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Erkenntnistheorie und Logik nach der Lehre der späteren Buddhisten
Das Werk „Erkenntnistheorie und Logik nach der Lehre der späteren Buddhisten“ von Th. Stcherbatsky, übersetzt von Otto Strauss und erschienen 1924 im Verlag Oskar Schloss in München-Neubiberg, gilt als ein Schlüsseltext für das Verständnis der buddhistischen Philosophie, insbesondere der indisch-buddhistischen Logik und Erkenntnistheorie der sogenannten „späteren“ Schulen. Stcherbatsky, einer der bedeutendsten europäischen Buddhismusforscher seiner Zeit, hat mit diesem Werk die systematische Philosophie des Buddhismus, wie sie sich vor allem in den Werken der Yog?c?ra- und der logischen Schule (insbesondere Dign?ga und Dharmak?rti) entfaltet hat, erstmals umfassend im deutschsprachigen Raum zugänglich gemacht.
Stcherbatsky analysiert in diesem Buch die zentralen Begriffe und Argumentationsstrukturen der buddhistischen Erkenntnistheorie und Logik, wie sie sich ab dem 5. Jahrhundert n. Chr. in Indien entwickelt haben. Im Mittelpunkt stehen dabei:
• Die Lehre von der Wahrnehmung (pratyakṣa) und dem Schluss (anumāna) als die beiden gültigen Erkenntnisquellen (pramāṇa).
• Die Unterscheidung zwischen konventioneller und letztgültiger Wahrheit (saṃvṛti-satya und paramārtha-satya).
• Die Theorie der Momentanität aller Phänomene (kṣaṇikavāda) und deren erkenntnistheoretische Konsequenzen.
• Die Kritik an der Vorstellung eines beständigen Subjekts oder einer Substanz (anātman-Lehre) und die daraus resultierende Relationalität allen Wissens.
• Die Entwicklung der buddhistischen Logik, insbesondere die formale Struktur des Schlusses (hetuvidyā) und die Definition von Zeichen (linga) und Schlussfolgerung (anumāna).
Stcherbatsky zeigt, wie die buddhistischen Denker mit scharfer logischer Analyse die Bedingungen und Grenzen von Erkenntnis reflektieren und dabei einen radikalen Konstruktivismus vertreten: Erkenntnis ist immer perspektivisch und abhängig von den kognitiven Strukturen des Subjekts.
Das Werk ist nicht nur ein Meilenstein der Buddhismusforschung, sondern auch ein bedeutender Beitrag zur vergleichenden Philosophie. Es macht deutlich, dass die indische Philosophie – entgegen westlichen Vorurteilen – hochentwickelte logische und erkenntnistheoretische Systeme hervorgebracht hat, die mit der klassischen westlichen Philosophie durchaus vergleichbar sind. Stcherbatsky hat mit seiner Arbeit maßgeblich dazu beigetragen, den Dialog zwischen westlicher und östlicher Philosophie zu eröffnen.
In der deutschsprachigen Literatur wird das Buch häufig in Bibliographien zur asiatischen Philosophie geführt und als grundlegendes Werk für das Studium der buddhistischen Logik und Erkenntnistheorie empfohlen. Es findet sich etwa in der Bucherliste zu zentralen Werken der Philosophie und asiatischen Texte neben Autoren wie Dōgen, Nāgārjuna und Frauwallner.
Stcherbatskys Werk wurde in der akademischen Welt breit rezipiert und beeinflusste sowohl die Buddhismusforschung als auch die Philosophiegeschichte. Es trug wesentlich dazu bei, die Bedeutung der buddhistischen Logik und Erkenntnistheorie für das Verständnis des Buddhismus insgesamt zu etablieren. In der heutigen Forschung wird das Buch als Klassiker angesehen, der nicht nur historisch, sondern auch systematisch wichtige Impulse für das Verständnis von Erkenntnis, Sprache und Wirklichkeit liefert.
„Erkenntnistheorie und Logik nach der Lehre der späteren Buddhisten“ von Th. Stcherbatsky ist ein grundlegendes Werk für das Verständnis der buddhistischen Philosophie. Es bietet einen tiefen Einblick in die hochentwickelten erkenntnistheoretischen und logischen Systeme des indischen Buddhismus und bleibt bis heute ein unverzichtbares Referenzwerk für Philosophen und Religionswissenschaftler.