Brodbeck Philosophie Bibliothek beschrieben
Bromand, Joachim; Guido Kreis: Gottesbeweise von Anselm bis Gödel, Frankfurt a.M. 2011
Das Buch Gottesbeweise von Anselm bis Gödel von Joachim Bromand und Guido Kreis (Frankfurt a.M. 2011) bietet eine systematische und zugleich historisch fundierte Einführung in die philosophische Tradition der Gottesbeweise. Es zeichnet die Entwicklung der Argumente für die Existenz Gottes von der Scholastik bis zur Moderne nach, wobei insbesondere die erkenntnistheoretischen, logischen und metaphysischen Prämissen der jeweiligen Beweisführungen im Zentrum stehen.
Ein besonderes Augenmerk legen die Autoren auf die Darstellung des berühmten ontologischen Arguments Anselms von Canterbury, das als Ausgangspunkt der rationalen Gottesbeweise gilt. Dieses Argument, das im Wesentlichen darauf beruht, dass Gott als das denkbar Größte notwendig existieren muss, wird sowohl im historischen Kontext als auch in seinen modernen Varianten (etwa bei Descartes, Leibniz und Gödel) ausführlich analysiert.
Das Buch setzt sich kritisch mit den zentralen Typen von Gottesbeweisen auseinander: dem kosmologischen Argument, das von der Existenz der Welt auf einen notwendigen Urgrund schließt; dem teleologischen Argument, das aus der Zweckmäßigkeit und Ordnung der Natur auf einen intelligenten Schöpfer verweist; sowie dem moralischen Argument, das die Existenz objektiver moralischer Werte mit der Existenz Gottes verknüpft. Die Autoren beleuchten nicht nur die klassischen Formulierungen, sondern auch die zeitgenössische Diskussion in der analytischen Religionsphilosophie.
Besonders bemerkenswert ist die Aufnahme von Kurt Gödels ontologischem Gottesbeweis, einem formallogisch ausgearbeiteten Argument, das auf modallogischen Prämissen basiert. Gödel formuliert seine Version in einem axiomatischen System, das versucht, Anselms Idee in ein strenges logisches Gewand zu kleiden. Die Autoren erläutern diese Version präzise und zeigen zugleich, wie sie zu neuen philosophischen Problemen führt, etwa hinsichtlich der Plausibilität der zugrunde gelegten Axiome.
Bromand und Kreis gelingt es, die philosophische Tiefe und die systematische Relevanz der Gottesbeweise aufzuzeigen, ohne in apologetische Positionen zu verfallen. Sie verstehen ihr Werk als Beitrag zu einem aufgeklärten, rationalen Diskurs über die Grenzen und Möglichkeiten des Denkens über Gott. Dabei wird deutlich, dass die Gottesfrage mehr ist als eine theologische: Sie berührt Grundfragen der Metaphysik, Ethik und Erkenntnistheorie.
Insgesamt ist Gottesbeweise von Anselm bis Gödel eine anspruchsvolle, zugleich aber zugängliche Einführung in ein zentrales Thema der Philosophiegeschichte, die sowohl historisch Interessierte als auch philosophisch Versierte anspricht.