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Laotse: Tao Te King, übers. v. Richard Wilhelm, Düsseldorf-Köln 1982

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Laotse, Laotse
Brodbeck Library
Dieses Buch kann in der Bibliothek des MoneyMuseums gelesen werden.

Die Ausgabe von Tao Te King, übersetzt von Richard Wilhelm und 1982 im Verlag Eugen Diederichs (Düsseldorf-Köln) erschienen, zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Übertragungen dieses klassischen Werks der chinesischen Philosophie. Das Tao Te King – oft auch Daodejing genannt – wird dem legendären Weisen Laotse (auch Laozi) zugeschrieben und entstand vermutlich im 6. Jahrhundert v.Chr. Es besteht aus 81 poetischen Kapiteln, die in dichter, aphoristischer Sprache das Wesen des Dao (Weg) und der De (Tugend, innere Kraft) beschreiben.

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Laotses Werk ist ein grundlegender Text des Daoismus und unterscheidet sich in seiner Form und Aussage radikal von anderen philosophischen Traditionen – westlichen wie östlichen. Während etwa Konfuzius das gesellschaftliche Leben durch Ordnung und Ritual zu gestalten sucht, verweist Laotse auf das stille Wirken der Natur, auf das Nicht-Handeln (wu wei), auf das Zurücktreten und das Folgen des natürlichen Laufs der Dinge.

Die Wilhelm-Übersetzung gehört zu den stilistisch feinfühligsten und philosophisch tiefsten Übertragungen im deutschen Sprachraum. Wilhelm war nicht nur ein ausgezeichneter Kenner der chinesischen Sprache, sondern auch ein Vermittler der geistigen Tiefe der östlichen Denkweisen. Seine Übersetzung legt nicht nur den Fokus auf wörtliche Genauigkeit, sondern auch auf die poetische Struktur und spirituelle Atmosphäre des Originals. Unterstützt wird sie durch eine umfangreiche Einleitung und erläuternde Kommentare, die den historischen, sprachlichen und philosophischen Hintergrund beleuchten.

Im Zentrum des Tao Te King steht das Dao, das namenlose, unergründliche Prinzip allen Seins. Es ist weder Gott noch Naturgesetz, sondern die Quelle und das Ziel alles Lebendigen. Wer im Einklang mit dem Dao lebt, übt keine Gewalt aus, verzichtet auf Dominanz, wetteifert nicht und erreicht gerade dadurch Gelassenheit und Wirksamkeit. Diese Weisheit richtet sich nicht nur an Einzelne, sondern auch an Herrscher und Regierende – mit der Botschaft: Das Größte wirkt im Stillen.

Die Verse des Werkes entfalten sich nicht systematisch, sondern kreisen intuitiv um das Unaussprechliche. Laotses Denken ist nicht analytisch, sondern paradox: Das Weiche besiegt das Harte, das Leere enthält das Volle, Nicht-Tun ist das höchste Tun. Gerade diese Widersprüchlichkeit fordert den Leser zu einem anderen Verständnis von Wirklichkeit auf – einem Verstehen durch Nachsinnen, Nicht-Festhalten und Loslassen.

Wilhelms Tao Te King ist deshalb weit mehr als eine Übersetzung – es ist ein Brückenschlag zwischen östlicher Mystik und westlicher Geistigkeit. Diese Ausgabe empfiehlt sich allen, die ein Werk von stiller Radikalität und zeitloser Weisheit lesen möchten. In einer Welt der Überreizung und Beschleunigung lädt sie zur Rückkehr in die Stille, zur Anerkennung der Wandlung und zur Besinnung auf das Maßlose des Dao.