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Rolfes, Eugen: Die Philosophie des Thomas von Aquin (in Auszügen), Hamburg 1977 (Meiner)

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Roffler, Eugen
Brodbeck Library
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Eugen Rolfes’ Die Philosophie des Thomas von Aquin (in Auszügen), erschienen 1977 im Meiner Verlag Hamburg, ist eine sorgfältig edierte Auswahl zentraler Texte des mittelalterlichen Denkers Thomas von Aquin. Die Ausgabe gehört zur renommierten Philosophischen Bibliothek und verfolgt das Ziel, einem deutschsprachigen Publikum den Zugang zu den komplexen, lateinisch verfassten Werken des Aquinaten zu erleichtern, ohne deren philosophische Tiefe zu verlieren.

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Thomas von Aquin (1225–1274) gilt als der bedeutendste Vertreter der Scholastik. In seinem Werk verbindet sich das christlich-theologische Weltbild mit der rationalen Philosophie des Aristoteles. Rolfes’ Auswahl macht die wichtigsten Themen dieser Synthese zugänglich: das Verhältnis von Glaube und Vernunft, die Gottesbeweise, die Metaphysik der Substanz und der Akt-Potenz-Lehre, das Naturrecht, die Tugendlehre und die politische Philosophie. Auch erkenntnistheoretische und anthropologische Fragen wie die Unterscheidung zwischen Seele und Körper oder die Rolle des Intellekts werden behandelt.

Die Textauszüge sind thematisch geordnet und stammen vor allem aus Thomas’ Hauptwerken: der Summa Theologiae, der Summa contra Gentiles und dem Kommentar zur Metaphysik des Aristoteles. Sie sind in präziser, gut lesbarer deutscher Übersetzung wiedergegeben und werden durch knappe Einleitungen kontextualisiert. Rolfes gelingt es, sowohl die systematische Struktur als auch die argumentative Klarheit von Thomas’ Denken zu bewahren.

Ein zentrales Motiv der thomanischen Philosophie ist die Überzeugung, dass Glaube und Vernunft sich nicht widersprechen, sondern einander ergänzen. Die Vernunft kann zur Erkenntnis Gottes und der natürlichen Ordnung führen, der Glaube aber übersteigt sie durch Offenbarung. Diese doppelte Erkenntnisstruktur macht Thomas’ Denken bis heute anschlussfähig für religiöse wie säkular-rationale Diskurse.

Thomas’ Ethik basiert auf der aristotelischen Tugendlehre, ergänzt durch theologische Tugenden wie Glaube, Hoffnung und Liebe. Der Mensch strebt nach einem übernatürlichen Ziel – der Glückseligkeit in Gott – und entfaltet seine Natur durch die Ordnung des Willens zum Guten. Auch die politische Ordnung ist bei Thomas natürlich begründet, aber auf das Gemeinwohl hin orientiert. Die Gerechtigkeit in der Gesellschaft ergibt sich nicht durch Macht oder Vertrag, sondern durch die Teilhabe am göttlichen Gesetz.

Rolfes’ Edition bietet somit einen komprimierten, aber gehaltvollen Einblick in das umfassende Denken des Thomas von Aquin. Sie eignet sich als Einführung für Studierende und Interessierte ebenso wie als Wiederentdeckung für Kenner der Scholastik. Der Meiner Verlag hat mit dieser Ausgabe ein Grundlagenwerk bereitgestellt, das zur Auseinandersetzung mit der vielleicht wirkungsmächtigsten Philosophie des christlichen Mittelalters einlädt – einer Philosophie, die bis heute als Brücke zwischen antikem Denken und moderner Vernunfttradition wirken kann.