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Frauwallner, Erich: die Philosophie des Buddhismus, 4. Aufl., Berlin 1994

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Frauwallner, Erich
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Erich Frauwallners Werk Die Philosophie des Buddhismus, in vierter Auflage 1994 erschienen im Akademie Verlag Berlin, gilt als ein Meilenstein der systematischen Darstellung buddhistischen Denkens aus einer philosophisch-wissenschaftlichen Perspektive. Der österreichische Indologe und Philosophiehistoriker Erich Frauwallner (1898–1974) war einer der ersten westlichen Gelehrten, der den Buddhismus nicht primär als Religion, sondern als philosophisches System ernst nahm und in seiner inneren Logik rekonstruierte.

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Das Buch ist in seiner Struktur klar gegliedert und deckt die wesentlichen Strömungen der buddhistischen Philosophie ab, insbesondere jene des indischen Buddhismus, auf den sich Frauwallner konzentriert. Er analysiert zunächst die Grundgedanken des frühen Buddhismus – vor allem die Lehre vom bedingten Entstehen (pratītyasamutpāda), die Vier Edlen Wahrheiten und das Konzept des anatman, also der Verneinung eines beständigen Selbst. Diese Lehre stellt für ihn eine radikale Absage an die metaphysischen Spekulationen der damaligen indischen Philosophie dar und betont stattdessen das prozessuale und leidvolle Wesen der Existenz.

Ein wesentlicher Teil des Buches ist den sogenannten „Abhidharma“-Systemen gewidmet, also den frühbuddhistischen Schulen, die versuchten, das buddhistische Weltbild in eine differenzierte Systematik aus Elementen (dharmas) zu überführen. Frauwallner legt dabei großen Wert auf die innere Logik dieser Klassifikationen und hebt hervor, wie sie aus einer intensiven meditativen Erfahrung hervorgegangen sind, die in theoretischer Klarheit gefasst wurde.

Besonders eindrücklich ist seine Analyse der beiden großen philosophischen Schulen des Mahāyāna-Buddhismus: der Madhyamaka-Schule Nagarjunas und der Yogācāra-Schule. Nagarjuna führt die buddhistische Kritik an jeglicher Ontologie radikal fort, indem er zeigt, dass alle Begriffe leer (śūnya) sind – nicht im Sinne einer Negation, sondern als Hinweis darauf, dass sie nur in wechselseitiger Abhängigkeit existieren. Die Yogācāra-Schule wiederum interpretiert die Wirklichkeit als Bewusstseinsstrom und lehnt die Existenz äußerer Objekte ab – eine Position, die Frauwallner mit dem westlichen Idealismus vergleicht, aber stets aus dem kulturellen und spirituellen Kontext des Buddhismus heraus versteht.

Frauwallners Ansatz ist philologisch präzise, systematisch klar und von dem Bemühen getragen, den Buddhismus als eigenständige philosophische Tradition ernst zu nehmen – ohne ihn in westliche Kategorien zu pressen. Dabei vermeidet er es, den Buddhismus zu idealisieren oder zu popularisieren. Sein Ziel ist es, den Leser zu einem differenzierten und respektvollen Verständnis dieser Denktradition zu führen.

Die vierte Auflage von 1994 stellt den Text in revidierter Form bereit und macht ihn weiterhin zu einem zentralen Referenzwerk für alle, die sich vertieft mit der Philosophie des Buddhismus – jenseits populärer Darstellungen – auseinandersetzen wollen. Frauwallners Werk bietet nicht nur einen historischen Überblick, sondern auch eine Einladung zur philosophischen Reflexion über Bewusstsein, Wirklichkeit und die Möglichkeit der Befreiung.