| Etymologie | |
| Die Herkunft des Wortes "Araber" ist ungewiss. Die ältesten Quellen finden sich in den assyrisch-babylonischen und hebräischen Schriften des 9. Jhdts v. Chr. Das griechische Wort "saracenoi" ist in "saraceni" latinisiert worden und so schliesslich als "Sarazenen" in die deutsche Sprache eingegangen. Alles Namen für in Arabien heimische Bevölkerungsgruppen. | |
| Wer ist Araber? | |
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"Araber ist, wer Arabisch spricht, Araber sein will und sich als Araber bezeichnet". Sati al-Husri |
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| Ursprungsland Arabien | |
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Die Arabische Halbinsel ist sechsmal so gross wie Frankreich, besteht aber zur Hauptsache aus Sand und Stein. Nur das Gebirge im Südwesten wird vom Monsunregen begünstigt, daher der Name für das Gebiet: "Arabia felix", das glückliche Arabien. Als Kreuzpunkt zwischen dem Orient, Afrika und dem Mittelmeerraum hat Arabien vom ersten Jahrtausend vor Christus an grosse Kulturen erlebt, wie im Süden, im heutigen Jemen, die sesshafte Zivilisation des Königreichs Saba. |
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| Zentralarabien | |
| In den Weiten Zentralarabiens koexistieren zwei grundlegend verschiedene Gesellschaftsformen: eine Wüsten- und eine Oasenkultur. Die Beduinen, Kamelzüchter und reisende Händler, verkehrten mit ihren Karawanen auf zwei Hauptrouten; die eine führte nach Nordwesten bis nach Petra und Gaza, die andere nach Nordosten Richtung Mesopotamien. Diese Wüstenkultur lebte einem Leitbild aus Mut, Ehrgefühl und Gastfreundschaft nach. Noch waren die Völker dieses Raumes Anhänger einer polytheistischen Religion. | |
| Nordarabien | |
| Das griechische Arabien von Petra, die Wiege der Araber, dehnte sich bis in den dürren, unwirtlichen Norden der Halbinsel aus. Die reichen, kosmopolitischen Städte des Königreiches von Petra und des Königreichs Palmyra, Drehscheiben des Welthandels, waren in ihrer Bauweise von der griechischen, der sassanidischen, der parthischen und der römischen Architektur beeinflusst. Rom, unter dessen Herrschaft sie schliesslich gerieten, verdankt diesen arabischen Königreichen zwei Kaiser, Elagabal und Philippus Arabus. | |
| Mohammed | |
| Um 570 kommt in Mekka Mohammed zur Welt, Angehöriger eines Seitenzweiges des mächtigen Kuraischiten-Stammes. Ungefähr mit vierzig Jahren vernimmt er die entscheidende Offenbarung und wird zum Prediger. Die feindselige Haltung der Notabeln Mekkas zwingt ihn indes ins Exil: Begleitet von ein paar Getreuen macht er sich auf zu der 400 km von Mekka entfernten Oase Jathrib, die in der Folge Medina werden sollte. Diese Emigration, die Hedschra, setzt den Anfang des islamischen Zeitalters, festgelegt auf den 16. Juli 622. | |
| Der Koran | |
| Der Koran, oder Qur'ān (Rezitation), ist nicht das Werk eines Menschen, sondern besteht aus einer Reihe von Botschaften, die Mohammed über einen Zeitraum von etwa 20 Jahren durch den Engel Gabriel mitgeteilt wurden. Der Koran hat 114 Suren, oder Kapitel, die mit Ausnahme der ersten nach abnehmender Länge angeordnet sind. | |
| Die Pfeiler des Islam | |
| Islam bedeutet Unterwerfung, Hingabe an Gott. Der Gläubige ist allein
vor Gott, arabisch Allah, ohne Vermittlung irgendeines Geistlichen; der
Imam ist lediglich Vorbeter. Fünf Grundpflichten sind dem Gläubigen
auferlegt, sie sind die Pfeiler des Islam: 1) Schahāda ist das monotheistische Glaubensbekenntnis: "Es gibt keinen Gott ausser Allah, und Mohammed ist sein Prophet". 2) Salāt ist das Gebet; es richtet sich nach Mekka. 3) Saum ist das Fasten während des Monats Ramadan, einer Zeit der Askese und der Andacht. 4) Zakāt ist das Almosen, die Pflicht zur Wohltätigkeit. 5) Hadsch ist die Pilgerfahrt nach Mekka. Jeder Muslim, der die Mittel dazu hat, muss diese Reise wenigstens einmal in seinem Leben unternehmen. |
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| Islamische Kunst | |
| Mit den Omaijaden nimmt die klassische islamische Kultur ihren Anfang. Die islamische Kunst setzt sich zusammen aus Elementen der eroberten Kulturen, entwickelt jedoch auch eine neue Architektur und einen eigenen Ornamentalstil. Wegen dem Koranverbot jeglicher Gottesdarstellung drücken sich die Künstler vor allem nichtfigurativ aus: Blumenornamente, geometrische Figuren und Epigraphe sind Merkmale dieser Kunst. | |
| Die Omaijaden-Dynastie | |
| Zwiste zwischen den arabischen Sippen bringen Muāwīja, den Statthalter von Syrien, an die Macht. Er gründet die erste Kalifendynastie: die der Omaijaden. Fast ein Jahrhundert lang (661-750) halten sie die Geschicke des Reiches in ihren Händen. Der Kalif ist gleichzeitig militärischer Herrscher und Hüter der Religion. | |
| Die Eroberungen | |
| Vierzig Jahre Krieg zwischen Byzanz und Persien schwächen die grossen Nachbarn Arabiens. Diese Situation nutzt Abū Bakr, der erste Kalif. Er sendet Expeditionen aus, die zwischen gegnerischen Stämmen vermitteln sollen. Nach und nach verbreitet sich die neue Religion unter den Kriegern, bis die Eroberungen schliesslich im Namen des Islam geführt werden. In hundert Jahren sollte so ein kleines Nomadenvolk ohne militärische Tradition ein Territorium vom Atlantik bis Indien in Besitz nehmen. | |
| Das Abbassiden-Kalifat | |
| Nach dem Sturz der Omaijaden ergreifen die Abbassiden für fünf Jahrhunderte die Macht: eine Zeit nie gekannten Wohlstands, deren Sinnbild das prunkvolle Leben am Hof Harūn al-Raschīds ist, des berühmten Kalifen aus Tausendundeiner Nacht und Zeitgenossen Karl des Grossen. | |
| Aufstieg der Städte | |
| Aus Angaben altarabischer Geografen ist zu entnehmen, dass Bagdad damals eine Million Einwohner hatte, während Kairo und Samarkand eine halbe Million zählten. Die Expansion der Städte und das Aufblühen der städtischen Kultur und Wirtschaft sind die wichtigsten Merkmale der islamischen Welt zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert. | |
| Die Entfaltung der arabischen Kultur | |
| Übersetzungen griechischer Philosophie und persische und indische Fachschriften fliessen in das in Büchern verbreitete arabische Wissen ein. 794 werden in Bagdad die ersten Papiermanufakturen eingerichtet. Die Technik stammt von den Chinesen und war ein Mitbringsel aus dem jüngsten Eroberungsfeldzug nach Osten. | |
| Die Arabisierung | |
| In wenigen Jahrzehnten setzt sich das Arabische als Lingua franca im ganzen riesigen, sich vom Atlantik bis zur chinesischen Grenze erstreckenden Reich durch. Der Vorstoss des Islam wurde überall von der Verbreitung dieser Sprache begleitet, der Sprache des Koran. Die arabische Schrift geht auf eine syrische zurück, welche wiederum aus der phönizischen entstanden ist. Das Alphabet umfasst 28 Buchstaben: 25 Konsonanten und 3 Halbvokale. | |
| Al-Andalus | |
| An den Rändern des Kalifenreichs entwickeln Spanien und Marokko ihre Eigenart. Al-Andalus, die spanische Provinz, Zufluchtsort des letzten Omaijaden-Kalifen, hat sich schon bei der Gründung des Emirats von Cordoba 756 für unabhängig erklärt. Die friedliche Koexistenz der Religionen und Völker, der Syrer, Berber, Juden und Christen, und die reichen Bodenschätze machen aus dieser Provinz einen glanzvollen Staat. 1008 beginnt indes der Bürgerkrieg, in dem Al-Andalus untergehen wird. Eine Vielzahl von Taifas, kleinen Königtümern, tritt an die Stelle des 929 gegründeten Kalifats. | |
| Die Berber | |
| Während Al-Andalus in Stücke zerfällt, verlassen berberische Krieger aus dem Süden des heutigen Marokko ihre Ribāts, befestigten Klöster, um den Maghreb von ketzerischen Einflüssen zu säubern. Sie gründen 1062 eine neue Hauptstadt, Marrakesch, und eilen den spanischen Fürstentümern zu Hilfe, vertreiben Alfons VIII. von seinem Thron. Ein riesiges spanisch-afrikanisches Reich entsteht. 1212 siegen jedoch die Christen; einzig das nasridische Königreich von Granada bleibt islamisch. Sein Fall 1492 bedeutet das Ende der arabischen Präsenz in Spanien. | |
| Die Dynastien Ende des 11. Jahrhunderts | |
| Die Einheit des Reiches kann den vielen neu entstehenden, von Bagdad unabhängigen Dynastien nicht standhalten. Die Zersplitterung geht einher mit der Herausbildung von zahlreichen Kulturzentren. Im Osten selber setzen sich neue Herrscher aus dem innersten Innerasien durch: die seldschukischen Türken. 1055 nehmen sie Bagdad ein. Diese sunnitische Dynastie verhilft dem Islam zu einem neuen Aufschwung, ist aber gleichzeitig ein Wendepunkt: der Nahe Osten gerät unter türkische Herrschaft. | |
| Das Osmanische Reich | |
| Die "Osmanen" heissen nach ihrem ersten Anführer, dem Emir Osman, einem Türken vom Stamm der Ogusen aus Kleinasien. Um 1320 stirbt er. Seine Nachfolger greifen erst Byzanz an, dann Europa. Ein heterogenes Reich entsteht. Den Höhepunkt erreicht das Reich unter Sultan Süleyman II., dem Prächtigen (1520-1566). | |
| Eine Welt der Gegensätze | |
| An der Schwelle der arabischen Welt stehen sich Anfang des 16. Jahrhunderts zwei islamische Reiche gegenüber. In Persien baut die Safawiden-Dynastie den ersten iranischen Staat auf, mit dem Schiismus als offizieller Religion und dem Persischen als Amtssprache. Dank Schah Abbās dem Grossen wird diese Dynastie als Begründerin einer Kultur eigener Prägung in die Geschichte eingehen. In Indien wird das Sultanat von Delhi (1206-1526) durch Babur, einen Nachkommen des Dschingis-Khan, gestürzt. Dieser Sturz begründet die Mogul-Dynastie. Erst 1858 setzen ihr die Briten mit der Errichtung des indischen Kolonialreichs ein Ende. | |