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Geldgeschichte III: Papier-, Plastik- und virtuelles Geld
Von Aila de la Rive, © MoneyMuseum 2009
In China, wo auch die Münzen keinen nennenswerten Metallwert hatten, kam Papiergeld bereits im frühen 11. Jahrhundert auf. Es scheint um 1024 als Notgeld zur Finanzierung eines Krieges herausgegeben worden zu sein, weil Metallgeld knapp geworden war.
| 1000-Ch'ien-Note (Käsch), ausgegeben unter dem chinesischen Ming-Kaiser Hongwu (1368-1398)
Dieser chinesische Geldschein aus dem 14. Jahrhundert ist das älteste bekannte und erhaltene Papiergeld. In der Mitte sind die Münzstapel abgebildet, die man für die Note eintauschen konnte: 10 Schnüre zu je 100 Kupfermünzen. Solche Noten gab der chinesische Kaiser ab 1375 aus, um nach einem Krieg die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Das Resultat war, wie so oft in der Papiergeldgeschichte, eine Inflation. |
| Wechsel über 380 Pfund zur Auszahlung innert dreier Monate in Bristol, unterzeichnet in Hamburg 1724
Wechsel wurden erstmals im 14. Jahrhundert von italienischen Bankhäusern eingesetzt, um den Transport grösserer Mengen von Gold- und Silbermünzen zu umgehen. Solche Wechsel werden bis heute eingesetzt, um Kredite und Zahlungen über grosse Distanzen anzuordnen. Es handelt sich dabei um eine schriftliche Anweisung an einen Agenten zur Zahlung einer bestimmten Summe an eine bestimmte Person zu einer festgesetzten Zeit. |
| Englischer Schatzwechsel über 100 Pfund, ausgestellt 1720
Staatswechsel (Exchequer Bills) wurden in England 1696 eingeführt. Sie waren eine Art öffentlicher Anleihen, die gegen beim Staat einbezahltes Geld ausgegeben wurden. Ab dem frühen 18. Jahrhundert wurden die Exchequer Bills zur Zahlung der Steuern akzeptiert und konnten bei der Bank of England eingelöst werden. Dieser Wechsel gehörte zu einer Ausgabe, mit der Geld für die berüchtigte South Sea Company beschafft werden sollte. |
| 100-Daler-Note, ausgegeben 1666 vom Stockholms Banco
In Europa war Schweden Vorreiter bei der Ausgabe von offiziellen Banknoten. Ab 1661 gab der Stockholms Banco «Kreditnoten» aus, die zunächst ein voller Erfolg waren. Doch über die nächsten Jahre verlieh die Bank zu viel Geld und gab zu viele Noten aus, die sie nicht mehr einlösen konnte. 1667 ging die Bank Konkurs und die schwedische Regierung musste ihre Schulden übernehmen. Danach schritt die Entwicklung zügig voran. |
| Note zu 50 Livres tournois, ausgegeben von John Laws Banque Royale de France 1720
In grossem Stil wurde Papiergeld erstmals in Frankreich während 1718 bis 1720 unter Finanzminister John Law verwendet. Zunächst führte die Einführung des Papiergeldes zu einer deutlichen Belebung der Wirtschaft. Dann aber verursachten die erheblich gestiegene Geldmenge und der allmählich eintretende Vertrauensverlust in die neue künstliche Währung eine Inflation. |
| Assignat zu 500 Livres, ausgegeben von der Assemblée Nationale und Ludwig XVI. (1774-1792) 1790
Auch der nächste Papiergeldversuch in Frankreich endete in einem Fiasko. Um die Kosten der Französischen Revolution zu decken, wurden 1789 sogenannte Assignaten ausgegeben. Mit der Zeit kamen immer mehr Assignaten in Umlauf, wodurch sie stark an Wert verloren. Fälschungen und die politische Instabilität im Land liessen darüber hinaus das Vertrauen in die Assignatenwährung sinken. 1796 hatten Assignaten nur noch 0,5 Prozent ihres ursprünglichen Nominalwertes und mussten ausser Kurs gesetzt werden. |
| Wiener Stadt-Banco-Zettel zu 25 Gulden, ausgegeben vom Wiener Stadt-Banco 1792
Eine weitere Etappe in der Entwicklung der Papierwährung waren die Wiener Stadt-Banco-Zettel um 1800. Zunächst waren die Banknoten sehr beliebt, verfielen aber infolge des vermehrten Ausstosses, denn der Staat setzte sie zur Kostendeckung der Kriege gegen Napoleon ein. Die inflationäre Entwicklung führte schliesslich zum österreichischen Staatsbankrott. |
| 7-Dollar-Note, ausgegeben von den Vereinigten Staaten von Amerika 1775
Auch die Papiergeldgeschichte der USA begann mit einer Inflation. In Ermangelung anderer Zahlungsmittel wurde nämlich der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg mit Papiergeld bezahlt. Doch unter dem Druck des kriegsbedingten Finanzbedarfs wurden viel zu viele Scheine ausgegeben. Schon 1780 waren die Noten praktisch wertlos; im Jahr 1790 wurden sie noch in einem Verhältnis von 100 zu 1 eingelöst. |
| Formular zu 10 Gulden, ausgegeben von der Bank in St. Gallen nach 1838
In Europa gab es zunächst kaum staatliche Banknoten, denn das offizielle nationale Geld bestand auch im 19. Jahrhundert noch aus Gold- und Silbermünzen. So waren es private Banken und Handelshäuser oder halboffizielle Institutionen, die ihre Kunden mit Papiergeld versorgten. |
| Note zu 50 Millionen Mark, ausgegeben von der Weimarer Republik 1923
Während dem Ersten Weltkrieg druckte auch Deutschland zu viel Geld; gleichzeitig konnten immer weniger Waren angeboten werden. Dadurch wurde das Geld wertlos und die erhältlichen Güter unerschwinglich: Im Oktober 1923 kosteten zehn Eier sagenhafte 19,5 Milliarden Mark. |
| 1000-Franken-Note, ausgegeben von der Schweizerischen Eidgenossenschaft 1931
Um das Vertrauen der Bevölkerung in das Papiergeld zu gewährleisten, verpflichteten sich viele Staaten wie z. B. Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und die USA, ihre Banknoten jederzeit gegen Gold einzutauschen. Durch den sogenannten Goldstandard sollten die nationalen Währungen also zumindest theoretisch durch das Edelmetall gedeckt sein. |
| 1 Wära, ausgegeben von der deutschen Wära-Tauschgesellschaft 1931
Der Goldstandard, das staatliche Versprechen, Banknoten jederzeit mit einer entsprechenden Menge an Gold abzudecken, führte während der Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre zu Geldknappheit. Damals begannen Tauschgesellschaften und Wirtschaftsringe mit der Ausgabe eigener Papierwährungen, die parallel zu den nationalen Währungen umliefen. |
| 1-Dollar-Note, ausgegeben von den Vereinigten Staaten von Amerika 1995
Nach dem Zweiten Weltkrieg trat die Weltwirtschaft in eine neue Phase. 1944 vereinbarten die Vertreter von 44 Staaten in Bretton Woods ein System fester Wechselkurse. Ziel war die Schaffung eines freien Welthandels auf der Basis des Dollars, der zu einem festen Preis an das Gold gekoppelt wurde. Damit wurde der amerikanische Dollar zur internationalen Leitwährung. |
| EC-Karte
1968 wurden EC-Karten eingeführt, und zu Beginn der 1980er-Jahre wurden die ersten Bankautomaten installiert. Seitdem verschwinden Banknoten zusehends und werden durch wiederaufladbare Geldkarten, EC-Karten oder Kreditkarten ersetzt. |
| NASDAQ, die erste elektronische Börse, gegründet 1971
Wir geben zwar immer mehr Geld aus, halten aber immer weniger davon in den Händen. Unfassbar hohe Summen rauschen als Datenströme durch das Internet und werden dort vervielfacht – oder vernichtet. «Reichtum» meint heute nicht mehr Silber- oder Goldstücke, ja, nicht einmal mehr bunte Scheine aus Papier, sondern nur noch Symbole und Ziffern auf einem Computerbildschirm. |
