Münztouren ⟩ Späte Neuzeit

Der Schweizer Euro

Das MoneyMuseum ist seiner Zeit immer etwas voraus: Zwar ist die Schweiz noch nicht Mitglied der Europäischen Union; aber was nicht ist, könnte eines Tages vielleicht doch noch werden. Um für den Fall eines Beitritts gerüstet zu sein, präsentiert das MoneyMuseum an dieser Stelle ein Set von Münzen – mit Vorschlägen für eine zukünftige Schweizer Variante des Euros.

«Europ» nennen wir den Schweizer Euro bis auf Weiteres – um allfälligen Missverständnissen vorzubeugen. Den Schweizer Cent haben wir auf «Ceros» getauft; warum auch nicht?

Für die Idee zum Europ sowie für den Entwurf und die Herstellung der einzelnen Münzen danken wir Herrn Hans-Ulrich Wartenweiler von der Münzhandlung Erwin Dietrich in Zürich, der dem MoneyMuseum freundlicherweise ein Europ-Set zur Verfügung gestellt hat.

Die Geschichte der Mark – eine Berg- und Talfahrt

Wem die Deutschen vertrauen, bleiben sie treu. Gewiss – eine kühne Behauptung. Aber eine stimmige, wenn man die Geschichte der deutschen Mark betrachtet. Denn trotz manch schlechter Erfahrung mit ihren «Märkern» hielten die Deutschen am Namen ihrer Währung bis zum deren Ende fest. Und das selbst dann, wenn das Währungssystem sich eigentlich geändert hatte.

Die beliebteste und erfolgreichste deutsche Mark war nun zweifellos die letzte: die D-Mark. Wie ein Phönix stieg sie 1948 aus der Asche des Zweiten Weltkriegs und eroberte die deutschen Herzen.

Doch auch ihre Vorgängerinnen haben die deutsche Wirtschaft erst einmal kräftig angekurbelt: so z. B. die Reichsmark. Sie, die erste goldene Mark, war denn auch die erste Mark, die – 1871 als nationale Einheitswährung eingeführt – dem zersplitterten deutschen Münzwesen endlich ein Ende setzte. Und noch etwas an ihr war neu: Denn eingeteilt in 100 Pfennige war sie die erste deutsche Währung, die nach dem Dezimalsystem funktionierte. Doch wie zwei ihrer Nachfolgerinnen, so fiel schliesslich auch sie durch Abwertung einem der beiden Weltkriege zum Opfer – die Stunde der D-Mark war gekommen ...

Die Schweizerischen Reservebanknoten

Seit dem Beginn der ersten Banknotenausgabe im Jahr 1907 hat die Schweizerische Nationalbank acht Banknotenserien geplant. Allerdings wurden diese Emissionen nur teilweise in Umlauf gesetzt: Gewisse Noten der 2. und 3. Emission wurden zwar gedruckt, aber zurückgehalten, und die 4. und die 7. Serie wurden ebenfalls nie in Verkehr gebracht. Diese Geldscheine dienten als sogenannte Reservebanknoten.

Reservebanknoten wurden vorbereitet um notfalls das gesamte umlaufende Schweizer Papiergeld innerhalb kürzester Frist ersetzen zu können. Das wäre zum Beispiel notwendig gewesen wenn bei einem oder mehreren Nominalen plötzlich Fälschungen in grosser Menge und von hoher Qualität aufgetaucht wären. Dann hätte die Nationalbank die betreffenden Noten für ungültig erklärt, eingezogen und durch die entsprechenden Reservebanknoten ersetzt.

Die 7. Banknotenserie war indes die letzte Reserveserie. Das Sicherheitssystem der Banknoten der 8. Serie – der zurzeit in der Schweiz umlaufenden Geldscheine also – ist nach Angaben der Nationalbank so hoch entwickelt, so dass Reservebanknoten nicht mehr notwendig erscheinen.

Geld als Design – die Schweizer Banknoten von 1956 bis 1980

Während dem Zweiten Weltkrieg traf die Schweizerischen Nationalbank Massnahmen zur Ausgabe neuer Banknoten: Die umlaufenden Geldscheine waren stark abgenutzt und technisch lange nicht mehr auf dem neusten Stand – bis zu jener Zeit trugen die Schweizerischen Banknoten nämlich keinerlei Sicherheitsmerkmale.

Noch während dem Krieg erhielten die beiden Maler Victor Surbeck und Hans Erni den Auftrag, neue Banknoten zu gestalten (die vierte Emission). Doch keine der entworfenen und zum Teil auch gedruckten Noten wurde je in Umlauf gesetzt.

Zu Beginn der 1950er-Jahre nahm die Nationalbank ihre Pläne dann erneut auf; der Auftrag für die Entwürfe ging an die beiden Grafiker Pierre Gauchat und Hermann Eidenbenz. Zum ersten Mal wurden die Banknoten der Nationalbank also nicht mehr von Malern, sondern von Grafikern gestaltet. Die Scheine dieser fünften Emission wurden in den Jahren 1956 und 1957 in Umlauf gesetzt.

Die neuen Banknoten entstanden wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, was die Wahl der Motive erklärt. Vor allem die vier Allegorien von Gauchat wurden sehr bekannt: die Apfelernte als Symbol der Fruchtbarkeit, St. Martin als Sinnbild der Mitmenschlichkeit, der Jungbrunnen als Allegorie für Wiedergeburt und der Totentanz als Erinnerung an die Vergänglichkeit des Lebens.

Geld als Kunst – die Schweizer Banknoten von 1911 bis 1980

Die Banknote ist das Aushängeschild eines Landes – und als solches ebenso modisches Zeitgeistprodukt wie emotionales Identitätssymbol. Oft ist eine Banknote auch einfach ein ästhetisch schönes Stück Papier; ganz speziell in der Schweiz. Hier hatte bereits das erste Papiergeld, das der Staat ausgab, einen klaren Zweck: Es sollte das Selbstbewusstsein und den Zusammenhalt der jungen Demokratie stärken.

Für ihre erste eigene Serie beauftragte die Schweizerische Nationalbank deshalb zwei Grosse der bildenden Kunst: Ferdinand Hodler, den Maler des bekannten Marignano-Bildes, und den Waadtländer Künstler Eugène Burnand. Ihre Darstellungen aus dem bäuerlichen und industriellen Berufsleben kamen in den Jahren 1911 und 1912 in Umlauf.

Im Jahr 1907 hatte die Nationalbank bereits einmal Banknoten ausgegeben – die sogenannten Interimsnoten: Dazu benutzte sie alte Druckplatten, die für den Druck von Geldscheinen in den 1880er-Jahren verwendet worden waren. Diese Interimsnoten gelten als die erste Emission der Schweizerischen Nationalbank.

Die zweite Emission mit zwei neuen Nominalen (der 5er- und der 20er-Note) wurde in den Jahren 1911 und 1914 in Umlauf gesetzt – zu dieser gehören die erwähnten Banknoten von Hodler und Burnand. Zwischen 1918 und 1930 kam eine dritte Emission mit einer erneuerten 100er- und 20er-Note dazu.

Geld als sicherheitstechnische Herausforderung – die Schweizer Banknoten von 1976 bis 2000

Die Schweizerische Nationalbank gestaltet ihre Banknoten ungefähr alle 20 Jahre neu. Diesem Rhythmus folgte auch die sechste Serie von Banknoten, die in den 1970er-Jahren herausgegeben wurde und bei der die Scheine der kleinen Werte erstmals stilistisch zu den grossen Noten passten.

Die Noten dieser Emission waren besser lesbar, wiesen einen hohen Grad an Sicherheit und erstmals die Überlagerung mehrerer Motive auf. Die Fälschungssicherheit beruhte auf verschiedenen Massnahmen – zum Beispiel auf einer neuartigen Technik des Druckverfahrens, das eine einfache optische Kontrolle der Echtheit ermöglichte: Bei schräg betrachteter Note wurde das Bild dunkler und es erschienen vier Sicherheitsfäden.

Und noch etwas war neu bei dieser Banknotenserie: Die Nationalbank hatte sich entschieden, sie vollständig in der Schweiz drucken zu lassen. Bisher waren die 50er- bis 1000er-Noten in London hergestellt worden und nur die kleinen Werte bei Orell Füssli in Zürich. Um die neue Aufgabe zu bewältigen, sah sich die Firma denn auch veranlasst, ihre Druckerei mit komplett neuen Maschinen auszustatten.

Für die sechste Serie ihrer Banknoten schrieb die Nationalbank einen Wettbewerb aus, bei dem folgende Vorgaben gemacht wurden: Die Vorderseite der sechs neuen Noten mit den Werten von 10 bis 1000 Franken sollten Schweizer Gelehrte, die Rückseite deren Arbeit und Werk zeigen. Allerdings wählte die Nationalbank letztlich nicht die von der künstlerischen Jury gekürte Siegerserie aus, sondern die zweitplatzierte der Grafiker Ursula und Ernst Hiestand.

Die ersten Scheine dieser Emission wurden 1976 in Umlauf gesetzt. Keine 20 Jahre später, 1995, begann die Ausgabe einer neuen – der achten – Banknotenserie. Die Scheine der siebten Serie wurden wohl gedruckt, aber nie in Umlauf gesetzt; sie galten als Reserve für die folgende Emission.

Die nachfolgend gezeigten Banknoten der sechsten Serie wurden per 1. Mai 2000 zurückgerufen; seitdem sind sie ausser Kurs. Sie können aber noch bis am 1. Mai 2020 bei allen Schweizer Banken eingelöst werden.

Südafrikanische Randmünzen – Schenkung Cliff Gundle, London

Im Jahr 1652 wurde Kapstadt gegründet. Damit begann die Einwanderung weisser Siedler meist niederländischer Herkunft, der später sogenannten Buren, nach Südafrika. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts jedoch besetzten die Briten das Kapland, und 1806 wurde das Kap britische Kolonie. Die sich nun zwischen Briten und Buren entwickelnden Konflikte veranlassten die Buren Mitte der 1830er-Jahre, sich auf den Grossen Treck zu begeben: Sie verliessen die britische Kapkolonie und wanderten auf einem strapaziösen und leidvollen Zug nach Norden, wo sie die Burenrepubliken Natal, Oranjefreistaat und Transvaal gründeten.

Von grosser Bedeutung für die Burenstaaten war die Entdeckung von Diamanten und Gold. Diese Funde zogen Tausende von – vor allem britischen – Goldsuchern und Abenteurern ins Land. Die gestiegene wirtschaftliche Bedeutung des Nordens war auch der Grund für die Bestrebung von Cecil Rhodes, dem Premierminister der Kapkolonie, die Burenrepubliken wieder der britischen Herrschaft zu unterwerfen. Im Zweiten Burenkrieg (1899-1902) eroberten die Briten den Oranjefreistaat und Transvaal. Einige Jahre später (1910) wurden die Kapkolonie und die Republiken Natal, Oranjefreistaat und Transvaal zur Südafrikanischen Union verbunden.

Die folgende Münztour erzählt die Geschichte Südafrikas von der ersten Kolonisation bis zur Gründung der Republik im Jahr 1961. Weil die Münzprägung in Südafrika erst spät einsetzte, zeigt das MoneyMuseum diese Entwicklung anhand der modernen südafrikanischen Randmünzen.

Wertlose Millionen – deutsches Notgeld von 1919 bis 1924

Nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) kam es im Deutschen Reich zu einer drastischen Inflation. Schuld daran war eine skrupellose Geldschöpfung – um die Kriegskosten zu decken, druckte die Deutsche Reichsbank im Namen ihrer Regierung mehr und immer mehr Banknoten.

Bereits während dem Krieg kam in Deutschland immer mehr Geld in Umlauf. Dadurch stiegen die Preise, denn der Nachschub an Konsumgütern wurde ja nicht grösser – im Gegenteil: Durch den Krieg gingen die Importe von Gütern drastisch zurück, und im Lande selber stellte die Wirtschaft vollkommen auf Kriegsmaterial um. Mit anderen Worten: Es gab im Deutschen Reich zwar viel Geld, aber nichts, was man dafür kaufen konnte.

In der letzten Phase der Inflation aber, bereits einige Jahre nach dem Krieg, ging sogar das Geld zur Neige. Nicht, dass man nun weniger davon hergestellt hätte; aber die Preise waren inzwischen derart gestiegen, dass man mit dem Drucken von Geldscheinen einfach nicht mehr mithalten konnte. So begannen Städte und Gemeinden, Geldinstitute und private Firmen, eigene Gelder auszugeben.

Wer diese Zeit nicht miterlebt hat, kann sich kaum eine Vorstellung von den damit verbundenen Auswirkungen auf das Leben in Deutschland machen. Da die auf Marken ausgegebenen Lebensmittel für die meisten Familien nicht ausreichten, mussten auf dem Schwarzmarkt für horrende Preise Lebensmittel zugekauft werden. Pfandleihen und Ankaufsstellen für Gold- und Silberschmuck schossen wie Pilze aus dem Boden, der Antiquitätenhandel blühte. So assen viele Familien die Ersparnisse von Generationen buchstäblich auf.