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Über Wert, Kapital und Rente, Neudruck der Ausgabe Jena 1883

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Wicksell, Knut
Brodbeck Library
Dieses Buch kann in der Bibliothek des MoneyMuseums gelesen werden.

Knut Wicksells Werk „Über Wert, Kapital und Rente“ (Erstausgabe Jena 1883, Neudruck 1969 bei Scientia Verlag Aalen) zählt zu den frühen Schriften des schwedischen Nationalökonomen, in denen er zentrale Begriffe der modernen Wirtschaftstheorie entwickelt und diskutiert.

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Wicksell analysiert die Wert-, Kapital- und Rententheorie aus dem Blickwinkel der neoklassischen Nationalökonomie, wobei er sich kritisch mit den bestehenden Ansätzen auseinandersetzt. Im Zentrum steht die Frage nach dem tatsächlichen Einfluss des Geldmarktes, des Zinssatzes und der Kapitalbildung auf die Güterpreise und die allgemeine Wirtschaftsstruktur.

Wicksell bezweifelt die strikte Neutralität des Geldes und beschreibt einen Mechanismus, bei dem Bankkredite und der „Marktzins“ die Investitionsbereitschaft steuern. Sinkt der Kreditzins unter den „natürlichen Zinssatz“, werden Investitionen ausgelöst, die über die reale Kapitaldecke hinausgehen. Preise und später auch die Löhne steigen, bis sich der Bankensektor durch restriktivere Kreditvergabe dem Prozess entgegensetzt. Damit legt Wicksell den Grundstein für die Theorie des sogenannten „Wicksellschen Prozesses“, der die Preisentwicklung als kumulativen, durch den Zinssatz initiierten Mechanismus erklärt.

Das Werk setzt sich eingehend mit der Kapitaltheorie des 19. Jahrhunderts auseinander und nimmt dabei kritisch Bezug auf Böhm-Bawerks Kapitalzins-Analysen und Ricardos Wert- und Rente-Konzept. Wicksell versteht Kapital nicht bloss als physische Produktionsmittel, sondern auch als eine Kategorie von Lebensmitteln und Ersparnissen, deren Bewertung im Zusammenhang mit dem Zeitfaktor und dem Zinssatz steht. Die Rente erscheint ihm als Residualgröße im Verteilungsprozess zwischen Arbeit und Kapital. Eine zentrale Innovation ist die Einführung des Begriffs „natürlicher Zinssatz“ als Maßstab für Investitionsentscheidungen.

Wicksell gilt als einer der Begründer der dynamischen Makroökonomik. Er entwickelt das Konzept eines Gleichgewichtsmodells, dass sich von der klassischen Quantitätstheorie des Geldes unterscheidet und den Einfluss von Banken und Kreditaufnahme auf das Preisniveau empirisch beschreibt. Sein Blick gilt dabei insbesondere den Effekten von Kreditexpansion und Bankpolitik unter den Bedingungen der Vollbeschäftigung.

Die Rezeption seines Werks war zunächst verhalten, erlangte aber insbesondere mit der Publikation von „Geldzins und Güterpreise“ (1898) internationale Aufmerksamkeit. Wicksell nimmt hierin die Idee einer unabhängigen Zentralbank und moderner Geldpolitik vorweg und beeinflusst die weiterführende makroökonomische Theorie bis in die Gegenwart.

Die von Wicksell angedeutete Gefahr der Überinvestition durch kreditfinanzierte Expansion ist ein bis heute diskutiertes Problem der Geldpolitik. Kritiker bemängeln die Annahme eines Gleichgewichts bei Vollbeschäftigung als Schwachpunkt der Wicksellschen Theorie.