Münztouren ⟩ Frühmittelalter

Der Denar – auch im Mittelalter die Basis des Alltagsgeldes

Im Frankenreich nannte man die Münze «Denier», in Italien «Denaro», im deutschen Sprachraum «Pfennig», in England «Penny» – dem Wesen nach handelte es sich jedoch immer um den Denar, die Silbermünze aus dem alten Rom.

In seiner Münzreform der 780er-Jahre hatte Karl der Grosse den altehrwürdigen Denar aufgewertet und wieder als Hauptmünze eingesetzt. Über 700 Jahre behielt der Denar daraufhin seine Bedeutung als wichtigste europäische Fernhandelsmünze. Aus dem karolingischen Denar entstand im 13. Jahrhundert schliesslich der «Grossus Denarius», eine dicke Silbermünze im Wert von sechs Denaren, später «Gros», «Grosso» oder «Groschen» genannt.

Der Denar lebt auch heute weiter – zum Beispiel im Dime, dem 10 Cents-Stück der amerikanischen Währung. Doch sehen Sie selbst.

Der Solidus – der Dollar des Mittelalters

Er war das Symbol der kaiserlichen Macht im byzantinischen Reich. Überall in der damals bekannten Welt gerne angenommen, wurde er von den Königen vieler Reiche bewundert und nachgeahmt. Denn nirgendwo gab es eine Münze, die mit ihm, dem Solidus aus Byzanz, verglichen werden konnte. Über 700 Jahre lang in Gewicht und Reinheit unverändert geprägt, war der Solidus die wichtigste Handelsmünze von Europa bis Asien – der Dollar des Mittelalters.

Die Anfänge des abendländischen Geldwesens

In den hundert Jahren zwischen 376 und 476 n. Chr. geriet das weströmische Reich unter die politische Kontrolle verschiedener germanischer Völker. 376 stiessen die Westgoten über die Donau vor, und genau hundert Jahre später übernahmen die Ostgoten in Rom die Regierung. In dieser Zeit begann auf den Trümmern Westroms die Formierung des christlichen Abendlandes. Zunächst führten die verschiedenen eingewanderten «Barbarenstämme» das römische Münzwesen grundsätzlich weiter. Die antike Auffassung über Geld verlor sich erst in der Karolingerzeit. Diese Entwicklung möchten wir in dieser Münztour aufzeigen.

Münzen ohne Bilder – islamisches Geld

«Du sollst dir kein Bildnis machen», heisst es im Alten Testament. Diese Forderung wird von den Religionen, denen die Zehn Gebote als moralische Richtschnur gelten, verschieden ausgelegt. Während die meisten christlichen Kirchen das Abbildungsverbot nicht beachten, halten sich Juden und Muslime weitgehend daran. So trugen denn die islamischen Münzen während Jahrhunderten religiöse Verse; heute hat sich das in vielen islamischen Ländern allerdings geändert.