logo_moneymuseum

Eske Bockelmann

zurück

Eske Bockelmann ist ein deutscher Germanist, der 2004 ein bedeutendes Buch über den Zusammenhang zwischen Geld und Moderne geschrieben hat, Im Takt des Geldes. Er ist Hochschuldozent für Latein in Chemnitz und Privatdozent für neue deutsche Literaturwissenschaft. Mit dem Buch Im Takt des Geldes hat er eine eigenständige Geldtheorie entwickelt, die sich der Frage widmet, unter welchen Umständen und mit welchen Konsequenzen das moderne Medium Geld abgeschafft werden könnte. Siehe Videoportrait von Oliver Sachs und Lisa Oehler unten. 

 

Booklet und Video: Im Takt des Geldes. Im 16. Jahrhundert durchlebt die europäische Welt einen gewaltigen Wandel: War sie bis anhin vor allem rural geprägt, gewinnen jetzt Städte an Bedeutung. Lebhafte Märkte entstehen und schliessen sich zum ersten Mal in der Geschichte zu einem einzigen, länderübergreifenden Markt zusammen. Es ist die Geburt der Marktwirtschaft ... mit enormen Konsequenzen.  Booklet zum Download.

 

 

 

Video: Geld als Denkform - Verstehen, was Geld mit uns macht.  «Geld als Denkform» – was ist das? Nun, das lässt sich sehr knapp sagen: Es ist seltsamerweise der Schlüssel, um zu verstehen, was das Geld mit uns macht – und was es mit der Welt macht.


 

 

"Was ist Geld?". Text-Booklet der 21 Video-Vorträge von Eske Bockelmann. Jeder Mensch braucht einen Raster, um neue Informationen einzugliedern. Dieses Booklet bietet eine Orientierungshilfe über Geld, die für den Leser eine Stütze sein kann, Informationen und Meinungen einzuordnen. Denn alles scheint im Fluss zu sein mit Geld, mit den gängigen Vorstellungen. Anstatt Angst vor Veränderung zu schüren soll ein breites Panoptikum die Sicht auf Neues öffnen, im Hinblick auf Geld. 

 

Eske Bockelmann: Abschaffung des Geldes

Eine geldlose Welt: Wäre sie überhaupt möglich? Würden wir sie ermöglichen? Das ist und bleibt die Gretchenfrage. Hier wird sie gestellt und beantwortet: wir können uns eine Welt ohne Geld nicht mehr vorstellen. Weshalb, erfahren Sie in dieser Broschüre. 

 

Ein kleines Buch vom Geld - von Eske Bockelmann

Geld ist ein Rätsel.

Was es ist, weiss keiner. Wie man damit umgeht, dasmuss man wissen. Nur mit Geld kommt man zu all dem, wovon man leben kann und leben will. Die Frage, was Geld ist, taucht nicht auf und kann nicht auftauchen. Denn was Geld ist und wie es funktioniert, das ist niemals fraglich, sondern immer schon vorausgesetzt.

 

 

Und doch entscheidet dieses unbekannte Wesen über Wohl und Wehe dieser Welt. Wenn Menschen heute in grosser Zahl unter schrecklichen Verhältnissen leben, liegt es am Geld, das fehlt, um das zu ändern. Das Buch von Eske Bockelmann wird aufzeigen, was Geld ist, was es auf sich hat mit dem System des Geldes.

Das kleine ABC vom Geld - oder drei bekannte Irrtümer

Auf den ersten Blick ist alles klar am Geld. Geld ist für uns etwas Alltägliches, etwas Selbstverständliches und ist insofern ohne jedes Geheimnis. Aber die Klarheit täuscht. Es sind nicht mehr als drei grosse Glaubenssätze, in denen sich das selbstverständlich-allgemeine Wissen übers Geld zusammenfasst. 

1. ... wenn Zweie tauschen

Anfang und Sinn des Geldes können nur in einem höchst vernünftigen Gedanken liegen: in dem Gedanken, den Tausch von Dingen leichter, besser und einträglicher zu gestalten, als er es ohne Geld wäre. Wenn ein Apfelbauer, der ein Haus gebaut haben will, erst einen Baumeister finden müsste, der gerade jetzt Äpfel braucht und ausserdem noch genau so viele, wie sie dem Wert des Hauses entsprechen, damit der Apfelbauer die Äpfel dem Baumeister direkt gegen das Haus tauschen könnte, dann wäre das sehr kompliziert. Also sind Menschen wie unser Apfelbauer auf die Idee gekommen, das, was sie wegzutauschen haben, immer erst gegen ein eigenes, spezielles Tauschmittel einzutauschen. 

Und wann kam es zu dieser Idee? Egal - jedenfalls, vermuten wir, sehr früh. Also sind wir sicher, dass schon der Neadertaler tüchtig am Tauschen war und damit auch schon auf dem besten Weg zum Geld. Denn der Tausch zwischen Menschen führt einfach früher oder später zu dem, was wir heute so gut kennen: eine Gesellschaft, in der lauter Individuen mit ihrem Eigentum Tauschhandel betreiben und jeder erfolgreicher sein will als der andere. 

Nein - historisch hat es niemals und nirgendwo eine Gesellschaft gegeben, in der die Einzelnen in einer solchen Weise untereinander Handel mit ihrem Privateigentum getrieben hätten und nicht schon mit Geld umgegangen wären. Eine so geartete Gesellschaft gibt es nicht ohne Geld. In diesem Tausch-Szenario kann Geld gar nicht mehr entstehen, weil es nicht mehr zu entstehen braucht - es ist darin längst vorausgesetzt. 

Empörte Frage: Und wie soll das gegangen sein, wenn die Menschen nicht getauscht haben? Einfache Antwort: indem es - auch mit dem Tauschen - ganz anders zugegangen ist. 

Geld wird erklärt aus dem, was Geld heute leistet - nur ohne Geld. Was es aber leistet, Tauschhandel gesellschaftsweit, hat es ohne Geld ganz einfach nicht gegeben. Denn alles, was es leistet, formt das Geld zu etwas, das es vorher so nicht gab. Wenn wir uns Sinn des Geldes daraus erklären, was heute gilt, erklären wir das Ende zu seinem Anfang. Und damit verfehlen wir beides, nicht nur den Anfang, wir verkennen auch das Ende.

2. ... Geld versorgt die Welt

Brot für die Welt - das ist der Name einer modernen Organisation. Um die Hungersnot zu lindern, sammelt die Organisation Spenden. Natürlich spendet da niemand Brot. Man spendet Geld für die Welt. Und mit diesem Welt wird erst jenes Brot gekauft, das hoffentlich den Hunger stillt: ein kleiner Umweg, sinnreich, ganz gewiss - und doch womöglich folgenreich.

Es mangelt nicht am Brot für diese Welt. Alles Getreide, Tatkraft, Wasserbüffel, alles, was die Menschen brauchen für ihr täglich Brot, das gibt es auf der Welt, es ist da, es muss nur noch gekauft und bezahlt werden, dann kann es Hunger stillen. Weshalb muss dann jemand hungern? Weil erst Geld die Welt mit Brot versorgt; weil Geld das grosse Lebensmittel ist, das erst von sich aus auch für alle andern sorgt. Kein Geld, kein Brot - auf dieser Welt.

Daraus ziehen wir eine simple Schlussfolgerung: es bräuchte nur mehr Geld zu geben - dann müsste niemand hungern. Und das ist doch ganz entsetzlich falsch. Nein, nicht zu wenig, seltsamerweise gibt es gar zu viel des Geldes. Zu viel davon ist unterwegs, denn das bemisst sich nicht am Hunger, bemisst sich nicht an der Menge von Lebensmitteln, die davon anzuschaffen wären, sondern bemisst sich ganz allein am Geld selbst. 

Geld verschafft nicht nur die Lebensmittel: zuvorderst schliesst es jeden, der nicht zahlen kann, von ihnen aus. Ganz einfach und zwingend: die Lebensmittel gibt es nur für die, die sie kaufen. Es ist die erste und wichtigste Voraussetzung, die mit dem Geld gemacht ist, die erste und wichtigste Voraussetzung, unter der das Geld (so wie wir es kennen) funktioniert: es funktioniert als Schranke. Geld schliesst aus von dem, was Geld verschafft: damit es Geld ist, was dann alles das verschaffen kann, wovon man ohne Geld ausgeschlossen bleibt. Zum Füllhorn wird das Geld dank dieser Schranke, diesem Ausschluss, dank dem Mangel.

3. ... Geld ist der Wert der Dinge

Chemie ist die Wissenschaft von den Eigenschaften, der Zusammensetzung und Umwandlung von Substanzen. Eine Chemie des Geldes müsste es geben, wenn es zutrifft, dass es der Wert der Dinge sei, den man mit Geld bezahlt. Im Alltag macht es nicht die geringste Schwierigkeit, dass ein Ding seinen Wert hat und Geld seinen Wert hat. Sobald es jedoch um die Erklärung geht, wie sich Wert in beiden findet und worin die Verbindung zwischen Wert hier und Wert dort besteht, streiten die hellsten Köpfe. Heute wird  selbstverständlich vorausgesetzt, das etwas etwas kostet. Der Wert ist demnach zweifach da: als der, der da bezahlt sein will, und der, mit dem wir zahlen. 

Man sagt: Geld ist der Wert der Dinge. Wenn Dinge etwas kosten, dann deshalb, weil sie etwas wert sind und daher dieses etwas kosten müssen. Es scheint völlig klar - und ist doch blanker Unsinn.

Die Dinge und ihr Wert: wir zahlen ihn für sie, so sieht es aus. Und dennoch ist, was wir für sie bezahlen, nicht ihr Wert - sondern es ist Geld. Wir bezahlen zwar Geld für, doch niemals an Dinge. Es ist nicht das Brot, an das die Überweisung geht. An Dinge, Tiere, Tätigkeiten kann man den Geldwert, den sie kosten, gar nicht geben. Er geht nicht an sie und ist auch nicht für sie: er ist nicht ihr Wert. Geld geben und Geld nehmen, das kann niemand ausser Menschen. Der Wert, den wir in Geld für etwas bezahlen, geht grundsätzlich nur den einen Weg: er geht an jemanden. Wenn wir für etwas Geld bezahlen müssen, dann nicht, weil der Wert des Dings, des Tiers, der Pflanze oder einer Handlung es erfordert, sondern immer weil es Menschen fordern. Dass sie es tun, ist keine Schuld und zeugt von keinem schlechten Charakter. So ist es vielmehr eingerichtet, staatlich verordnet, weltweit systematisiert. Wir können nicht anders, wir haben zu zahlen, wir haben zu fordern. Jeder hat dem zu gehorchen. 

Mit Geld verfügen Menschen über Menschen. Diese Macht ist die Substanz des Geldes. Dem Geld ist das nicht anzusehen. Und das liegt daran, dass es dafür mehr braucht als nur Geld - diese Macht ist ihm verliehen. Und sie verkleidet sich als Macht der Dinge. Das ist der Schein, der uns so selbstverständlich trügt: die Dinge selbst würden über die Macht verfügen und uns zwingen, dass wir für jedes etwas zahlen müssen. Würden die Dinge wirklich über diese Macht verfügen und uns dazu zwingen, dann und nur dann träfe es zu, dass es der Wert der Dinge ist, was wir mit Geld bezahlen. 

Signet Sunflower Foundation