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Theorie des Geldes und der Umlaufmittel
Ludwig von Mises' Werk „Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel", erstmals 1912 erschienen, stellt einen Meilenstein der ökonomischen Literatur dar und einen entscheidenden Beitrag zur Geldtheorie aus Sicht der Österreichischen Schule. Sein Ansatz integriert präzise die Fragen zur Natur, Funktion und Entstehung des Geldes und untersucht kritisch die Rolle von sog. Umlaufsmitteln -- also Zahlungsmitteln wie Banknoten und Giralgeld -- im Wirtschaftskreislauf.?
Für Mises ist Geld vorrangig das allgemein akzeptierte Tauschmittel, das sich von Konsum- und Produktionsgütern unterscheidet. Es dient primär als Vermittler im Austausch von Waren und Dienstleistungen und hat keine eigene Nutzfunktion außerhalb dieser Tauschmittlerrolle. Daraus folgt, dass alle anderen Geldfunktionen, wie etwa die Wertaufbewahrung, lediglich abgeleitete Aspekte sind. Diese Sichtweise grenzt sich explizit von Theorien ab, die Geld als staatlich definierten Anspruch oder Recht auffassen. Für Mises entsteht Geld spontan aus dem Marktprozess und niemals „von oben" durch staatliche Dekrete oder Gesetzgebung, wie es Vertreter der Chartalismus-Theorie wie Georg Friedrich Knapp behaupten.
Ein zentrales Element der Mises'schen Theorie ist das sogenannte „Regressionstheorem". Dieses löst einen bis dahin ungelösten Zirkelschluss in der Geldwerttheorie der Klassik: Warum wird Geld überhaupt nachgefragt, wenn seine Kaufkraft wiederum von dieser Nachfrage abhängt? Mises argumentiert, dass der heutige Geldwert aus der Vergangenheit abgeleitet wird; die Kaufkraft eines Zahlungsmittels zu einem Zeitpunkt ergibt sich aus seiner Kaufkraft in vorangegangenen Perioden. Regressiv gedacht führt dies zum Ursprung des Geldes als Sachgut -- bei Mises in der Regel Gold --, das ursprünglich aufgrund seines Gebrauchswertes nachgefragt wurde und erst in einem Marktprozess allmählich zur Rolle des Geldes aufstieg. Somit ist Geld immer aus einem Gut mit eigenem, nicht-monetärem Wert entstanden.
Mises unterscheidet strikt zwischen „Geld" und „Umlaufsmitteln". Während Geld vollgültiges Tauschmittel ist, handelt es sich bei Umlaufsmitteln um Zahlungsversprechen wie Banknoten, die keinen eigenen Warenwert besitzen. Dies wird besonders relevant für das moderne Finanzsystem, in dem Banken durch „Kredit aus dem Nichts" Giralgeld schöpfen können. Mises kritisiert, dass diese Form der Geldschöpfung den Wirtschaftskreislauf erheblich verzerren kann, da neu geschaffenes Geld nicht allen Marktteilnehmern gleichmäßig zufließt (Cantillon-Effekt). Die Folge ist eine Umverteilung zugunsten der frühen Empfänger des Geldes -- meist Banken und Staat --, während die Kaufkraft der späteren Empfänger sinkt.
Die Mises'sche Analyse mündet in einer fundamentalen Kritik an der inflationären Geldpolitik. Er vertritt die Position, dass jede Erhöhung der Geldmenge lediglich zu einer Verwässerung des Geldwertes und einer Umverteilung von Vermögen führt, nicht aber den gesellschaftlichen Wohlstand insgesamt steigert. Die typischen Konjunkturzyklen aus Boom und Crash sind demnach Resultat einer ungedeckten Kreditschöpfung der Banken -- ein Phänomen, das unter staatlicher Intervention und mit Fiatgeld besonders verstärkt auftritt. Wirtschaftliche Stabilität und eine gerechte Verteilung seien für Mises nur bei einem konstanten, nicht willkürlich vermehrten Geldangebot zu erwarten.