Wichtige Werke
Die Bienenfabel (La Fable Des Abeilles: Ou Les Fripons Devenus Honnetes Gens)
Die Bienenfabel von Bernard Mandeville ist ein satirisches Werk, das die komplexen Beziehungen zwischen individuellen Laster und dem kollektiven Wohlstand einer Gesellschaft untersucht. Die zentrale Allegorie dreht sich um einen Bienenstock, der als Symbol für eine florierende Gesellschaft dient.
Zu Beginn beschreibt Mandeville eine lebendige Bienengemeinschaft, in der die Bienen durch ihre persönlichen Laster wie Habgier, Eitelkeit und Betrug wirtschaftlichen Erfolg und gesellschaftlichen Wohlstand erreichen. Diese Eigenschaften treiben die wirtschaftliche Aktivität an und fördern Innovation und Fortschritt.
Der Wendepunkt der Fabel tritt ein, als die Bienen beschließen, tugendhaft zu leben und ihre Laster aufzugeben. Diese Entscheidung führt jedoch zu einem dramatischen Niedergang des Bienenstocks. Die Wirtschaft bricht zusammen, da die zuvor aktiven und geschäftstüchtigen Bienen nun in einer stagnierenden Gesellschaft leben, in der keine Anreize mehr bestehen, aktiv zu sein oder zu innovieren.
Mandeville argumentiert provokant, dass private Laster letztlich öffentliche Vorteile schaffen können. Seine zentrale Botschaft ist, dass das Streben nach individuellem Gewinn und Vergnügen nicht nur unvermeidlich ist, sondern auch notwendig für den sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt ist. Er stellt die Vorstellung in Frage, dass Tugend allein ausreicht, um eine prosperierende Gesellschaft zu schaffen.
Die Fabel kritisiert die Heuchelei der Gesellschaft, die Tugendhaftigkeit propagiert, während sie gleichzeitig auf den Nutzen von Laster angewiesen ist. Mandeville zeigt auf, dass eine strikte moralische Lebensweise oft zu wirtschaftlicher Stagnation führt und dass das Streben nach persönlichem Vorteil paradoxerweise zum allgemeinen Wohl beiträgt.
Die Bienenfabel von Bernard Mandeville wurde in mehreren Etappen veröffentlicht: Der Ursprung des Werkes liegt in der anonymen Publikation eines Gedichts 1705. Die erste vollständige Ausgabe der Bienenfabel erschien 1714 unter dem Titel “The Fable of The Bees: or, Private Vices, Publick Benefits”. Die erste deutsche Übersetzung erschien 1761, während eine französische Übersetzung bereits 1740 veröffentlicht wurde.
Der berühmte schottische Ökonom Adam Smith wurde von Mandevilles Analysen beeinflusst. Smiths Konzept der “unsichtbaren Hand des Marktes” findet sich bereits Jahrzehnte zuvor in Mandevilles Werk.