logo_moneymuseum

«Der Chemnitzer Konzertmeister stellt sein Buch ausnahmsweise einmal selbst vor».

zurück

Ja, denn Chemnitz soll doch wissen, womit ihm ein Chemnitzer Ehre macht. Diese Stadt, die sich einmal nach Karl Marx genannt hat, konnte ja damit nicht zugleich den Ruhm einheimsen, seine Geburtsstadt zu sein oder, was noch bedeutender gewesen wäre, die Geburtsstadt desjenigen seiner Bücher, das alle Welt kennt: "Das Kapital". Auch wenn sicher nicht alle, die darauf schwören, "Das Kapital" auch gelesen haben, es ist ein Buch von Weltruf und das zu Recht: Vieles von der aktuell virulenten Wirtschaftsweise hat Marx dort als Erster richtig erkannt und richtig kritisiert. Und doch hat er vieles auch verfehlt, so würde ich sagen. Unter anderem - und so sage nicht nur ich - hat er ausgerechnet das Geld nicht recht verstanden, gerade das also, wovon laut Marx das Kapital nur eine bestimmte Form sein soll. Aber kann man zum Beispiel eine Dogge richtig beschreiben, wenn man falsch bestimmt, was Hunde sind? Nein, da muss einiges auch in der Doggen Beschreibung schiefgehen. Daher war es jetzt höchste Zeit und musste dieses Urgestein als Erkenntnis aus dem 19. Jahrhundert endlich durch ein Werk des 21. Jahrhunderts ersetzt werden, das mehr erklärt als nur das Kapital, ein Werk also mit dem grösseren und dem richtigen Titel: "Das Geld". Und wirklich hat ein Chemnitzer dankenswerterweise die Mühe auf sich genommen und das Werk vor kurzem glücklich vollendet. Dieser Chemnitzer bin ich.

Nein, deshalb muss man unsere Stadt nicht sofort nach mir umbenennen. Selbst ich finde, dass es nicht gut klingen würde zu viele Silben anstelle der charakteristischen drei O, die unserer Stadt einmal zu berühmt-berüchtigtem Klang verholfen haben. Ich bestehe also nicht darauf, Marx auch darin nachzufolgen. Aber ganz Chemitz sollte "Das Geld" jetzt zur Hand nehmen, besser es die ganze Welt tut - denn auf der massgeblichen Bestenliste für Sachbücher steht es bereits. Oder fällt Euch gar nicht ein, etwas über das Geld zu lesen? Wisst Ihr alle schon genug davon? Sieht niemand Anlass zu erfahren, was es mit dem Geld auf sich hat, wie Geld auf und über diese Welt gekommen ist und - am schwersten vorstellbar, aber auch am schönsten - wie die Welt bis vor wenigen Jahrhunderten noch sehr gut ohne Geld zu leben wusste?

Nun, dann sage ich Euch: Anlass, von all dem zu erfahren, bestand bereits, als ich meine Chemnitzer Tage noch darauf verwandte, das Buch zu schreiben. Sehr viel mehr Anlass aber, und mehr, als uns lieb sein kann, besteht seitdem das Buch erschienen ist: nicht etwa, weil es erschienen ist, sondern weil es nach göttlichem Ratschluss im selben Monat März erschien, als die Corona-Massnahmen einsetzten und das Thema "Geld" noch einmal besonders brennend und drängend gemacht haben. Selbstverständlich wissen wir alle, was wir vom Geld unbedingt wissen müssen: wie man nämlich damit umgeht und dass unser Leben davon abhängt. Aber wir wissen nicht - und bis jetzt wusste es buchstäblich niemand zu sagen, weder Marx noch die heutigsten unter den Wirtschaftswissenschaftlern -, wie es dazu kommt, dass unser Leben davon abhängt. Dies ist die Frage, die heute besonders drängt. Wie es kommt und weshalb es also sein muss, dass die Unterbrechung einiger Tätigkeiten, verordnet wegen eines Virus, zu einer Krise der gesamten Wirtschaft führt. Denn das wird sie tun. Die Antwort: weil diese Wirtschaft über Geld läuft, weil jeder darin vom Geld lebt, das er braucht, um all das zu bekommen, wovon er real zu leben hat; und weil Geld durch tüchtig klimaerhitzende Gewinne immer erwirtschaftet werden muss, wenn es funktionieren und nicht der Krise verfallen soll. Richtig - aber muss das sein? Weshalb ist das so? Wie kam es dazu? Wenn es zum Geld so gekommen wäre, wie wir alle zu wissen glauben, nämlich indem die Menschen zur Erleichterung ihres Tauschverkehrs Geld erfunden hätten: Weshalb erfinden wir heute nicht Geld, das bei der Unterbrechung einiger Tätigkeiten eben keine Wirtschaftskrise macht, Geld, das nicht zu einem Heer von Arbeitslosen führt und das nicht unzählige fleissige Leute ihres Lebensunterhalts beraubt?

Diese Pandemie ist für sich genommen schon schlimm genug, warum muss es dann ausserdem noch eine Krise der Gesamtwirtschaft geben? Warum lässt sich dem nicht entkommen? Oder anders: Auf welche Weise liesse sich dem entkommen? Wisset, Ihr, die Ihr mit mir Chemnitzer seid, die Antwort darauf kann ich Euch hier nicht sagen. Aber ich kann Euch sagen, wo Ihr alles findet, was Ihr für diese Antwort wissen müsst. Ihr ahnt bereits, wo? Sehr gut! Und das Schöne ist: In diesem Buch müsst Ihr nichts lesen von einem Unterschied zwischen konstantem Kapital und, ach, lassen wir das. Sondern da bekommt Ihr zu lesen von den Maori, bekommt Ihr von den Nibelungen zu lesen, Ihr seht Mesopotamien vor Euch und das afrikanische Königreich Dahome, Ihr hört von Fortuna und seinem nie versiegendem Säckel voller Münzen - kurz, Ihr erfahrt, was zu erfahren heute das Wichtigste ist: Was es mit diesem seltsamen Unding Geld auf sich hat, das da über unser Leben, über unser Klima und über diese ganze Welt bestimmt. Das nämlich sollte es nicht tun.

Eske Bockelmann

zurück

Signet Sunflower Foundation