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Dschuang Dsi: Das wahre Buch vom südlichen Blütenland, übers. v. Richard Wilhelm, DüsseldorfKöln 1972
Das wahre Buch vom südlichen Blütenland von Dschuang Dsi (auch Zhuangzi geschrieben), in der klassischen deutschen Übersetzung von Richard Wilhelm, erschien 1972 in Düsseldorf/Köln. Es handelt sich dabei um eine der bedeutendsten Schriften des Daoismus und zählt zusammen mit dem Daodejing von Laotse zu den grundlegenden Texten dieser chinesischen Denktradition. Die poetische und zugleich philosophische Schrift wird auf den Weisen Zhuangzi (ca. 369–286 v.?Chr.) zurückgeführt und ist ein Meisterwerk in der chinesischen Literatur- und Geistesgeschichte.
Der Titel „Das wahre Buch vom südlichen Blütenland“ ist eine poetische Umschreibung des Zhuangzi und betont bereits in der Übersetzung Wilhelms den mythischen und naturverbundenen Charakter des Werkes. Das Buch gliedert sich in 33 Kapitel, die in „innere Kapitel“, „äußere Kapitel“ und „verschiedene Kapitel“ unterteilt sind. In den ersten sieben, sogenannten „inneren Kapiteln“, wird die Kernlehre entfaltet – sie gelten als der authentischste Teil des Werks und wahrscheinlich von Zhuangzi selbst verfasst.
Zentrale Themen des Werkes sind die Relativität aller Dinge, die Begrenztheit menschlicher Begriffe, das Ideal des Nicht-Handelns (wu wei), das freie Wandeln im Dao (dem „Weg“) sowie die Überwindung des Ego und des Verhaftetseins an dualistische Unterscheidungen wie Gut und Böse, Leben und Tod. Dschuang Dsi fordert nicht zur Weltflucht auf, sondern zu einer inneren Freiheit, zu einem Denken, das sich dem natürlichen Wandel anvertraut. Die berühmte Geschichte vom „Traum des Schmetterlings“, in der der Erzähler nicht mehr weiß, ob er ein Mensch war, der träumte, ein Schmetterling zu sein, oder ein Schmetterling, der träumt, ein Mensch zu sein, illustriert diese Haltung exemplarisch.
Richard Wilhelm (1873–1930), einer der großen Vermittler chinesischer Weisheitsliteratur im deutschen Sprachraum, war Theologe, Sinologe und langjähriger Missionar in China. Seine Übersetzung von Dschuang Dsi ist sprachlich von tiefer Sensibilität geprägt und geht weit über eine bloße Übertragung hinaus: Wilhelm suchte die geistige Welt des Daoismus zu erfassen und sie europäischen Lesern zugänglich zu machen. Die Ausgabe von 1972 bringt diese Übersetzung in einem bibliophilen Gewand, häufig ergänzt um erläuternde Anmerkungen und eine Einführung in den philosophischen Kontext.
Das wahre Buch vom südlichen Blütenland ist keine systematische Philosophie im westlichen Sinn, sondern eine Sammlung von Gleichnissen, Parabeln und Dialogen, die die Begrenztheit logischen Denkens und die Überheblichkeit rationalistischer Weltbeherrschung unterlaufen. Es lädt ein zur Selbstverwandlung, zur Loslösung vom Urteil und zur Rückkehr in einen Zustand ursprünglicher Gelassenheit. In Zeiten der Überforderung durch Technik, Leistung und Verwertungslogik wirkt dieses Werk wie ein Gegenmittel – leise, tief und radikal.