Münztouren ⟩ Hochmittelalter

Brakteaten – die dünnsten Münzen der Geldgeschichte

Brakteaten waren zweifellos die eigenartigste und interessanteste Erscheinung im Münzwesen des deutschen Mittelalters. Während herkömmliche Pfennige auf beiden Seiten geprägt wurden, trugen Brakteaten nur auf einer Seite ein Bild. Die Vorderseite zeigte dieses Bild als erhabenes Relief, während es auf der Rückseite vertieft erschien. Zudem war der Aufbau dieser Münzbilder meist streng symmetrisch. Das erleichterte die Gewinnung von Halbwerten, denn um Wechselgeld zu erhalten, wurden Brakteaten einfach zerbrochen.

Brakteaten waren für den lokalen Umlauf bestimmt. In krassem Gegensatz zu dieser Funktion als kurzlebiges Lokalgeld stand die oftmals hohe künstlerische Bildqualität der Brakteaten – eine Qualität, die im deutschen Mittelalter weder vorher noch nachher wieder erreicht wurde. Für den Fernhandel oder für den längeren Gebrauch hingegen waren Brakteaten zu zerbrechlich. In wirtschaftlich stark entwickelten Gebieten setzte sich die Brakteatenprägung deshalb nicht durch; hier blieb man bei den stabilen, zweiseitig geprägten Denaren.

Der Fiorino d'oro – die erste internationale Goldmünze Europas

Eine gelungene Sache reizt immer zum Nachahmen. So auch der Fiorino d’oro, die erste Goldmünze, die die Stadtrepublik Florenz 1252 ausgab. Imitiert haben sie zuerst die nach Avignon exilierten Päpste. Doch schon bald wurden auch die benachbarten Münzherren vom Fiorino-Fieber erfasst. Ab 1325 erwischte es dann Ungarn. Und um 1340 schliesslich begannen sich die Florene als Zahlungsmittel für den Grosshandel auch in Deutschland einzubürgern. Kurz: Die erste internationale Goldmünze Europas war geboren. Grund genug, sie näher kennen zu lernen.