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Der Moderne Kapitalismus, zwei Bände Leipzig 1902

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Sombart, Werner
Brodbeck Library
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Werner Sombarts Werk „Der Moderne Kapitalismus“ (1902) ist eine der bedeutendsten und umfassendsten wirtschaftshistorischen Darstellungen des frühen 20. Jahrhunderts und prägte die Sozialwissenschaften nachhaltig. In über 1.000 Seiten beschreibt Sombart die Entstehung, Entwicklung und Struktur kapitalistischer Wirtschaftsformen in Europa und differenziert erstmals präzise zwischen Früh-, Hoch- und Spätkapitalismus.

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Sombarts „Der Moderne Kapitalismus“ entstand im Kontext der Jüngeren Historischen Schule der Nationalökonomie, zu deren wichtigsten Vertretern neben Sombart auch Gustav Schmoller und Max Weber zählen. Ziel des Werkes war eine historisch-systematische Darstellung des gesamteuropäischen Wirtschaftslebens von den mittelalterlichen Anfängen über die industrielle Revolution bis zur Gegenwart. Sombart legte besonderen Wert darauf, die kapitalistische Entwicklung weder rein ökonomisch-technisch noch ausschließlich sozialgeschichtlich, sondern als vielschichtiges kulturelles, institutionelles und geistiges Phänomen zu begreifen.

Innovativ war seine Einteilung des Kapitalismus in drei Phasen: Frühkapitalismus (Handels- und Frühmanufakturperiode), Hochkapitalismus (Industriezeitalter, Massenproduktion) und Spätkapitalismus (monopolistische, bürokratisierte Wirtschaftsformen). Für Sombart ist der Kapitalismus durch eine besondere „Wirtschaftsgesinnung“ geprägt—einen Geist des Erwerbsstrebens und rationalen, planenden Handelns, der besonders im Unternehmertum sichtbar wird. Die zentrale Triebkraft sieht er im Gewinnstreben, im Individualismus des Unternehmers und im immer weiter fortschreitenden ökonomischen Rationalismus. Er stellt dies als ein spezifisch europäisches Phänomen dar, das sich mit der doppelten Buchführung und dem Aufstieg spezialisierter Berufe manifestiert—lange bevor diese Begriffe später durch Joseph Schumpeters Theorie der „schöpferischen Zerstörung“ populär wurden.

Sombart verbindet im Werk volkswirtschaftliche, sozialhistorische und soziologische Ansätze, wobei er sich klar von einer rein marxistischen oder rein teleologischen Interpretation abgrenzt. Zwar übernimmt er von Marx die Unterscheidung zwischen Gebrauchs- und Tauschwert sowie die zentrale Rolle des Mehrwertstrebens, deutet diese Konzepte jedoch eigenständig aus: Während Marx das Gewinnprinzip als Resultat der Produktionsverhältnisse auffasst, begreift Sombart es als Voraussetzung für die Entwicklung ebendieser Verhältnisse. Besonders stark differenziert Sombart zwischen dem Prinzip der Bedarfsdeckung (vorindustriell) und der Erwerbswirtschaft (kapitalistisch).

„Der Moderne Kapitalismus“ wurde bereits kurz nach Erscheinen breit rezipiert und beeinflusste die wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Debatte nachhaltig. Besonders seine Konzeption der „Phasen des Kapitalismus“ sowie die Idee eines „kapitalistischen Geistes“ prägten spätere Klassiker wie Max Weber oder Joseph Schumpeter. Sombarts Werk wirkte dabei polarisierend: Während seine detailreiche empirische Arbeit und systematische Gliederung gelobt wurden, warf man ihm gelegentlich einen Mangel an ökonomischer Theorie und eine Überbetonung kultureller Faktoren vor.

Trotz teilweise überholter Argumente bleibt Sombarts Analyse relevant: Die Frage, wie wirtschaftlicher Wandel durch Geisteshaltung, Institutionen und Technik beeinflusst wird und in zyklische Entwicklungsphasen eingebettet ist, beschäftigt Wissenschaft und Politik bis heute. Sein Werk dient noch immer als umfangreiche Quelle für die wirtschaftshistorische Forschung und als Anregung zur kritischen Reflexion über den Wandel des Kapitalismus selbst.