Bildertouren ⟩ Geldgeschichte II: Geld als Münzgeld

Geldgeschichte II: Geld als Münzgeld

Von Aila de la Rive, © MoneyMuseum 2009

Lange Zeit bedeutete Geld vor allem Münzgeld. Münzen hatten einen Wert an sich, weil sie aus Edelmetall bestanden. Auf diesen Wert konnten sich die Leute verlassen.

Tetradrachme, geprägt von der Stadt Athen ca. 465-454 v. Chr.

Die griechischen Stadtstaaten prägten Silbermünzen. Die «Eulen» von Athen wurden zu einer international beliebten Handelsmünze.

Tetradrachme, geprägt unter dem makedonischen König Alexander III. (336-323 v. Chr.)

Alexander der Grosse liess enorme Mengen von Geld aus erbeutetem Silber schlagen. Seine Soldaten verbreiteten sie in alle Welt, wo sie zum Vorbild für weitere Münzprägungen wurden.

Denar, geprägt unter dem römischen Imperator Gaius Julius Caesar (*100, † 44 BC) 44 v. Chr.

Die Römer lernten von Alexander und schlugen ihre Denare aus den Edelmetallschätzen der eroberten Provinzen. Julius Cäsar sicherte sich seine Gefolgschaft mit Reichtümern aus dem unterworfenen Gallien.

Wu Shu, geprägt unter dem chinesischen Han-Kaiser Ling Di (168-189 n. Chr.) 186 n. Chr.

Derweilen gaben in China die Kaiser bereits jene Münzen aus, die dort über die nächsten 2000 Jahre fast unverändert umlaufen sollten: die Käschmünzen.

Chinesische Geldschnur zu 100 Käsch

Im Lauf der Zeit wurden die Käschmünzen kleiner und dünner und somit auch weniger wert. Aufgrund ihres geringen Werts wurden diese traditionellerweise in grosser Zahl auf Geldschnüre aufgezogen, um sie mit sich zu führen.

Dinar, geprägt unter dem Omaijadenkalif Abd al-Malik (685-705) 702 (83 AH)

Im arabisch-islamischen Raum bezahlte man mit goldenen Dinaren und silbernen Dirhems. Die Designs waren rein epigrafisch, denn das islamische Bildverbot galt auch für Münzen.

Denar (Pfennig), geprägt unter dem fränkischen König Karl der Grosse (768-814) nach 793

Im Frankenreich sorgte Karl der Grosse für eine einheitliche Münzprägung. Seine Silberpfennige blieben bis ins ausgehende Mittelalter die wichtigsten Münzen für Kaufleute und Städter – eine Art einheitlicher europäischer Währung lange vor dem Euro.

Pfennig (Brakteat), geprägt unter dem sächsischen Herzog Heinrich der Löwe (1142-1195)

Nachdem neue Lagerstätten für Silber entdeckt worden waren, wurden auch mehr Münzen geprägt – von Königen, Bischöfen, Fürsten, Städten.

Grosso (Matapan), geprägt unter dem venezianischen Dogen Enrico Dandolo (1192-1205) nach 1202

Als die Ritter von den Häfen Oberitaliens aus zu ihren Kreuzzügen Richtung Jerusalem aufbrachen, kassierten auch die norditalienischen Handelsstädte. Beim vierten Kreuzzug machte Venedig für die Organisation des Seetransports ein gutes Geschäft. Zu diesem Zweck wurde sogar eigens eine neue, grössere Silbermünze entwickelt: der Grosso.

Fiorino d'oro, geprägt von der Republik Florenz 1252-1303

Im Gefolge der Kreuzzüge kamen in Europa auch wieder Goldmünzen auf. Genua und Florenz prägten Goldgulden für den Fernhandel, Venedig gab Dukaten aus.

Guldiner (Guldengroschen), geprägt unter dem Tiroler Grafen Sigismund der Münzreiche (1446-1490) 1486

Kleine Münzen waren auf die Dauer zu umständlich. Münzen mit höherem Metallgehalt und ergo höherem Wert mussten her. So wurden die Geldstücke grösser. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts entstanden in Tirol die ersten Grosssilbermünzen; damit begann die Zeit des Talers.

Real de a ocho (Peso), geprägt unter dem spanischen König Philipp II. (1556-1598) 1596

Seit dem 16. Jahrhundert floss massenweise Edelmetall aus der Neuen Welt nach Europa. In den Münzstätten von Mexico City, Potosí und Lima wurde das von indianischen Sklaven geförderte Silber direkt zu Münzen verarbeitet und von der spanischen Silberflotte nach Europa verschifft. Der Münzumlauf in der Alten Welt schwoll an und verursachte eine Inflation.

Dollar, geprägt von den Vereinigten Staaten von Amerika 1799

Dank ihrem Eigenwert konnten Gold- und Silbermünzen ungeachtet nationaler oder kultureller Grenzen umlaufen. Am weitesten verbreitet war der spanische Peso, aus dem sich der amerikanische Dollar, der chinesische Yuan oder der türkische Kurusch entwickelten.

1 Mark, geprägt unter dem deutschen Kaiser Wilhelm II. (1888-1918) 1892

1806 wurde das Heilige Römische Reich Deutscher Nation aufgelöst. Es war der Anfang vom Ende des jahrhundertealten Münzwirrwarrs im deutschsprachigen Raum. Der nächste Schritt erfolgte 1871 mit der Gründung des Deutschen Reiches und der Einführung der Mark.

100 Franken (Vreneli), geprägt von der Schweizerischen Eidgenossenschaft 1925

Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs gerieten die Finanzmärkte in Aufruhr. Gold- und Silbermünzen verschwanden aus dem Geldverkehr und wurden durch wertlose Metalllegierungen und Papiergeld ersetzt. Nur in wenigen Ländern mit besonders stabilen politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen vermochten sich Edelmetallmünzen auch nach dem Krieg noch ein paar Jahre zu halten.