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Staatliche Theorie des Geldes, 1905

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Knapp, Georg Friedrich
Brodbeck Library
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Georg Friedrich Knapp (1842–1926) war ein deutscher Nationalökonom, dessen Werk „Staatliche Theorie des Geldes“ (1905) einen grundlegenden Paradigmenwechsel in der Geldtheorie einleitete. Während bis dahin vor allem metallische Deckung und der Warencharakter des Geldes im Vordergrund standen, begründete Knapp eine staatstheoretische Sichtweise, die das Geld als ein Geschöpf des Rechts und der staatlichen Ordnung verstand. Seine Theorie, auch als „Chartalismus“ bekannt, prägte die moderne Geldtheorie nachhaltig.

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Knapp definierte Geld nicht durch seinen Materialwert, sondern durch seine Funktion als gesetzliches Zahlungsmittel. Er argumentierte, dass Geld jene Zahlungsmittel sind, „die der Staat annimmt und als Zahlungsmittel erklärt“. Damit löste er sich von der Vorstellung, dass der Wert des Geldes aus seinem Edelmetallgehalt resultiert. Für Knapp ist Geld ein „Zeichen“, das durch staatlichen Hoheitsakt zum Zahlungsmittel bestimmt wird.

Das „Chartale“ Prinzip: Der Begriff „chartal“ leitet sich vom lateinischen „charta“ (Papier, Urkunde) ab. Knapp betont, dass es für die Geltung des Geldes entscheidend ist, dass es vom Staat als solches anerkannt und zur Begleichung von Steuern und öffentlichen Abgaben akzeptiert wird. Die Annahmepflicht des Staates bildet die Grundlage für das Vertrauen in das Geld. Der Staat schafft also durch Gesetz und Praxis die Geltung des Geldes, unabhängig von dessen stofflicher Beschaffenheit.

Knapp widerspricht der klassischen Auffassung, dass Geld eine besondere Ware sei. Für ihn ist der Warencharakter des Geldes sekundär oder gar irrelevant. Entscheidend ist, dass das Geld als Zahlungsmittel in einem bestimmten Rechtsraum anerkannt ist. Der Wert des Geldes ergibt sich somit nicht aus einem Eigenwert, sondern aus der staatlichen Garantie und der Annahmepflicht in der Gemeinschaft.

Knapps Theorie beeinflusste maßgeblich die Entwicklung der modernen Geldtheorie, insbesondere die sogenannte „moderne Geldtheorie“ (Modern Monetary Theory, MMT). Auch John Maynard Keynes bezog sich in seinem Werk „A Treatise on Money“ explizit auf Knapp und bezeichnete dessen Ansatz als „bahnbrechend“.

Die „Staatliche Theorie des Geldes“ wurde vielfach diskutiert und kritisiert, insbesondere von Vertretern der klassischen und neoklassischen Ökonomie, die an der Werttheorie des Geldes festhielten. Dennoch setzte sich die Erkenntnis durch, dass die staatliche Autorität für die Geltung des Geldes eine zentrale Rolle spielt. In Zeiten von Papiergeld und Fiat Money ist Knapps Ansatz aktueller denn je.

Knapps Theorie ist heute besonders relevant, da das moderne Geldsystem fast ausschließlich auf staatlich garantiertem Papiergeld (Fiat Money) basiert. Die Akzeptanz des Geldes beruht auf dem Vertrauen in die staatliche Ordnung und die Stabilität der Institutionen. Die staatliche Geldschöpfung und die Festlegung des gesetzlichen Zahlungsmittels sind zentrale Instrumente der Geldpolitik.

Georg Friedrich Knapp revolutionierte mit seiner „Staatlichen Theorie des Geldes“ das Verständnis von Geld. Er zeigte, dass Geld ein soziales und rechtliches Konstrukt ist, dessen Geltung und Wert auf staatlicher Anerkennung und Akzeptanz beruhen. Damit legte er das Fundament für das Verständnis moderner Währungen und prägte die wissenschaftliche und politische Debatte bis heute.