Münztouren ⟩ Durch die Zeiten

Barren: Sparschwein, Schmuck und Handelsgeld

Barren sind seit rund 2000 v. Chr. als Zahlungsmittel in Gebrauch. Sie bestehen durchaus nicht immer aus Metall, sondern werden auch aus anderen Materialen hergestellt – Salz oder Tee etwa. In der Antike wurden Barren auch in Europa als umlaufendes Geld gebraucht; in Asien und in Afrika zirkulierten auch noch im 20. Jahrhundert verschiedene Barrenformen.

Delfine auf Münzen

Der Delphin war zu allen Zeiten ein grosser Sympathieträger. Es sind vor allem seine Schnelligkeit, seine Luftsprünge und seine Intelligenz, welche Begeisterung erregen.

In der Antike waren Delfine auch vielfältige Symbole. Sie wurden als Könige der Meeresbewohner angesehen und mit der Errettung zahlreicher Schiffbrüchiger in Verbindung gebracht. Weil sie Schiffe gerne auf weiten Strecken begleiten, galten Delfine als Sinnbilder für Seefahrer und Händler. Den Griechen und Römern galten diese Tiere als gottähnlich; man sah in ihnen ein Sinnbild der Todesüberwindung – eine Vorstellung die darauf beruhte, dass Delphine angeblich die Seelen der Verstorbenen in das Reich der Toten geleiteten. Delphine wurden ausserdem mit der Geburt Aphrodites in Verbindung gebracht, die nach ihrer Geburt im Meer von einem Delfin an Land gebracht worden sein soll. Aufgrund dieser Vorstellung galten Delfine auch als Symbole der Liebe.

Der Löwe – auch auf Münzen ein König

Der Löwe ist der König der Tiere. Wegen seiner Kraft, seinem Auftreten und seiner Schnelligkeit verkörpert er majestätische Unnahbarkeit, Macht und Sieg über die Welt und ihre Kreaturen.

Der Löwenkampf – die Überwindung dämonischer Kräfte – war denn auch ein Privileg mythischer Helden, die Löwenjagd eines der Könige. Als Siegeszeichen wurde das Löwenbild schon auf die frühesten antiken Münzen gesetzt, und zwar in Kleinasien, wo das Tier auch in der Natur beobachtet werden konnte. Im Mittelalter und in der Neuzeit hingegen begleitete der Löwe die Mächtigen der Welt nur noch als heraldisches Zeichen. Seine Ausstrahlung als König der Tiere war verloren gegangen, oder wurde nicht mehr erfasst.

Die Ahninnen der Helvetia

Es gibt drei Inspirationsquellen, auf denen die schweizerische Helvetia beruht:

  1. auf dem Frauenkopf: Er hat als Münzbild Tradition und wurde schon früh mit Kranz oder Diadem im Haar abgebildet. Die Schweizer Helvetia hat das übernommen, geht als Kopfbild aber zurück bis auf das Bildnis der römischen Kaiserin Livia.
  2. auf der sitzenden Frauenfigur: Sie kam ebenfalls schon in der Antike vor, wurde später von den Engländern mit der sitzenden Britannia, noch später von Frankreich wieder aufgenommen und führte schliesslich zur sitzenden Helvetia in der neu geschaffenen Schweizer Frankenwährung von 1850.
  3. auf der stehenden Frauenfigur: Schon auf dem Alexander-Stater vorhanden, wurde sie in der Neuzeit von den Holländern wieder aufgenommen. Vorbild für die stehende Helvetia war dann aber ein Söldner – er, dessen Standbild schon auf dem ersten Berner Franken von 1811 zu sehen ist, wurde 1850 einfach um 180 Grad gedreht und mit weiblichen Attributten versehen – und fertig war die Helvetia!

Die Familie de' Medici und ihr Florenz

Bis ins 11. Jahrhundert waren in Florenz die grundbesitzenden Adelsfamilien an der Macht. Doch mit dem Aufkommen von Handel und Gewerbe formierte sich eine neue Elite, die durch die Marktwirtschaft zu Reichtum gekommen war. Und aus dieser Schicht setzten sich wiederum einige Familien ganz nach oben durch: die Grandi (auch Potenti oder Magnati).

Die Familien der Grandi sollten die Geschicke der Stadt Florenz in den kommenden Jahrhunderten bestimmen. Unter ihnen herrschte ein unerbittlicher Machtkampf, bis sich gegen Ende des 15. Jahrhunderts die Familie de' Medici als Grossmacht durchsetzte. Doch bis die Dynastie ihre Macht gesichert hatte, sollte es noch einmal gut 100 Jahre dauern: Erst 1532 wurde der erste Medici zum Herzog über Florenz erklärt.

Die Medici schafften ihren Aufstieg durch Diplomatie, eine geschickte Heiratspolitik und eine gute Portion Skrupellosigkeit. Durch die Förderung von Kunst, Wissenschaft und Architektur brachten sie die Renaissance in Gang. Sie bauten ganze Florentiner Stadtteile im Stil der Renaissance und legten eine Kunstsammlung an, die heute mehrere Museen füllt. Ohne die Familie de' Medici wäre Florenz nicht die Stadt, die sie heute ist. Wie die Florentiner Münzen diese Beziehung widerspiegeln, zeigen wir hier.

Die Grosse Nation und ihre Münzgeschichte

So vielfältig wie das heutige Völkergemisch in Frankreich so ist auch seine Münzgeschichte. Denn ob Denier, Gros, Ecu, Franc, Louis d’or oder Napoleon – diese Münzen zirkulierten einst in ganz Europa, und sind damit beredete Zeugnisse der Grösse der Grande Nation. Alle diese Münzen erzählen noch heute Frankreichs Geschichte. Besonders beredt dabei ist übrigens jene Münzreihe, die von den Königen namens «Louis» geprägt wurde, deren bekanntester natürlich der Sonnenkönig war. Denn gerade sie dokumentiert dank ihrer Symbolwahl die monarchistische Selbstdarstellung – «L'Etat, c'est moi» – und den Sieg des zentralistischen Staates über die Feudalherren besonders trefflich.

Die Zürcher und ihr Geld: Münzprägung an der Limmat

Wer mit dem Zug in den Hauptbahnhof von Zürich einfährt, kommt an einem Haus vorbei, auf dessen Fassade ein Graffitikünstler «Zürich» in «Zureich» verwandelt hat. Tatsächlich ist der Wohlstand in Zürich heute überall präsent: An der Bahnhofstrasse beeindrucken Bankpaläste mit marmorglänzenden Schalterhallen eine internationale Kundschaft; und wer im Hauptbahnhof eine Bratwurst isst, zahlt dafür so viel wie andernorts für ein veritables Mittagessen.

Zwischen dem Hauptbahnhof und der Bahnhofstrasse steht das Denkmal von Alfred Escher (*1819, †1882). Er ist der Vater des internationalen Bankenplatzes und hat als mächtiger und tatkräftiger Visionär massgeblich zur Vernetzung Zürichs und der Schweiz beigetragen.

Vor Alfred Eschers Zeit rangierte Zürich gemessen an Bevölkerungsgrösse und wirtschaftlichem Gewicht bei Weitem nicht an der Spitze der Schweizer Städte. Doch bereits im alten Zürich, der prestigereichen Handelsstadt an der Limmat, hatte man mit Geld zu tun gehabt – und zwar mit eigenem. Denn nachdem die Stadt von den Äbtissinnen des Fraumünsterklosters das Münzrecht übernommen hatte, prägte sie jahrhundertelang selbst Geld. Was nun die alten Münzen von der Stadt am See so alles zu berichten wissen, erfahren Sie hier.

Ein Streifzug durch die Geldgeschichte der Vereinigten Staaten von Amerika

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind ein Konglomerat aus den verschiedensten Kulturen: Im 16. Jahrhundert trafen erstmals Spanier auf indigene Einwohner, die so genannten Indianer; bald folgten Menschen von afrikanischen und asiatischen Zivilisationen und anderen europäischen Ländern. So erstaunt es nicht, dass am Anfang der nordamerikanischen Geldgeschichte die verschiedensten Geldformen standen.

Als die ersten Europäer an den amerikanischen Küsten landeten, waren dort bereits differenzierte Geldsysteme in Gebrauch. In Nordamerika waren bestimmte Häute und Muscheln weit verbreitet. Biberpelze zum Beispiel dienten von Alaska über Kanada und weite Teile der Vereinigten Staaten als Währungseinheit, und die Felle von anderen Tieren bildeten Vielfache oder Teilstücke davon. Die Neuankömmlinge übernahmen diese Geldsformen – im Handel mit den Indianern, aber auch im Handel untereinander: In Kanada galt ein Biberpelz im Jahr 1748 zwei Pfund Zucker, einen Bronzekessel oder anderthalb Pfund Schiesspulver.

Doch die tiefverwurzelte europäische Auffassung, dass nur metallisches Geld «richtiges» Geld sei und das Konzept, dass Reichtum mit Edelmetall zu tun habe, liess Münzen bald auch in der Neuen Welt zu hochbegehrten Objekten werden. Dies umso mehr, als sie bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts äusserst knapp waren.

Englands Münzgeschichte – weg vom Kontinent, hin zur Isolation?

England frönte seiner Splendid Isolation nicht seit jeher und gab einst viel dafür, auch ein Stück Europa zu bekommen. Das zeigt schon die britische Münzgeschichte: Zu ihren Ahnen zählen kontinentale Berühmtheiten wie der Denar, der Pfennig und der Groschen.

Mit Elisabeth I. und vor allem mit dem Ausbau der englischen Flotte änderte das: Fortan sah sich England als Mittelpunkt der Welt und Ausgangspunkt für Reisen nach West und Ost. Mit dem Sovereign entwickelte sich nun auch eine eigene Münzpolitik. Sie hat sich bis heute kaum verändert und so der Insel eine eindrückliche Konstanz in der Münzprägung und grosse Währungsstabilität gebracht. Ob der Euro dagegen ankommt?

Frauen auf Münzen – der lange Weg zur Gleichstellung

Die Frau auf Münzen war in der Antike eine Göttin oder Nymphe und erst bei den Ägyptern und im Römischen Reich eine Frau aus Fleisch und Blut, nämlich die Gattin des Herrschers. Seit dem späteren Kaiserreich in Rom und Byzanz wurden gar Herrscherinnen abgebildet – eine Tradition, die sich von der Äbtissin von Zürich über die Königin von England und Maria Theresia bis in unsere Tage fortsetzt. Heute existiert denn auch beides: Münzbilder mit einem Regentinnen-Portrait und solche mit allegorischen Frauendarstellungen wie z. B. der Liberty in den USA oder dem Schweizer Gold-Vreneli.