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Wichtige Werke

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Das Geld - was es ist, das uns beherrscht

2020
Bockelmann, Eske
Wichtige Werke
Dieses Buch kann in der Bibliothek des MoneyMuseums gelesen werden.

Eske Bockelmanns Buch „Das Geld. Was es ist, das uns beherrscht“ stellt einen radikalen Bruch mit gängigen Vorstellungen über Geld und seine Geschichte dar. Der Autor geht der Frage nach, wie Geld historisch entstand, was sein eigentliches Wesen ist und welche gesellschaftlichen Konsequenzen sich daraus ergeben. Seine Analyse ist nicht nur eine Kritik an traditionellen ökonomischen Theorien, sondern auch eine grundlegende Neubestimmung der Rolle des Geldes in der Gesellschaft.

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Bockelmann widerspricht der verbreiteten Annahme, Geld sei eine natürliche Folge des Tausches oder des Handels und existiere, seit Menschen Güter austauschen. Er zeigt, dass in den frühen Hochkulturen, der Antike und selbst im europäischen Mittelalter kein eigentlicher Begriff von Geld existierte. Erst als ganze Gesellschaften – zunächst in den freien Städten Europas des späten Mittelalters – von Kauf und Verkauf lebten und nicht mehr von persönlichen Abhängigkeitsverhältnissen, entstand die Notwendigkeit eines universellen Tauschmittels. Geld ist für Bockelmann kein Ding, das erfunden wurde, sondern ein gesellschaftliches Verhältnis, das sich aus spezifischen historischen Veränderungen ergibt. Diese Veränderungen vollzogen sich, so seine These, weltweit singulär im Europa des späten Mittelalters – und markieren zugleich den Beginn der Neuzeit.

Für Bockelmann ist Geld nicht einfach ein allgemeines Tauschmittel, sondern das „reine Tauschmittel“. Während Waren und Güter immer auch einen Gebrauchswert haben, besteht Geld einzig und allein in seiner Tauschbarkeit. Es ist ein reines Quantum, ohne eigene qualitative Bestimmung. Geld muss fortlaufend gegen Güter getauscht werden, um Geld zu bleiben – es existiert nur im ständigen Umlauf. Daraus resultiert die Vorstellung von Wert und Äquivalenz, die wir heute als selbstverständlich ansehen: Geld zwingt uns dazu, in allen Waren einen Wert zu sehen, der in Geld ausgedrückt werden kann. Wert ist also keine Eigenschaft der Ware selbst, sondern eine Folge des Geldes als gesellschaftlicher Einrichtung.

Die Einführung des Geldes als gesellschaftliches Grundverhältnis hat laut Bockelmann weitreichende Folgen. Sie erklärt das Entstehen des modernen Staates, der erstmals als abstrakte, souveräne Macht auftritt und die Verfügung über Geld gesellschaftsweit garantiert. Der Staat ist nicht Gegenspieler, sondern Garant und Förderer der Geldordnung, da seine eigene Macht nunmehr auf Geld und dessen Umlauf basiert.

Ebenso erklärt Bockelmann den Kapitalismus als notwendige Folge des Geldes: Wer in einer Geldgesellschaft leben will, muss Geld erwerben – und zwar mehr, als er ausgibt. Der Zwang zur Geldvermehrung, das Funktionieren von Geld als Kapital, ist dem Geld immanent. Aus diesem Zwang resultiert auch die Dynamik der europäischen Expansion: Die Notwendigkeit, immer mehr Teile der Welt in Geld und Waren zu verwandeln, führte zur Kolonialisierung und zur Unterwerfung der Welt unter die Logik des Geldes.

Bockelmann kritisiert die heutige Blindheit gegenüber dem Wesen des Geldes. Die Vorstellung, Geld sei ein beliebig gestaltbares Instrument, verkennt seine strukturelle Macht. Geld zwingt die Menschen, seiner Logik zu folgen, und lässt sich nicht einfach „bessern“ oder „gerecht“ machen. Die globalen Krisen, Umweltzerstörung und soziale Verwerfungen sind für Bockelmann direkte Folgen der Geldlogik, die einen unbegrenzten Zugriff auf die Welt erzwingt.