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Nikomachische Ethik, übers. V. Günther Bien (nach Eugen Rolfes), Hamburg 1985
Die „Nikomachische Ethik“ des Aristoteles zählt zu den bedeutendsten Werken der abendländischen Moralphilosophie. Die Ausgabe in der Übersetzung von Günther Bien, basierend auf der früheren Übertragung von Eugen Rolfes und erschienen 1985 im Meiner Verlag in Hamburg, ist eine der maßgeblichen deutschsprachigen Fassungen dieses Werkes.
Aristoteles (384–322 v. Chr.) verfasste die „Nikomachische Ethik“ als systematische Untersuchung des guten Lebens und der Tugend. Das Werk ist nach seinem Sohn Nikomachos benannt, der möglicherweise auch als Herausgeber fungierte. Die Ethik bildet zusammen mit der „Politik“ das Fundament aristotelischer Moralphilosophie und stellt die Frage nach dem höchsten Gut, das alle Menschen anstreben: das Glück (Eudaimonia).
Im Zentrum der „Nikomachischen Ethik“ steht die Untersuchung der Tugend (areté) als Voraussetzung für ein gelingendes Leben. Aristoteles entwickelt eine Ethik der Mitte (mesotés), nach der Tugend stets ein Mittelmaß zwischen zwei Extremen ist, etwa Mut als Mitte zwischen Tollkühnheit und Feigheit. Die rationale Selbstbestimmung und die Ausbildung des Charakters durch Gewohnheit (ethos) sind zentrale Elemente seiner Moralphilosophie.
Das Werk gliedert sich in zehn Bücher und behandelt u.a. folgende Themen:
• Das Ziel des menschlichen Handelns (Eudaimonia)
• Die Natur der Tugenden (ethische und dianoetische Tugenden)
• Die Rolle der Vernunft und des Wollens
• Die Bedeutung von Freundschaft und Gerechtigkeit
• Die praktische Klugheit (phronesis) als Leitfaden sittlichen Handelns
Die Übersetzung von Günther Bien zeichnet sich durch philologische Genauigkeit und philosophische Klarheit aus. Bien orientiert sich an der klassischen Übertragung von Eugen Rolfes, bringt jedoch eigene Akzente ein, indem er schwierige griechische Begriffe wie „eudaimonia“ oder „phronesis“ behutsam ins Deutsche überträgt und mit erläuternden Anmerkungen versieht. Dadurch wird das Verständnis der oft komplexen Argumentationsstruktur des Aristoteles erleichtert.
Die Ausgabe im Meiner Verlag ist zudem mit einem ausführlichen Vorwort und einem Anmerkungsapparat versehen, der sowohl den historischen Kontext als auch die philosophische Bedeutung der einzelnen Passagen beleuchtet. Dies macht sie besonders für Studierende und Forschende zu einer wertvollen Arbeitsgrundlage.
Die „Nikomachische Ethik“ in der Übersetzung von Günther Bien ist in der deutschsprachigen Philosophie fest etabliert und wird häufig in Seminaren und Vorlesungen verwendet. Sie bietet einen zuverlässigen Zugang zu Aristoteles’ Denken und hat maßgeblich dazu beigetragen, die aristotelische Tugendethik im deutschsprachigen Raum neu zu beleben.
Aristoteles’ Ethik beeinflusste nicht nur die Philosophie der Antike, sondern prägte auch das christliche Mittelalter, die Aufklärung und die moderne Tugendethik. Die Fragen nach dem guten Leben, nach Verantwortung und Charakterbildung sind bis heute aktuell und machen die Lektüre dieses Werkes immer wieder lohnend.
Die Ausgabe „Nikomachische Ethik, übers. V. Günther Bien (nach Eugen Rolfes), Hamburg 1985“ ist ein Standardwerk der Philosophie. Sie bietet eine fundierte, verständliche und wissenschaftlich solide Übersetzung eines der wichtigsten Texte der Ethikgeschichte und ist daher für das Studium der Philosophie unverzichtbar.