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Heidegger, Martin: Sein und Zeit, Tübingen 1972 (Max Niemeyer)

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Heidegger, Martin
Brodbeck Library
Dieses Buch kann in der Bibliothek des MoneyMuseums gelesen werden.

Sein und Zeit von Martin Heidegger, erschienen 1972 im Max Niemeyer Verlag in Tübingen, ist eines der einflussreichsten Werke der Philosophie des 20. Jahrhunderts. Ursprünglich bereits 1927 veröffentlicht, stellt es Heideggers Versuch dar, die Grundfrage der Philosophie – die Frage nach dem Sein – neu zu formulieren und radikal zu durchdenken. Heidegger kritisiert darin die traditionelle Metaphysik und deren Verständnis vom Sein als bloße Anwesenheit oder Substanz. Stattdessen schlägt er vor, das Sein ausgehend vom „Dasein“ zu analysieren – jenem Wesen, das sich zum eigenen Sein verhält: der Mensch.

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Das Werk gliedert sich in zwei große Teile, von denen allerdings nur der erste voll ausgearbeitet wurde. Im Zentrum steht eine phänomenologisch-hermeneutische Analyse des Daseins. Heidegger zeigt, dass das menschliche Leben nicht in der bloßen Existenz oder im bloßen Vorhandensein aufgeht, sondern immer schon durch Zeitlichkeit, Sorge und Weltbezogenheit bestimmt ist. Besonders zentral ist sein Konzept der „Sorge“ als Grundstruktur des Daseins: Der Mensch ist stets in der Welt, bei Dingen und anderen Menschen, und steht im Horizont einer möglichen Zukunft. Damit wird die Zeitlichkeit zum Grundmodus menschlicher Existenz.

Heidegger stellt fest, dass die Philosophie seit der Antike das „Sein“ als selbstverständlich hingenommen hat, ohne die Bedeutung dieses Begriffs je angemessen zu hinterfragen. Mit seiner existenzialen Analytik des Daseins will er die Seinsfrage wieder eröffnen. Das Dasein zeigt sich als ein Wesen, das durch seine Endlichkeit – den Tod – bestimmt ist. Nur aus der Haltung der „eigentlichen Existenz“, das heißt aus der bewussten Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit, könne das Dasein zu einer authentischen Lebensweise finden. Die meisten Menschen leben hingegen im Modus des „Man“ – eines anonymen, alltäglichen Daseins, das sich vor der Verantwortung des eigenen Seins drückt.

Sein und Zeit ist sprachlich herausfordernd, da Heidegger viele Begriffe neu definiert oder schafft, um der Tiefe seiner Fragestellung gerecht zu werden. Er spricht von „Geworfenheit“, „Entschlossenheit“, „Verfallenheit“ oder „Erschlossenheit“, um Aspekte des menschlichen Seins phänomenologisch zu erfassen. Diese eigentümliche Terminologie macht das Werk einerseits schwer zugänglich, andererseits aber auch philosophisch originell.

 

Die Wirkung von Sein und Zeit war enorm. Es prägte nicht nur die Existenzphilosophie und die Hermeneutik, sondern auch Theologie, Psychologie, Literaturwissenschaft und Soziologie. Denkende wie Sartre, Gadamer, Arendt oder Derrida haben sich intensiv mit Heidegger auseinandergesetzt. Kritiker werfen dem Werk allerdings vor, dass es trotz seiner Fundamentalität das soziale und historische Moment zu wenig beachtet.

Insgesamt bleibt Sein und Zeit ein philosophischer Meilenstein: ein Versuch, das Denken aus der Erstarrung tradierter Begriffe zu lösen und das Sein aus dem gelebten Dasein heraus zu begreifen – radikal, existenziell und zeitlich.