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Wichtige Werke

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In 80 Tagen um die Welt

1873
Verne, Jules
Wichtige Werke
Dieses Buch kann in der Bibliothek des MoneyMuseums gelesen werden.

Jules Vernes Roman In 80 Tagen um die Welt ist weit mehr als nur eine Abenteuergeschichte. Es ist eine faszinierende Momentaufnahme des 19. Jahrhunderts, einer Zeit des Fortschrittsglaubens und der technischen Revolution. Der Protagonist, Phileas Fogg, verkörpert den kühlen Rationalismus dieser Epoche. Ein Gentleman von höchster Präzision, der nichts dem Zufall überlässt, wettet er, dass er mithilfe der modernen Verkehrsmittel die Welt in nur 80 Tagen umrunden kann. Begleitet wird er von seinem treuen Diener Passepartout, dessen impulsiver und emotionaler Charakter einen Kontrast zu Foggs Entschlossenheit bildet.

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Die Reise beginnt und endet in London und führt die beiden Abenteurer durch eine Vielzahl von Ländern und Kulturen. Von Ägypten über Indien und Hongkong bis hin zu Japan und den USA – Verne nimmt seine Leser mit auf eine Reise, die nicht nur geografische Distanzen, sondern auch kulturelle Grenzen überschreitet. Dabei spiegelt der Roman die Fortschrittsbegeisterung seiner Zeit wider, zeigt jedoch auch die kolonialen Vorurteile, die Europa damals prägten. In Indien etwa retten Fogg und Passepartout die junge Witwe Aouda vor dem Tod auf einem Scheiterhaufen – eine Szene, die den Leser einerseits mit Spannung fesselt, andererseits aber von einer eurozentrischen Perspektive durchdrungen ist.

Das eigentliche Herzstück der Geschichte ist die Frage nach Zeit. Fogg plant seine Reise mit einer Präzision, die an Maschinen erinnert, doch immer wieder wird er durch unerwartete Ereignisse zurückgeworfen. Hier zeigt Verne, dass der Mensch trotz aller Technik nie vollständig die Kontrolle über die Welt erlangen kann. Im Finale, als Fogg glaubt, seine Wette verloren zu haben, entdeckt er, dass er durch die Zeitverschiebung einen Tag gewonnen hat. Diese Wendung erinnert daran, wie relativ und überraschend die Zeit sein kann.

In 80 Tagen um die Welt ist eine Hommage an den menschlichen Erfindergeist und zugleich ein Spiegel seiner Zeit. Es lädt dazu ein, die Errungenschaften und Grenzen des Fortschritts zu hinterfragen.

Die kulturelle Arroganz und Überlegenheitsgedanken, die in In 80 Tagen um die Welt zum Ausdruck kommen, sind auffällig und ein Produkt der Zeit, in der der Roman entstand. Jules Verne schrieb sein Werk im Kontext des europäischen Kolonialismus und des Fortschrittsglaubens des 19. Jahrhunderts. Diese Ära war geprägt von der Überzeugung, dass Europa nicht nur technologisch, sondern auch kulturell und moralisch den übrigen Teilen der Welt überlegen sei.