Bildertouren ⟩ Merian-Stadtansichten des 17. Jahrhunderts – Deutschland

Merian-Stadtansichten des 17. Jahrhunderts – Deutschland

© MoneyMuseum 2001

Die Topografie des Schwabenlandes, illustriert vom berühmten Basler Radierer, Kupferstecher und Verleger Matthäus Merian (*1593, †1650), liest sich wie ein Reiseführer. Er erzählt die Geschichte der Orte Schwabens und erklärt Geografie ebenso wie wirtschaftliche Verhältnisse.

Ansicht der Stadt Augsburg

Nach der Eroberung Rätiens durch die Römer wurde Augsburg (Augusta Vindelicorum) als römische Militärkolonie gegründet. In der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts entwickelte sich eine Bürgersiedlung. 1276 schuf sich Augsburg ein eigenes Stadtrecht, das König Rudolf von Habsburg bestätigte.

Seinen wirtschaftlichen Aufschwung verdankte die Stadt ihrem Fernhandel über die Alpenpässe nach Mailand und Venedig. Durch das grosse Handelsnetz der Fugger und Welser wurde Augsburg zu einem der ersten Geldmärkte Europas. Von den Reichstagen von Augsburg, die unter dem König und späteren Kaiser Maximilian I. sowie Kaiser Karl V. abgehalten wurden, ist der Augsburger Religionsfriede von 1555 am bekanntesten.

Ansicht der Stadt Baden-Baden

Schon im Jahr 220 n. Chr. wurde Baden-Baden (Civitas Aurelia Aquensis) als römische Garnison und Badeort genannt. Um 1100 erbauten die Zähringer die Burg Hohenbaden.

Im Jahr 1500 begann unter den Markgrafen von Baden die grosse Zeit der Bäderstadt. Im 16. Jahrhundert waren zwölf Badehäuser in Betrieb. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde Baden-Baden zur «Sommerhauptstadt Europas»: Fürsten und Spieler vergnügten sich in der Stadt, so beispielsweise Königin Viktoria von England oder die Schriftsteller Balzac und Dostojewski, von welchen der letztere in Baden-Baden sein Geld beim Roulette verspielte.

Ansicht der Stadt Bregenz

An der Stelle des Ortes Bregenz befand sich bereits in der Bronzezeit eine Siedlung, später eine Burg der keltischen Brigantier, die von den Römern 15 v. Chr. erobert wurde. Brigantium, die römische Handelsstadt, wurde um 160 n. Chr. zerstört, danach als Festung wiederaufgebaut. Die Siedlung der Alemannen entstand um 500. Sie wurde Sitz der Grafen von Bregenz, dann der Grafen von Montfort.

Um 1200 wurde Bregenz zur Stadt, im Appenzeller Krieg (1403-1410) zum Bollwerk des Schwäbischen Ritterbundes und 1451 sowie 1523 durch Kauf habsburgisch. Um 1650 errang Bregenz als Kornmarkt Bedeutung und wurde 1726 zum Hauptsitz der österreichischen Verwaltung in Vorarlberg, d. h. zur Vorarlberger Hauptstadt.

Ansicht der Stadt Hechingen mit der Burg Hohenzollern

Die Stadt Hechingen in Baden-Württemberg liegt am Fuss von Berg und Burg Hohenzollern. Seit dem 13. Jahrhundert war Hechingen Mittelpunkt der Grafschaft Zollern, nach Zerstörung der Burg Hohenzollern im Jahr 1423 Sitz der Grafen von Württemberg und seit 1623 der Fürsten von Hohenzollern-Hechingen. Von 1850 bis 1945 gehörte Hechingen zu Preussen.

Unter König Friedrich Wilhelm IV. von Preussen wurde die Burg im 19. Jahrhundert wiederaufgebaut. Es ist eine der eindrucksvollsten Burganlagen Deutschlands mit grossartigem Rundblick.

Ansicht der Stadt Heilbronn

Heilbronn liegt an einem klimatisch, topografisch und verkehrsmässig begünstigten Platz an der Kreuzung alter Handelsstrassen und an einer Neckarfurt. Links des Neckars befand sich ein Kastell der Römer.

Die Siedlung Heilibrunna wurde 822 n. Chr. urkundlich als Königshof erwähnt; in dessen Bereich entwickelte sich ein Markt. Das erste erhaltene Stadtrecht der Stauferstadt stammt von 1281. Seit dem 14. Jahrhundert war Heilbronn Reichsstadt, sie umfasste vier Dörfer. 1802 kam sie zu Württemberg.

Ansicht der Stadt Konstanz

Konstanz (Constantia) am Bodensee entstand an der Stelle eines römischen Kastells um 300 n. Chr., war aber schon in keltischer Zeit besiedelt. 590 wurde es Bischofssitz und entwickelte sich bald zum Mittelpunkt des grössten deutschen Bistums. Bischof Salomon III. verlieh Konstanz um 900 das Marktrecht, was zu lebhaften Handelsbeziehungen mit Italien führte. Seit 1192 Reichsstadt, erlebte die Stadt im Mittelalter ihre Blütezeit.

Bekannt geworden ist der Name der Stadt durch das Konstanzer Konzil (1414-1418), an dem der tschechische Reformator Jan Hus 1415 als Ketzer eingekerkert und verbrannt wurde. Im Jahr 1633, während des Dreissigjährigen Kriegs (1618-1648), belagerten die Schweden die Stadt.

Ansicht der Stadt Lindau

Lindau am deutschen Ufer des Bodensees wurde erstmals 882 n. Chr. genannt. Um 1240 galt es als drittreichste Stadt in Oberschwaben, seit dem 14. Jahrhundert war Lindau Reichsstadt.

Der Ort, der auf einer Insel liegt, die durch einen Eisenbahndamm und eine Strassenbrücke mit dem Festland verbunden ist, umschloss bis zur Säkularisation und Mediatisierung in seinen Mauern zwei oft im Streit liegende Reichsstände: Stift und Stadt.

Im Mittelalter erlangte das «schwäbische Venedig» durch Handel und Schifffahrt besondere Bedeutung als letzte Station der Handelszüge nach Süden vor dem Aufbruch über die Alpen. 1802 kam Lindau an die Fürsten von Bretzenheim, dann an Österreich, 1805 schliesslich an Bayern.

Ansicht der Stadt Ravensburg

Ravensburg entstand am Fuss der gleichnamigen, von Herzog Welf IV. von Bayern um 1080 errichteten Burg, die darauf – in der Nachfolge der Burg von Altdorf-Weingarten – zum Sitz der Welfen wurde. Um 1180 kam die Stadt an die Staufer, noch vor 1276 wurde sie Reichsstadt und erreichte die höchste Blüte zur Zeit der grossen Ravensburger Handelsgesellschaft (1380-ca. 1530), die Leinwandhandel aus Oberdeutschland in Süd- und Westeuropa betrieb.

Die Ravensburg selbst, die über der Stadt gelegen war, brannte 1647 ab. Der Sitz der Landvogtei für Oberschwaben, die in österreichischem Besitz war, wurde daraufhin nach Altdorf-Weingarten verlegt. 1802 kam Ravensburg an Bayern, 1810 an Württemberg.

Ansicht der Stadt Schwäbisch Hall

Bereits im 11. Jahrhundert bestand im tief eingeschnittenen Kochertal an einer Salzquelle eine gewerbliche Siedlung. Im 12. Jahrhundert gelangte die Siedlung von den Grafen von Comburg an die Staufer. Kaiser Friedrich I. Barbarossa verlieh dem Ort Stadtrechte.

Nach dem Untergang der Staufer bewahrte sich Schwäbisch Hall (seit 1276 Reichsstadt) seine Selbständigkeit gegen die Bestrebungen seiner Nachbarn, sich in den Besitz der Stadt zu setzen. Im 14. bis 16. Jahrhundert erwarb die Stadt ein verhältnismässig grosses Territorium.

1512 wurde die Herrschaft des Stadtadels durch die Salzsieder und Handwerker abgelöst. 1802 kam Schwäbisch Hall an Württemberg, das die Salzquellen 1804 verstaatlichte. Aus Schwäbisch Hall stammt übrigens auch der Heller.

Ansicht der Stadt Stuttgart

Stuttgart wurde um 1160 erstmals urkundlich erwähnt. Die Stadt entstand aus einer Siedlung, die sich im Anschluss an ein um 950 angelegtes Gestüt (Stuotgarten) entwickelte. Im Besitz der Markgrafen von Baden, wurde Stuttgart um 1219 Stadt und kam bald darauf durch Heirat an die Grafen von Württemberg.

Seit 1482 ist Stuttgart offiziell Haupt- und Residenzstadt. Um 1600 zählte die Stadt etwa 10'000 Einwohner, deren wirtschaftliche Grundlage vor allem der Weinbau und die Landwirtschaft bildeten. Herzog Karl Eugen von Württemberg, der im 18. Jahrhundert regierte, verdankt Stuttgart das Neue Schloss, das Lustschloss Solitude und das Landschloss Hohenheim.

Ansicht der Stadt Tübingen

Tübingen wurde 1231 erstmals als Stadt genannt. Sie wurde Ende des 12. Jahrhunderts von den Pfalzgrafen von Tübingen, einer der bedeutendsten schwäbischen Familien des Hohen Mittelalters, unterhalb ihrer 1050 errichteten Stammburg erbaut. Tübingen kam 1342 durch Verkauf der Pfalzgrafen an Württemberg.

1477 gründete Graf Eberhard im Bart die Universität, angeregt durch seine Mutter Mechthild von der Pfalz. Er verlegte zur Ausstattung der Universität das Chorherrenstift Sindelfingen nach Tübingen. Die Universität wurde zu einem Zentrum des Humanismus.

Ansicht der Stadt Ulm

Im Jahr 854 n. Chr. erstmals urkundlich als karolingische Pfalz erwähnt, wurde Ulm 1164 von Kaiser Friedrich I. Barbarossa zur Stadt erhoben und zum Hauptstützpunkt der Staufer in Schwaben. Im 14. und 15. Jahrhundert war die Blütezeit der Stadt, dies auch durch die Maler- und Bildhauerwerkstätten, die für das Ulmer Münster arbeiteten, sowie durch den Frühdruck, der Ulm schon Ende des 15. Jahrhunderts zu einem bedeutenden Ort der neuen Technologie des Buchdrucks machte.

Die geografische Lage der Stadt an der Donau und am Schnittpunkt wichtiger Handelsstrassen begünstigte den Export von Waren in fast alle Teile Europas.