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Das Geld, 1873. Faksimile-Edition der Ausgabe „Klassiker der Nationalökonomie“
Carl Knies (1821–1898) war einer der führenden Vertreter der sogenannten Historischen Schule der Nationalökonomie in Deutschland. Mit seinem Werk Das Geld, erstmals erschienen 1873, legte er einen Grundstein für die sozialwissenschaftliche Analyse des Geldes und dessen Rolle in der Volkswirtschaft. Knies’ Ansatz unterscheidet sich deutlich von der damals aufkommenden neoklassischen und mathematisch orientierten Ökonomie. Das Werk steht in einer Reihe mit anderen Klassikern der Nationalökonomie und nimmt eine Schlüsselstellung in der Entwicklung der Geldtheorie ein.
Im 19. Jahrhundert war die Ökonomie von zwei großen Strömungen geprägt: der Klassischen Schule, die universelle Gesetze suchte, und der Historischen Schule, die wirtschaftliche Phänomene als historisch gewachsene und kulturell bedingte Prozesse verstand. Knies gehörte zur Letzteren. Er kritisierte die Tendenz, ökonomische Theorien zu sehr zu verallgemeinern und aus ihnen zeitlose Gesetze abzuleiten. Stattdessen plädierte er für eine empirisch-historische Betrachtung wirtschaftlicher Erscheinungen.
Im Zentrum von Das Geld steht die Frage nach dem Wesen, der Funktion und der Entwicklung des Geldes. Knies analysiert Geld nicht nur als Tauschmittel, sondern auch als gesellschaftliches und rechtliches Phänomen. Er betont, dass Geld in verschiedenen Kulturen und Epochen unterschiedliche Formen und Bedeutungen annehmen kann. Damit widerspricht er der Vorstellung, Geld sei ein „naturwüchsiges“ Phänomen, das sich zwangsläufig aus dem Tauschhandel entwickelt habe.
Die Hauptthesen von Knies’ Geldtheorie
• Geld ist ein gesellschaftliches Konstrukt: Für Knies ist Geld kein bloßes Ding, sondern eine soziale Institution, deren Bedeutung und Funktion sich historisch wandeln.
• Die Funktionen des Geldes: Knies unterscheidet zwischen den Funktionen des Geldes als Tauschmittel, Wertmaßstab, Wertaufbewahrungsmittel und Zahlungsmittel. Er zeigt, dass diese Funktionen nicht immer gleichzeitig und gleichgewichtig vorhanden sind.
• Ablehnung universeller Gesetzmäßigkeiten: Knies warnt davor, aus der Beobachtung einzelner historischer Entwicklungen allgemeingültige Regeln abzuleiten. Die Entwicklung des Geldwesens ist für ihn immer an konkrete gesellschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen gebunden.
• Betonung der rechtlichen Dimension: Knies hebt hervor, dass Geld immer auch eine rechtliche Anerkennung benötigt. Der Wert des Geldes ergibt sich nicht nur aus seinem Materialwert, sondern vor allem aus der gesellschaftlichen Akzeptanz und der gesetzlichen Festlegung.
Das Geld von Carl Knies wurde zu einem Standardwerk der deutschsprachigen Geldtheorie und beeinflusste zahlreiche Ökonomen, darunter auch spätere Vertreter der Historischen Schule wie Gustav Schmoller und Max Weber. Die Betonung des historischen und institutionellen Charakters des Geldes wirkt bis in die heutige Geldsoziologie und Institutionenökonomik nach. Knies’ Ansatz steht im Gegensatz zu den damals aufkommenden Theorien von Carl Menger, der eine „naturwüchsige“ Entstehung des Geldes aus dem Tauschhandel annahm.
In der Liste der Klassiker der Nationalökonomie steht Das Geld von Knies neben Werken wie Karl Marx’ Das Kapital, Adam Smiths Der Wohlstand der Nationen und Georg Friedrich Knapps Staatliche Theorie des Geldes. Während Marx und Smith eher die systematischen und analytischen Aspekte der Wirtschaft betonen, rückt Knies die historische Entwicklung und die gesellschaftliche Einbettung des Geldes in den Vordergrund. Knapps spätere „Staatliche Theorie des Geldes“ (1905) baut in gewisser Weise auf den institutionellen Überlegungen von Knies auf, indem sie den staatlichen Ursprung und die rechtliche Setzung von Geld betont.