Münztouren 〉 Mittlere Neuzeit
| Antike Münzbilder auf modernen Münzen
Die Entwicklung der Münzkunst lässt sich lückenlos von der Antike bis in unsere Tage verfolgen. Das erste bestimmbare Münzbild, das auf formlose Zeichen folgte, waren Tierbilder. Doch bald darauf wurden die ersten Gesichter abgebildet – Götter und Göttinnen zunächst. Schliesslich erschienen die Herrscher selbst auf ihren Münzen: zuerst nach ihrem Ableben, dann auch während ihren Lebzeiten. Auf den folgenden Münzen jedoch geht es nicht um Herrscherporträts: Sie zeigen Frauenbilder der Antike, gefolgt von ihren jeweiligen Pendants auf Münzen der Moderne. Die bildlichen Gegenüberstellungen zeigen dabei, wie erstaunlich wenig sich in der Zwischenzeit verändert hat ... |
| Chinesische Silberbarren
Ein wesentliches Merkmal der chinesischen Geldgeschichte ist das fast völlige Fehlen von Münzen aus Edelmetallen, sei es aus Gold oder Silber. Über 2000 Jahren beherrschten hier Kupfermünzen die Szene. Bereits früh erfand man zwar das Papiergeld – unter anderem deshalb, weil die Kupfermünzen für grössere Transaktionen zu unpraktisch waren –, aber das Vertrauen der Bevölkerung ins Papiergeld war sehr begrenzt. So blieb das Silber – und zwar in Form von Barren – der beständigste Wertmesser. Die Verwendung von Barrensilber als Zahlungsmittel reicht 2000 Jahre zurück: Bereits vom Han-Kaiser Wudi wird berichtet, dass er Silberbarren als Zahlungsmittel einsetzte. Weil aber Silberbarren immer wieder ein- und umgeschmolzen wurden, sind aus dieser Zeit kaum Exemplare erhalten. Ab dem 7. Jahrhundert n. Chr. gewann Silber auch im alltäglichen Zahlungsverkehr Bedeutung. Die Barren fanden im Handel Verwendung und verbreiteten sich im Volk als Zahlungsmittel – zur Bezahlung von Abgaben und Steuern. Silberbarren wurden auch zur Deckung des Papiergeldes herangezogen. Ihre Ausgabe lag in den Händen von Privatpersonen – Händlern, Kaufleuten, Bankiers. |
| Geld im neuzeitlichen Japan
Japan gehört zu den ältesten Staaten der Welt: In über 2000 Jahre hat sich das Inselreich kulturell, sozial, politisch und wirtschaftlich langsam und ununterbrochen zu dem Land entwickelt, das es heute ist. Dabei ist kennzeichnend, dass Japan während dieser gesamten Zeit nie unter die Herrschaft einer fremden Macht geriet – bis nach dem Zweiten Weltkrieg, als es während einiger Jahre von Amerikanern besetzt wurde (1945-1952). Das bedeutet natürlich nicht, dass von aussen keine Einflüsse aufgenommen worden wären. Im Gegenteil: Bis zum Ende des japanischen Mittelalters (ca. 1200-1600) war Japan ganz auf den grossen Nachbarn China ausgerichtet. Von hier übernahm man kulturelle, politische und wirtschaftliche Errungenschaften, und dazu gehörte auch das Geld. Bis weit ins 16. Jahrhundert liess man in Japan Münzen nach chinesischem Vorbild giessen. Ausserdem zirkulierten massenweise aus China importierte Käschmünzen (Ch'ien). Doch ab etwa 1600, mit Beginn der Neuzeit, trat eine radikale Kehrtwende ein. Unter der Regierung der Tokugawa-Schogune (Edo-Periode, 1603-1867) schottete sich das Inselreich fast vollständig von der Aussenwelt ab. In dieser Zeit entwickelte sich eine eigenständige japanische Kultur – und ein eigenes Münzsystem, dessen herausragendstes Merkmal der gleichzeitige Umlauf einer Gold- und einer Silberwährung war. |
| Münzen der Helvetischen Republik
Als Folge der französischen Revolution brach Ende des 18. Jahrhunderts die Alte Eidgenossenschaft zusammen. Im Januar 1798 fielen die Franzosen in die Waadt ein und liessen die Lemanische Republik ausrufen. Danach griff der Auflösungsprozess rasch um sich. Das Unterwallis befreite sich von seinen Herren, die Herrschaft der Abtei St. Gallen brach zusammen, der Thurgau verlangte seine Selbstständigkeit. Im März fiel Bern in französische Hände, dann Zürich. Schliesslich wurde am 12. April 1798 in Aarau dem alten, vielgestaltigen Staatenbund der Eidgenossenschaft ein Ende gesetzt und die Verfassung der «Einen und Unteilbaren Helvetischen Republik» verkündet. Die Helvetik nahm sich auch des Münzwesens an. Den einzelnen Ständen wurde das Münzrecht aberkannt und in die Hände des zentral geführten Staates gelegt. Als Münzeinheit wurde der Schweizer Franken eingeführt, nach französischem Vorbild im Dezimalsystem – 1 Franken galt 10 Batzen und 100 Rappen. Doch die Vereinheitlichung des Geldwesens konnte nicht durchgesetzt werden; um 1820 sollen in der Schweiz noch immer rund 8000 Münzsorten umgelaufen sein. Dennoch legte das Geld der Helvetischen Republik den Grundstein für die Einführung des Schweizer Frankens dreissig Jahre später. |
| Russlands zaristische Münzen – oder warum der Rubel nie richtig ins Rollen kam
Ob bei Erziehung, Heirat oder Geld: Russlands Zaren waren stets westlich orientiert. Ihre Lehrer waren oft Franzosen, ihre Frauen meist Deutsche – und auch die Idee zur russischen Währung kam ursprünglich aus dem Westen. Manchmal waren sogar die Münzen selbst westlich. Wegen des notorischen Silbermangels nämlich prägte Russland lange Zeit keine eigenen Münzen, sondern benutzte fremdes Geld. Sein Ziel, den europäischen Ländern wirtschaftlich und politisch nachzufolgen, erreichte das Zarentum nicht – das wusste der Adel stets zu verhindern. So scheiterte z. B. die Industrialisierung, Russland blieb agrarisch. Der Rubel, der lange eine Recheneinheit gewesen war, kam nie richtig ins Rollen, und rollt bis heute vor allem in Casinos. Diesen Ausgang konnte allerdings zu Beginn niemand voraussehen; als die Rubelwährung eingeführt wurde, war sie eine der modernsten Währungen der Zeit. Die Russen waren nämlich die ersten, die das Dezimalsystem einführten. |
| Schweizerische Bundesmünzen – solide und bewährt
In der EU steht die Schweiz abseits. Eine Währungsunion hat aber auch sie erlebt. Denn mit einem Schlag setzte die erste Bundesverfassung von 1848 dem zersplitterten Münzwesen der alten Schweiz ein Ende. Die Münzprägung in den Kantonen wurde eingestellt. Das Münzrecht oblag nun einzig dem Bund. Was er von da an prägte, war der Franken. Denn schliesslich war Französisches en vogue – und die neue Währung dank Dezimaleinteilung erst noch praktisch zu rechnen. Doch nicht nur das, auch zäh ist der Schweizer Franken – ein echter Bergler eben, der dem Euro gewiss weiterhin die Stirn bieten wird. |
| Trademünzen – spezielles Geld für den Handel
Es mutet heute merkwürdig an, dass in Europa vor wenigen Jahrhunderten Münzen eigens für den Fernhandel geprägt wurden. Diese Tour erklärt Ziel und Zweck sowie die «flops and tops» der wichtigsten Handelsmünzen der Neuzeit. |
| Vom chinesischen Silberbarren zum Yuan
Mit dem Aufstieg der Qing Dynastie im Jahr 1644 fing in China die Neuzeit an. Das war in doppeltem Sinn eine Zeit der Fremdherrschaft, denn zum Einen waren die Qing-Kaiser keine Chinesen, sondern gehörten dem Volk der Mandschu an. Und zum Anderen griffen die westlichen Kolonialmächte mehr und mehr in den Handel und die Politik des Kaiserreiches ein. Die Kolonialzeit bedeutete eine tiefe Zäsur im chinesischen Geldwesen. Eine Unzahl fremder Münzsorten gelangte in Umlauf – und das in einem Land, das sich während Jahrtausenden mit schlichten Kupfermünzen begnügt hatte. Die Münzvielfalt wurde schliesslich so unüberschaubar, so dass China notgedrungen mit der Prägung eigener Dollars begann. |
| Wie die Deutschen zu ihrer Mark kamen
Ist heute von «Mark» die Rede, dann denken wohl viele von uns an die Deutsche Mark, die D-Mark. Doch begonnen hat die Geschichte der Mark viel früher. Allerdings war sie damals, im 9. Jahrhundert, noch keine Währung, sondern eine Gewichts- und Recheneinheit. Auch war sie nur gerade in Norddeutschland gebräuchlich, denn im Süden benutzten die Leute das höherwertige römische Pfund. Höherwertig war das Pfund deshalb, weil es zwölf Unzen beinhaltete, die Mark hingegen – ebenso wie der spanische Peso – in acht Unzen eingeteilt war. Die Mark war also nur gerade zwei Drittel eines Pfundes wert. Das aber tat der friedlichen Koexistenz der beiden Systeme keinen Abbruch. Und dabei blieb es auch nach der grossen Münzreform von Karl dem Grossen gegen Ende des 8. Jahrhunderts. Bis die Mark dann aber zur Münze wurde gingen noch einige Jahrhunderte ins Land. Erst nach 1500, als in Norddeutschland der Bedarf an Silbermünzen stieg, wurde die Mark erstmals ausgeprägt. Doch sie blieb in damaligen deutschen Landen nur eine Münzsorte unter andern und musste die Geldbeutel der Menschen mit Münzen wie dem Taler teilen, dem grossen Konkurrenten. Dieser war es schliesslich auch, der im Namen «Dollar» überlebte, während die Mark bekanntlich dem Euro weichen musste. |
| Zürich auf seinen Talern
Wie in vielen reformierten Republiken stellte sich auch für die Stadt Zürich immer wieder das Problem, was auf den Zürcher Münzen abzubilden sei. Es gab weder Stadtheilige noch Fürsten. Die meisten Münzen zeigten das städtische Wappen, oft von ein oder zwei Löwen gehalten, den «Züri Leuen». Zwischen 1651 und 1790 setzte sich die Kaufmannsstadt an der Limmat auch immer wieder einmal selbst ins Münzbild: auf den Stadtansichtstalern. Für die ersten dieser Taler liess sich Zürich von Matthäus Merians Zürcher Stadtansicht in der «Topographia Helvetiae» von 1642 inspirieren. Die markanten Bauten der Stadt sind auf ihnen deutlich zu sehen. Die in den folgenden Jahrzehnten ausgegebenen Stadtansichtstaler zeigten die seit 1651 vorgenommenen Veränderungen in der Stadt – z. B. den Bau der neuen Stadtbefestigung, die im Jahr 1678 fertiggestellt wurde. Oder den Wiederaufbau des Grossmünsters, dessen alter Glockenturm 1763 durch einen Blitzschlag zerstört wurde; auf den Stadtansichtstalern, die im Jahr 1790 ausgegeben wurden, prangten zwei prachtvolle neue Türme. |
