte. Zu Beginn des Jahres 44 – also nur wenige Wochen vor seinem Tod – brachte Cäsar eine Serie von Münzen heraus, die sein Porträt trugen. Zum ersten Mal erschien das Abbild eines Römers schon zu seinen Lebzeiten auf römischen Münzen: ein Markstein in der Münzgeschichte, und eine Provokation für die Zeitgenossen.

Nach Cäsars Ermordung spitzte sich der Kampf um die Macht zu. Ständig wechselnde Koalitionen prägten die politischen Verhältnisse. Da die rivalisierenden Heerführer nicht damit rechnen konnten, von Rom mit den nötigen Geldmitteln versorgt zu werden, wurden immer häufiger Münzen auch ausserhalb Roms geschlagen.

Das hellenistische Münzbild – vom Götterbild zum Königsporträt

«Du sollst Dir kein Bildnis machen von Gott.» So steht es in der Bibel. Ganz anders war dies im antiken Griechenland: Da war es direkt Gebot, Münzen mit dem Bild einer Gottheit zu prägen.

Die hellenistischen Herrscher änderten das: Ebenso eitel wie die Götter und wohl wissend, dass kaum etwas so weit herumkam wie eine Münze, verewigten sie darauf lieber sich selber. Zuerst versahen sie sich auf den Darstellungen noch mit den Attributen einer Gottheit. Später fielen diese weg: Denn Gott bzw. dessen Stellvertreter waren nun sie selber. Von dieser Zeit an bestimmte nicht mehr die Polis als Bürgergemeinschaft unter göttlichem Schutz die Geschicke der Gemeinschaft, sondern allein der König.

Das älteste Währungssystem der Welt

Es ist für uns heute selbstverständlich, dass der Schweizer Franken in 100 Rappen unterteilt ist und dass wir einen bestimmten Geldbetrag mit verschiedenen Münzeinheiten begleichen können. Das erste solche Geldsystem, in dem die Münzen in einem bestimmten System aufeinander bezogen waren, schuf der legendäre König Krösus von Lydien. Diese Erfindung bedeutete in der damaligen Zeit eine grosse Vereinfachung im Güterhandel – ab diesem Zeitpunkt wurden Güter nicht mehr getauscht, sondern mit Münzen bezahlt.

Der Aureus – eine goldene Zeitung

Von Aila de la Rive, © MoneyMuseum 2010

Auf der Vorderseite das kaiserliche Porträt, auf der Rückseite politische Programme – so sahen die Goldmünzen der römischen Kaiser im Allgemeinen aus. Die Goldstücke des Römischen Reichs hiessen Aurei und dienten nicht nur zum Bezahlen, sondern auch der Verbreitung von Nachrichten: Sowohl die Vorstellung eines neuen Kaisers als auch Darstellungen von politischen und baulichen Aktivitäten oder von Fürsorgeleistungen in Rom und seinen Provinzen – alle diese Dinge fanden auf den Aurei Platz.

Der Denar – Hauptmünze im römischen Reich

Der Denar war fast 500 Jahre lang die wichtigste Silbermünze des antiken Rom. In den Randgebieten des Reichs wurde er später von den Stämmen der Völkerwanderung nachgeahmt. Anfänglich entsprach ein Denar dem 72. Teil des römischen Pfundes. Nach dem Einsetzen der regulären Goldprägung unter Julius Caesar sank aber sein Silbergehalt immer mehr, bis die römische Silberwährung schliesslich zusammenbrach. Mit der Einführung des Antoninians, und später des Argenteus, wurde zweimal versucht, den ehrwürdigen Denar zu retten, doch vergeblich. So endete der römische Denar am Ende als minderwertige Kupfermünze.

Die Welt der Kelten im Spiegel ihrer Münzen

Das Münzwesen der Kelten ist von einer fast unüberschaubaren Vielfalt und spiegelt so auch die politische Struktur dieser Siedlungsgemeinschaften wieder. Denn «die Kelten» lebten nicht in grösseren Staatsgebilden, sondern in einer Vielzahl verschiedener Stämme. Ihre Expansion liess nach und nach ein von keltischer Kultur geprägtes Gebiet entstehen, dessen Weiträumigkeit erstaunt.

Münzen lernten die keltischen Stämme über die Griechen kennen, mit denen sie Handel trieben und in deren Reihen sie als Söldner kämpften. Die meisten keltischen Münzen lassen sich denn auch von griechischen Vorbildern ableiten. Allerdings zeigte sich schon bald der Wille zu eigener Gestaltung und Formgebung. Das Resultat waren geniale Umwandlungen der ursprünglichen Motive in eine typisch keltische Formensprache.

Keltische Münzen können grob in ost-, mittel- und westkeltische Prägungen eingeteilt werden. Allerdings ist es schwierig, keltische Währungssysteme zu rekonstruieren; auch Währungsgebiete können nur vermutet werden. Und doch gibt es signifikante Unterschiede bei der Münzprägung der verschiedenen Stämme – während die Westkelten Gold als Münzmetall bevorzugten, prägten die östlichen Kelten überwiegend Silbermünzen.

Die geheimnisvolle Welt der keltischen Münzen

Münzen wurden um etwa 650 v. Chr. an der Westküste der heutigen Türkei entwickelt. Von dort aus verbreiteten sie sich rasch nach Osten und Westen, bis sie gegen Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. auch die keltischen Stämme in Mitteleuropa erreichten. Hier konnte man mit dem neuen Tauschmittel zunächst nicht viel anfangen: Die Kelten lebten autark, stellten also alles Lebensnotwendige selber her. Die wenigen Dinge, die sie nicht auf dem eigenen Hof produzieren konnten, tauschten sie bei reisenden Händlern ein.

Die Verwendung von Geld, besonders von Kleingeld, ist gebunden an eine Stadtkultur, in der sich die meisten Einwohner ihr Leben im Handwerk oder durch Dienstleistungen verdienen. Erst wer sein Getreide, seinen Wein, seinen Flachs nicht mehr selbst anbaut, sondern Brot beim Bäcker, Wein in der Schenke, Gewänder beim Schneider kauft, braucht Geld, um diese Dinge zu bezahlen. Durch Geld kann Arbeit nämlich direkt in Waren oder Dienstleistungen umgerechnet werden.

In der keltischen Welt begann man Geld wohl im Verlauf des 4. Jahrhunderts v. Chr. zu benutzen. Seit dem frühen 3. Jahrhundert v. Chr. prägten die Kelten dann auch eigene Münzen, wobei sie zunächst griechische, später auch römische Münzen imitierten. Doch bald begannen sie, die ursprünglichen Motive umzugestalten: Die Münzbilder wurden stilisiert und ornamentalisiert – so sehr, dass die originalen Münzen manchmal nur noch mit Mühe zu erkennen sind.

Die schönsten griechischen Münzen im MoneyMuseum

Kein Volk hat so viel und so nachhaltig zur europäischen Kultur beigetragen wie die Griechen. Sie drangen ab etwa 1500 v. Chr. aus dem Norden auf das griechische Festland und die umliegenden Inseln vor und unterwarfen nach und nach die dort ansässige Bevölkerung. Aus dieser frühen Epoche, den sogenannten dunklen Jahrhunderten, gibt es kaum Quellen – lediglich die homerischen Epen, die Ilias und die Odyssee, berichten sagenhaftes aus dieser Zeit.

Während der archaischen Epoche von etwa 800 bis 480 v. Chr. etablierte sich das Polissystem, die Organisation der griechischen Stadtstaaten, und es kam zur Kolonisierung des Mittelmeerraums. In dieser Zeit, nämlich um etwa 600 v. Chr., erschienen die ersten eigentlichen Münzen. Die klassische Periode von 480 bis 336 v. Chr. war die Zeit grosser kultureller Entfaltung, an der allen voran Athen beteiligt war. Und ab 336 v. Chr. begann die Zeit des Hellenismus, der Export der griechischen Kultur in den Osten durch Alexander den Grossen, und die gleichzeitige Durchmischung dieser Kultur mit Einflüssen aus dem Orient. Diese Epoche endete 146 v. Chr. mit der Eroberung Griechenlands durch Rom.

Griechische Bronzemünzen – Geld für den Alltag

Zwar hat er sich ein wenig verloren. Doch wer kennt ihn nicht, den Brauch, Sonntags- und Werktagskleider zu unterscheiden? Ähnliches gibt und gab es auch beim Geld. So z. B. im antiken Griechenland: Die Bronzemünzen, das war quasi das Werktagsgeld, mit welchem man auf den Markt ging. Die grossen Silbermünzen hingegen kamen bei gewichtigeren Geschäften zum Zug. Wer nun denkt, diese seien auch schöner gewesen, irrt. Denn die kleinen Geldsorten wurden ebenso sorgfältig gestaltet wie Prestigeprägungen. Oft trugen sie sogar das gleiche Münzbild.