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Die Stadt im Mittelalter - Teil 3

Erwerben und Vererben in der mittelalterlichen Stadt

Von Dorothee Rippmann, Itingen CH, © MoneyMuseum

Ein paar Worte zu Beginn

Welche Vorstellungen verbinden Sie mit dem Leben in der mittelalterlichen Stadt? Sehen Sie sie als Ort der sozialen Harmonie, der Bürgerfreiheiten, der Rechtsgleichheit? Als Ort des geregelten Familienalltags in Bürgerhäusern, geprägt von solidem Wohlstand, wenn nicht Reichtum, den der Vater als Familienoberhaupt durch Handwerk oder Handel erworben hat? Was denken Sie über die Bürgersfrauen? Sind sie die gehorsamen, unterwürfigen Hausfrauen, die dem Ehemann dienen? Auf jeden Fall sind sie wohl nur selten berufstätig und sie verstehen von wirklichen Geschäften nichts, kümmern sich nicht um Geld, Kredit und wirtschaftliche Angelegenheiten. Für solches haben sie keine Zeit, wo sie doch mit Kindern, Küche und Textilarbeiten ausgelastet sind. Weit gefehlt! Das Klischee des 19. Jahrhunderts hält der Realität nicht stand; denn es übersieht die soziale Ungleichheit in der städtischen Gesellschaft, das Problem der Armut, wie auch die Geschlechterbeziehungen. Waren Frauen in vieler Hinsicht rechtlich und sozial schlechter gestellt als die Männer, so heisst das nicht, dass sie wehrlos und passiv waren. Sie konnten selbständig ihren Lebensunterhalt verdienen. Die wirtschaftlichen Verhältnisse zwangen viele Frauen - ledige, verheiratete oder verwitwete - als Lohnarbeiterinnen oder Kleinhändlerinnen einer ausserhäuslichen Erwerbsarbeit nachzugehen.

Wollen Sie Genaueres dazu wissen, dann lesen Sie den Beitrag «Die Stadt im Mittelalter». Er ist in drei Teile gegliedert, die folgende Untertitel tragen:

  • Teil 1: Leben, Arbeit und Geschlechterbeziehungen in der mittelalterlichen Stadt
  • Teil 2: Frauenarbeit in der mittelalterlichen Stadt
  • Teil 3: Erwerben und Vererben in der mittelalterlichen Stadt
Am Ende von Teil 1 erfahren übrigens auch einiges zur Autorin und ihren Publikationen.

Some words at first

How do you imagine life in a medieval town? Do you see it as a place of social harmony, civil liberties, equal rights? As a place of well-regulated family life in town houses, in solid prosperity or even wealth, brought in by the father, the head of the family, through craftsmanship or trade? What do you think about the citizens’ wives? Are they obedient, submissive housewives who serve their husbands? At any rate, they no doubt hardly ever have a job, know nothing about real business and pay no attention to money, credit, or any financial matters. They have no time for things like that - after all, their time is fully taken up with children, cooking, sewing and suchlike.

Wrong! Those are 19th-century cliches, which have not survived modern research. They take no account of the social inequality in urban society, the problem of poverty, or the relations between the sexes. Though women were in many ways legally and socially in a worse position than men, that does not meant they were defenceless and passive. They could earn their living independently. And economic conditions forced many women, whether single, married or widowed, to take work outside the home as wage-earners or small-scale traders.

If you’d like to learn more about this, read the article on the subject of "Towns in the Middle Ages." The article is divided in three parts with the following subtitles:

  • Part 1: Life, work and relations between the sexes in towns of the Middle Ages
  • Part 2: Womens work in towns of the Middle Ages
  • Part 3: To inherit and to bequeath in towns of the Middle Ages
At the end of part 1 you’ll learn something about the author as well.

Das Testament eines reichen Bürgers

Im Juni 1502 errichtete der steinreiche Basler Junker Morand von Brunn sein Testament, das heute noch im Staatarchiv von Basel-Stadt einzusehen ist: Es enthielt zunächst ellenlange Bestimmungen über das Ritual seiner Bestattung. Er wählte die Grablege seines Vaters in St. Peter. Sein Leichnam sollte in einer Prozession feierlich in die Peterskirche begleitet werden, der Sarg sollte mit einem goldenen und einem weissen Tuch gedeckt sein, elf Kerzen hätten zu brennen, während zwölf arme Frauen das «Seelamt» hielten und in der ganzen Stadt die Kirchenglocken läuteten. 60 Priester - wahrlich ein stolzes und nicht ganz billiges Aufgebot - sollten die «Seelmesse» und die Vigilien lesen. Die Gedenkfeierlichkeiten wiederholten sich am siebten und dreissigsten Tag nach der Bestattung. Morand von Brunn stiftete ein «Anniversar», das bedeutete, dass jährlich an seinem Todestag eine Gedenkmesse gelesen wurde, in Gegenwart von 30 Priestern, und wiederum beteten die «Spezialistinnen» des Totenamtes am geschmückten Grab. Als Zeichen der Barmherzigkeit des Junkers sollten am Bestattungstag und den Anniversarfeierlichkeiten den anwesenden Armen kleine Bargeldbeträge und Brotgaben geschenkt werden, ein weiterer Geldbetrag war für die Armen im Hospital bestimmt. Ferner bedachte Morand von Brunn eine Reihe von Kirchen und religiösen Bruderschaften in der Stadt mit Geldlegaten. Die Summe dieser Jahrzeitstiftungen machte knapp zehn Prozent seines Gesamtvermögens aus. Das verbleibende Gros seines Barvermögens vermachte er Personen aus seiner eigenen Familie sowie aus der Verwandtschaft seiner Gattin Maria Zscheckabürlin, welche ihrerseits ebenfalls ein Testament errichtet hatte. Sie stammte aus der Basler Finanzelite, aus einer Familie, die noch um einiges reicher war als die Kaufleutenfamilie der von Brunn.

The will of a wealthy citizen

In June 1502, the wealthy aristocrat Morand von Brunn, of Basle in Switzerland, drew up his will, which can still be seen in the archives of the Swiss canton of Basle City. It begins with immensely long directions regarding the rituals to be observed at his funeral: he chose to be buried in the grave of his father in the church of St Peter; his body was to be accompanied into the church by a ceremonial procession, his coffin was to be covered with a gold and a white cloth, eleven candles were to burn while twelve poor women were to intone the Office for the Dead and the bells of the whole city were to ring. Sixty priests - a truly impressive line-up, not exactly cheap either - were to read the Mass for the Dead and the Vigils. These remembrance ceremonies were to be repeated on the seventh and the thirtieth day after the funeral. Morand von Brunn founded a "chantry," which meant that every year on the anniversary of his death a requiem Mass was to be said in the presence of 30 priests, and again the female "specialists" were to say the Office for the Dead beside his decorated grave. To show his charity, small sums of money and gifts of bread were to be given to those poor people present on the day of his funeral and at its anniversaries, and a further sum of money was provided for the poor in the hospital. In addition, Morand von Brunn made donations in the form of money legacies to a series of churches and religious fraternities in the city. In all, these yearly payments amounted to just under ten per cent of his total fortune. The remainder of his monetary possessions was bequeathed to members of his family and to the relatives of his wife Maria Zscheckabürlin, who had also made a will. She came from the financial elite of Basle, a family that was a good deal richer than the merchant family of the von Brunns.

Legate: Kirchen und Verwandte profitieren

Weil sie keine Leibeserben hatten, konnten Maria und Morand ein Testament errichten und damit ihre während der Ehe gewonnene Barschaft, ihr «gemünztes Geld», verteilen. Dass die frommen Kirchenlegate der Anniversarstiftung nur zehn Prozent von Morands Vermögen betrugen, entsprach der Norm: Wer den Pfarrkirchen und Klostergemeinschaften seiner Stadt Legate versprach, durfte dafür nach den Vorstellungen der Basler Obrigkeit allerhöchstens einen Viertel seines Vermögens einsetzen. Maria und Morand konnten, da sie kinderlos waren, frei über ihr Erbe bestimmen. Sie teilten es unter ihren Verwandten auf und liessen es in erster Linie ihren Nichten und Neffen sowie den Cousinen und Vettern zukommen. Hier zeigt sich, wie stark in den vermögenspolitischen Überlegungen des Ehepaars die Familie zählte - vor allen anderen im Alltag gelebten Beziehungen in Nachbarschaft und Zunft etwa. So sind die beiden Testamente wie viele andere ein Zeugnis für die familienzentrierte Mentalität der Gruppe der Kinderlosen; sie lebten in einem Sozialwesen, das von der Idee der Familie beherrscht war.

Legacies: for the benefit of churches and relatives

Since they had no heirs of their bodies, Maria and Morand were able to draw up a will that apportioned the moneys they had acquired during their marriage, their so-called "made money." The fact that the pious church legacies of his chantry foundation only amounted to ten per cent of Morand’s fortune was entirely normal: anyone promising legacies to the parish churches and monastic communities of his city was permitted to use only up to a quarter of his fortune for that purpose, according to the ideas of the Basle city authorities. Since Morand and Maria were childless, they could dispose of their estate entirely freely. They divided it among their relatives, and awarded it primarily to their nephews, nieces and cousins. That shows how large the family loomed in the financial considerations of the von Brunns - for example, well above any other relationships in their lives such as those in their neighbourhood and their guilds. Thus these two wills, like so many others, are a testimony to the family-centred mentality of the childless as a group; they lived in a social structure that was dominated by the concept of the family.

Immobilien

Über die Immobilien (die liegenden Güter) des reichen Ehepaars teilen uns die Testamente nichts mit. Denn sie waren, soweit es sich um gemeinsam errungenes Gut handelte, Gegenstand eines Vertrages zwischen den Eheleuten: Sie hatten einander in einem «Mächtnis» gegenseitig als Erben eingesetzt und damit vorgesorgt, dass der überlebende Teil den bisherigen Lebensstandard auch im Witwenstand aufrechterhalten konnte. Die Summen, über welche jeder von ihnen in seinem letzten Willen (dem Testament) verfügte, waren ausgenommen.

Property

The wills tell us nothing about the rich couple’s property (their fixed possessions or real estate). That is because all property acquired during the marriage was the subject of a contract between the two of them: each had appointed the other as heir in a so-called "instrument," and thereby ensured that the survivor would be able to maintain his or her accustomed standard of living after the death of the other partner. The sums each of them was later to apportion in their two last wills were excluded.

Kinder und Kinderlosigkeit - «beerbte» und «unbeerbte» Ehen

In Basel, Strassburg, Zürich und anderen Städten im spätmittelalterlichen Reich und der Eidgenossenschaft hatten nur kinderlose Erblasser wie Maria Zscheckabürlin und Morand von Brunn Testierfreiheit, nur sie konnten frei über ihr Erbe verfügen und einen Haupterben einsetzen. Die Einschränkung der so genannten Testierfähigkeit diente dazu, dem Grundsatz des ungehinderten Erbrechts der direkten Nachkommen Nachachtung zu verschaffen. Mancherorts - wie in Basel - war es Eheleuten verboten, den überlebenden Gatten testamentarisch als Universalerben einzusetzen. In Konstanz, Mülhausen, Hamburg, Köln und Genua andererseits war dies möglich. Die Testatoren sind also im Falle Basels entweder Geistliche oder kinderlose Eheleute und Verwitwete - solche, die keinen Nachwuchs gezeugt hatten oder deren Kinder vor ihnen gestorben waren. Das Schicksal, seine Kinder zu verlieren, war in Zeiten hoher Säuglingssterblichkeit und periodisch wiederkehrender Seuchen wie der Pest nicht ungewöhnlich. Wer ein Testament errichtete und an öffentlicher Stelle - sei es beim Ratsgericht, sei es in der bischöflichen Kanzlei - deponierte, gehörte der Elite der Vermögenden an. Solche Leute errichteten das Testament gewöhnlich in einer prekären Lebensphase - etwa bei Krankheit oder nach dem Tod des Ehepartners - und sie hatten nach einigen Verlusterfahrungen oftmals eine bittere Lebensbilanz zu ziehen. In anderen Fällen setzten Frauen, nachdem sie bei einer schweren Geburt knapp dem Tod entronnen waren, ein Testament auf.

Children and childlessness - “heired” and “heirless” marriages

In Basle, Strasbourg, Zurich and other cities in the late medieval German empire and in Switzerland, only childless testators like Maria Zscheckabürlin and Morand von Brunn enjoyed testamentary freedom - they were the only people who could bequeath their property exactly as they wished and appoint a sole heir. The purpose of this limitation of testamentary freedom was to enforce the principle of the unimpeded inheritance of direct descendants. In some places - as in Basle - couples were forbidden to appoint the survivor as a sole heir. In Konstanz, Mülhausen, Hamburg, Cologne and Genoa, by contrast, that was permitted. In Basle, therefore, such testators were ecclesiastics, or else childless couples and widows - those without issue or whose children had predeceased them. To lose one’s children was not unusual in an age of high infant mortality and periodically recurring epidemics such as plague. Anyone who drew up a will and deposited it in a public archive, whether at the city council court or the episcopal chancery, belonged to the wealthy elite. Such people normally drew up their wills at a precarious phase in their lives, for example during illness or after the death of their spouses, and they often gave a bleak account of their lives after the many losses they had experienced. In other cases, women drew up their wills after they had narrowly escaped death during a difficult birth.

Ehe, Geschäft und Geld

Personen mit Kindern war es nicht erlaubt, frei über ihr Erbgut und ihre übrige Hinterlassenschaft zu verfügen. Das Ehegüterrecht und das Erbrecht waren in den Städten des Reichs - je nach Stadtrechtstyp - verschieden ausgestaltet. Eine gängige Rechtsnorm setzte die Dreiteilung des Erbes fest: Starb zuerst der Ehemann, so sollte - nach Ausscheidung des Sonderguts der Frau - ein Drittel des Erbes der überlebenden Gattin bleiben, während zwei Drittel an die Kinder fielen. Im umgekehrten Fall, wenn die Frau vor ihrem Ehemann verstarb, sollten zwei Drittel an den Ehegatten, und nur das letzte Drittel an die Kinder gehen. (Ein anderes, für die Frau günstigeres Modell sah die Zweiteilung vor; die Kinder erbten nur die Hälfte.) Von dieser Rechtsnorm legen in den Stadtarchiven unzählige Eheverträge Zeugnis ab, welche gewöhnlich die Eltern der Brautleute abschlossen und schriftlich niederlegten. Wie bei den Testamenten beleuchten diese Dokumente die höhere soziale Sphäre der Stadtbürgerschaft. Nur in diesen Kreisen war die Ehe ein Geschäft. In den ärmeren Schichten war sie eine Erwerbsgemeinschaft, aber kein Geschäft. Wer nur von der Hand in den Mund lebte oder über eine kleine, vor der Ehe angesparte Barschaft verfügte, der brauchte keinen Ehevertrag!

Marriage, business and money

People with children were not permitted to dispose of their estates and their remaining goods freely. Matrimonial and inheritance laws varied between the various cities of the medieval German empire, according to the type of law they were based on. One common legal norm divided an inheritance into three: if the husband died first, one third of the estate (after the subtraction of the special widow’s portion) was to pass to the widow, and two thirds passed to the children. If the reverse happened and the woman died before her husband, two thirds were to pass to the widower, only the last third to the children. Yet another pattern, more favourable to the woman, divided the estate in half, so that the children only inherited half of it. Countless marriage contracts bear witness to these differing legal customs in the various German-speaking cities, most of them concluded and fixed in writing by the parents of the couple. As in the case of the wills, these documents confirm the high social level of the city bourgeoisie. Only in those circles was marriage a business matter. At poorer social levels it was what lawyers call "a partnership of gain," but not a business matter. People who lived a hand-to-mouth existence, or who only possessed a small amount of savings acquired before marriage, did not need a marriage contract!

Güter- und Erbrecht

Das eheliche Güterrecht und das Familienerbrecht orientierten sich in der städtischen Welt an folgenden Ansprüchen und Grundsätzen, welche sich seit dem 11. Jahrhundert in der aufblühenden Stadtwirtschaft herausgebildet hatten:

  • dem Gedanken der Ehe als Erwerbsgemeinschaft. Das gemeinsam Erarbeitete sollte einerseits den täglichen Lebensunterhalt sichern, andererseits mussten nach Möglichkeit Reserven gebildet werden - im Hinblick auf die Altersversorgung der Eheleute bzw. des überlebenden Teils.
  • den Ansprüchen der Herkunftsfamilie der Gattin. Starb sie, ohne Kinder als Erben zu hinterlassen, meldete ihre Familie ein heftiges Interesse daran an, das in die Ehe eingebrachte Frauengut wieder in ihren Besitz zurückzuführen.
  • Oberstes Prinzip des städtischen ehelichen Güterrechts und des Erbrechts war die natürliche Erbfolge der Kinder und nächsten Verwandten.

Laws of property and inheritance

Laws of matrimonial property and family inheritance in medieval German cities were based on the following rights and principles, which had emerged from the 11th century onwards, on the basis of the prosperous city economies:

  • the concept of marriage as a "partnership of gain." The purpose of the goods acquired jointly by the marriage partners was on the one hand to provide for their day-to-day life, while on the other hand reserves were to be accumulated as far as possible, with a view to providing for the couple, or for the surviving partner, in old age.
  • the claims of the original family of the wife. If she died without leaving children as heirs, her family would present firm claims to have the dowry that the woman took with her into the marriage returned into the possession of her family.
  • the overriding principle of city matrimonial property law and inheritance law in German-speaking areas was the natural order of succession of the children and nearest relatives.

Städtische Erbrechtspolitik

Die Stadträte verfochten die Interessen der Kaufleute und des Handwerkerstands und verteidigten im Kampf gegen die Kirche - vor allem die Bettelordensklöster - den Erbanspruch der direkten Nachkommen; nur wenn verhindert wurde, dass zuviele Güter der «toten Hand», d. h. der Kirche zufielen, blieben die Vermögenswerte in der Zirkulation des städtischen Wirtschaftskreislaufs. Aus dieser Sicht heraus ist es verständlich, dass die Stadträte um die alleinige Aufsicht über das Testamentswesen rangen. In Köln - der grössten Stadt des Reichs - waren spätestens seit 1437 Testamente nur gültig, wenn sie in Anwesenheit zweier Zeugen und zweier Schöffen vor dem Hohen Gericht errichtet und von diesem besiegelt worden waren. In Basel war seit 1386 das Schöffengericht die alleinige Instanz für Testamente, ein Anspruch, der jedoch bis weit ins 15. Jahrhundert hinein vom Bischof wiederholt bestritten wurde.

City policy on the law of inheritance

The city councillors represented the interests of the merchants and craftsmen, and in the struggle against the church - above all against the monasteries of the mendicant orders - they defended the inheritance rights of direct descendants. Only if they could prevent too much wealth falling into "dead hands," i.e. the hands of the church, would it remain in circulation in the city economy. Seen from this point of view, it is understandable that city councillors fought to obtain sole control over the making of wills and testaments. In Cologne - the largest city in medieval Germany - from at least 1437 onwards, wills were only valid if they had been drawn up in the presence of two witnesses and two lay magistrates before the High Court of the city, and sealed by that same High Court. In Basle the magistrates’ court was the sole legal authority regulating wills from 1386 onwards, though its claim was repeatedly disputed by the bishop until well into the 15th century.

Unterschiedliche Interessen

  • Im Interesse der Familienkontinuität über die Generationen hinweg stand der Erbanspruch der Familien der Eheleute, welche ihre Erbgüter zusammenhalten wollten.
  • Wer eine Ehe schliessen und einen Betrieb gründen wollte, war andererseits froh, wenn er auf das ungeschmälerte elterliche Erbe Aussicht hatte.
  • Mit dem althergebrachten Prinzip der Familienkontinuität konkurrierte der erstarkende Gedanke der ehelichen Gütergemeinschaft. Ihm entsprach die in den ehelichen Vorsorgeverträgen angestrebte "gewillkürte" Erbfolge zugunsten des überlebenden Ehepartners. Da die Frau nach dem Tod des Gatten Anspruch nur auf einen Drittel - im besten Fall auf die Hälfte - des Erbes hatte, war sie gegenüber dem Mann prinzipiell schlechter gestellt. Zur Sicherung ihres Lebensunterhalts diente es, wenn sie die gemeinsam errungenen Güter wie z. B. ein Haus bis zu ihrem Lebensende ungeteilt nutzen konnte, die Kinder also ihre Erbansprüche aufschoben. Am Beispiel Basels kann die Situation kinderloser Eheleute beleuchtet werden: Nur sie konnten sich das gemeinsam Errungene - seit dem 15. Jahrhundert nicht nur Fahrhabe, sondern auch Immobilien - gegenseitig vermachen, bedurften dafür aber, falls ihre Eltern noch am Leben waren, deren Zustimmung.
  • Dem Gedanken der ehelichen Erwerbsgemeinschaft - er entsprach den städtischen Wirtschaftsverhältnissen - verhalf die erbliche Gleichberechtigung der Töchter zum Durchbruch. In grossen Handelsstädten wie in Köln und Hamburg war die verheiratete Frau in hohem Mass rechtsfähig. Sie konnte erben, ihr Vermögen - mit Hilfe ihres Mannes oder eines anderen "Geschlechtsvormunds" - verwalten und selbständig Verträge abschliessen. In Köln konnten Frauen auch ohne Beistand eines Mannes als Vormünder eigener und fremder Kinder und als Testamentsvollstreckerinnen wirken.

Differing interests

  • The families of the married couple had a legitimate interest in keeping their inheritance together, so their inheritance rights were in keeping with the interests of maintaining family continuity over generations.
  • On the other hand, anyone wishing to enter into matrimony and to found a business at the same time was keen to have some prospect of receiving the undiminished inheritance of his parents.
  • Competing with the ancient principle of family continuity was the emerging concept of marriage as a "community of property." Expression was given to this by the "expressed" order of succession in favour of the surviving partner as laid down in pre-marriage contracts. Since after the death of her husband, the wife could only claim a third - in the most favourable cases, a half - of the estate, she was fundamentally disadvantaged in comparison to her husband. To provide for her day-to-day living, it was an obvious advantage for her to enjoy goods jointly acquired during the marriage, for example a house, so that the children would have to postpone their claims. The situation of childless couples can be illustrated with the example of Basle: here they were the only people who were permitted to bequeath their jointly acquired goods - from the 15th century onwards that included not only movable goods, but real estate as well - to each other, but they required the permission of their parents if their parents were still alive.
  • The concept of matrimony as a "partnership of gain" - which was in tune with the demands of the city economy - helped bring about a breakthrough for the equal inheritance rights of daughters. In large trading cities such as Cologne or Hamburg, married women had extensive legal rights. They could inherit, they could manage their wealth - with the help of their husbands or another "male guardian" - and could conclude independent contracts. In Cologne, women could also serve as guardians of their own children or those of other people, and as executors.

Vermögen und Vorsorge

Ging es ans Erben, so stellte diese Situation - nicht anders als heute - die Familie als Solidargemeinschaft nicht selten auf die Probe. Waren die Beziehungen zwischen Erbberechtigten - beispielsweise zwischen überlebender Mutter und Kindern gestört, oder tauchte unerwartet ein Erbberechtigter oder gar ein Erbschleicher auf, so konnten sich die Auseinandersetzungen bald einmal zu Gerichtsaffären ausweiten. Da es bis weit ins 20. Jahrhundert hinein keine staatliche Altersversicherung gab, ging es bei Auflösung der Ehe durch den Tod eines Gatten für den verwitweten Partner schnell einmal «ans Lebendige»: dann nämlich, wenn das Erbe geteilt und die Kinder ausbezahlt wurden. Da diese, wie gesagt, gegenüber ihrer Mutter oder Stiefmutter vielerorts Anrecht auf zwei Drittel des Erbes hatten, blieb einer Witwe unter Umständen nicht mehr viel. Weil sie also erbrechtlich gegenüber ihren Männern unter den Bedingungen des Dritteilserbrechts schlechter gestellt waren, war es für Frauen besonders wichtig, über ihr Frauengut verfügen zu können und sich für das Alter mit dem Kauf so genannter Leibrenten - einer Art Hypotheken - abzusichern. Stellte die Ehe für Kaufleute und Handwerker - sofern genügend Startkapital vorhanden und die Marktsituation günstig war - eine Chance, vielleicht sogar ein Geschäft dar, so ist es andererseits sicher, dass Witwenschaft fast immer ein Risiko bedeutete.

Wealth and precautions

Where inheritance was concerned, considerable stresses and strains were often imposed on the family as a community - and things are no different today. If the relations between heirs - for example between a surviving mother and her children - were estranged, or if an unexpected heir turned up, or even an impostor, the disagreements could easily end up in the courts. Since there were no state pension arrangements until well into the 20th century, the end of a marriage caused by the death of one spouse could easily become an all-or-nothing matter for the survivor, when the estate was divided up and the children received their portion. Since such children, as stated above, in many places had a right to two thirds of the estate before their mother or stepmother, it could happen that a widow was left with very little. Since a woman was disadvantaged in comparison to her menfolk under the system of one-third inheritance, it was particularly important for women to be able to hold their women’s portion freely, and to make provision for their old age by the purchase of life annuities. Whereas for merchants and craftsmen marriage was an opportunity, or even a business deal - provided enough start-up capital was available, and the market conditions were favourable - for women it is clear that widowhood almost always presented risks.

Empfohlene Literatur

  • Alexandre-Bidon, Danièle; Treffort, Cécile: «A réveiller les morts. La mort au quotidien dans l'Occident médiéval», Lyon 1993
  • Baur, Paul: «Testament und Bürgerschaft. Alltagsleben und Sachkultur im spätmittelalterlichen Konstanz», Sigmaringen 1989
  • Hagemann, Hans-Rudolf: «Basler Rechtsleben im Mittelalter», 2 Bde., Basel/Frankfurt a. M. 1981 und 1987
  • Höhlbaum, Konstantin (Bearb.): «Das Buch Weinsberg», Kölner Denkwürdigkeiten aus dem 16. Jahrhundert, 2 Bde., Leipzig 1886, 1887
  • Klosterberg, Brigitte: «Zur Ehre Gottes und zum Wohl der Familie - Kölner Testamente von Laien und Klerikern im Spätmittelalter», Köln 1995
  • Loose, Hans-Dieter: «Erwerbstätigkeit der Frau im Spiegel Lübecker und Hamburger Testamente des 14. Jahrhunderts». In: «ZLübG 60», 1980, S. 9 - 20
  • Lorcin, Marie-Thérèse: «Vivre et mourir en Lyonnais à la fin du Moyen Age», Paris 1981
  • Rogge, Roswitha: «Zwischen Moral und Handelsgeist. Weibliche Handlungsräume und Geschlechterbeziehungen im Spiegel des hamburgischen Stadtrechts vom 13. bis zum 16. Jahrhundert", Frankfurt a. M. 1998
  • Schreiner, Klaus (Hg.): «Laienfrömmigkeit im späten Mittelalter», München 1992
  • Signori, Gabriela: «Vorsorgen - Vererben - Erinnern. Kinder- und familienlose Erblasser in der städtischen Gesellschaft des Spätmittelalters», Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte, 160, Göttingen 2001
  • Wunder, Heide: «Eine Stadt der Frauen. Studien und Quellen zur Geschichte der Baslerinnen im späten Mittelalter und zu Beginn der Neuzeit (13.-17. Jahrhundert)», hg. von H. Wunder, in Verbindung mit Susanna Burghartz, Dorothee Rippmann, Katharina Simon-Muscheid, Basel 1995

    Upload: 03.09.2001

Recommended literature

  • Alexandre-Bidon, Danièle; Treffort, Cécile, A réveiller les morts. La mort au quotidien dans l'Occident médiéval, Lyon 1993
  • Baur, Paul, Testament und Bürgerschaft. Alltagsleben und Sachkultur im spätmittelalterlichen Konstanz, Sigmaringen 1989
  • Hagemann, Hans-Rudolf, Basler Rechtsleben im Mittelalter, 2 Bde., Basel/Frankfurt a. M. 1981 und 1987
  • Höhlbaum, Konstantin (Bearb.), Das Buch Weinsberg, Kölner Denkwürdigkeiten aus dem 16. Jahrhundert, 2 Bde., Leipzig 1886, 1887
  • Klosterberg, Brigitte, Zur Ehre Gottes und zum Wohl der Familie - Kölner Testamente von Laien und Klerikern im Spätmittelalter, Köln 1995
  • Loose, Hans-Dieter, Erwerbstätigkeit der Frau im Spiegel Lübecker und Hamburger Testamente des 14. Jahrhunderts. In: ZLübG 60, 1980, S. 9 - 20
  • Lorcin, Marie-Thérèse, Vivre et mourir en Lyonnais à la fin du Moyen Age, Paris 1981
  • Rogge, Roswitha, Zwischen Moral und Handelsgeist. Weibliche Handlungsräume und Geschlechterbeziehungen im Spiegel des hamburgischen Stadtrechts vom 13. bis zum 16. Jahrhundert, Frankfurt a. M. 1998
  • Schreiner, Klaus (ed.), Laienfrömmigkeit im späten Mittelalter, München 1992
  • Signori, Gabriela, Vorsorgen - Vererben - Erinnern. Kinder- und familienlose Erblasser in der städtischen Gesellschaft des Spätmittelalters, Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte, 160, Göttingen 2001
  • Wunder, Heide, Eine Stadt der Frauen. Studien und Quellen zur Geschichte der Baslerinnen im späten Mittelalter und zu Beginn der Neuzeit (13.-17. Jahrhundert), ed. by H. Wunder, in Verbindung mit Susanna Burghartz, Dorothee Rippmann, Katharina Simon-Muscheid, Basel 1995

    Upload: 02.09.2002