Brodbeck Philosophie Bibliothek beschrieben
Theory of Value, New Haven and London 1959
Gerard Debreus Werk Theory of Value: An Axiomatic Analysis of Economic Equilibrium aus dem Jahr 1959 ist ein Meilenstein der ökonomischen Wissenschaften und gilt als eines der einflussreichsten Bücher der modernen Mikroökonomik. Debreu, ein französisch-amerikanischer Ökonom und Mathematiker, schuf mit diesem Buch die erste vollständig axiomatische und mathematisch rigorose Darstellung der Allgemeinen Gleichgewichtstheorie. Damit setzte er einen neuen Standard für die Präzision und Abstraktion in der Wirtschaftstheorie.
Im Zentrum des Werks steht die Frage, unter welchen Bedingungen ein allgemeines Gleichgewicht in einer Marktwirtschaft existiert. Debreu baut auf den Arbeiten von Léon Walras und späteren Mathematikern wie John von Neumann auf, geht jedoch weit über deren Ansätze hinaus. Er formuliert die Annahmen über Präferenzen, Technologien und Märkte in einer axiomatischen Sprache, die es erlaubt, die Existenz eines Gleichgewichts mit Hilfe moderner mathematischer Methoden – insbesondere der Topologie und Fixpunkttheorie – nachzuweisen. Das berühmte Arrow-Debreu-Modell, das aus der Zusammenarbeit mit Kenneth Arrow hervorging, wird in diesem Werk erstmals in seiner vollen Allgemeinheit präsentiert.
Debreus Ansatz ist radikal formalistisch: Er abstrahiert von allen konkreten Institutionen, psychologischen Motiven oder historischen Kontexten und konzentriert sich ausschließlich auf die logische Struktur ökonomischer Austauschprozesse. Individuen werden als rationale Akteure mit vollständigen und transitiven Präferenzen modelliert, Unternehmen als Produktionsfunktionen, und Märkte als abstrakte Tauschbeziehungen. Preise entstehen als Gleichgewichtsgrößen, die Angebot und Nachfrage auf allen Märkten simultan ausgleichen.
Die Bedeutung von Theory of Value liegt nicht nur in der mathematischen Eleganz, sondern auch in der Klarheit, mit der Debreu die Voraussetzungen für das Funktionieren von Märkten offenlegt. Das Gleichgewicht existiert nur unter restriktiven Bedingungen: vollständige Konkurrenz, vollständige Märkte, keine Externalitäten, vollständige Information und keine Marktmacht. Diese Annahmen wurden später von Kritikern als unrealistisch bezeichnet, doch Debreu selbst betonte, dass sein Modell als Idealtypus zu verstehen sei, an dem reale Märkte gemessen werden können.
Das Werk hatte weitreichende Auswirkungen auf die Wirtschafts-Wissenschaften. Es inspirierte Generationen von Ökonomen, die Mikroökonomik als exakte Wissenschaft zu betreiben und mathematische Methoden weiterzuentwickeln. Gleichzeitig löste es eine Debatte über die Relevanz hochabstrakter Modelle aus. Kritiker wie Sonnenschein, Mantel und Debreu selbst zeigten später, dass Gleichgewichte zwar existieren, aber nicht notwendigerweise eindeutig oder stabil sind. Dennoch bleibt Theory of Value der Ausgangspunkt für die moderne Wohlfahrtsökonomik, Finanztheorie und viele Bereiche der angewandten Mikroökonomik.