«Historische Karten»

Peter Koenig, 30 dreiste Lügen über Geld

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Conzett Verlag, 2004

 

Was ist eine Lüge? Wir meinen es zu wissen. Was ist Geld? Das wissen wir natürlich genauso gut. Wenn wir jedoch beginnen, genauer darüber nachzudenken, wird es spannend. So spannend wie Peter Koenigs Buch mit dem Titel: 30 dreiste Lügen über Geld.

Wenn er von Lüge spricht, dann meint er: Irrtum, (Selbst-)Täuschung, Illusion,  Irrglauben. Dieses vielschichtige Verständnis von einer Lüge macht es aus. Natürlich gibt es das absichtliche Lügen, aber genauso wichtig ist das Erkennen einer Selbsttäuschung oder Illusion. Gerade wenn es um Geld geht.

 

Was versteht Peter Koenig unter Geld? Bezeichnend ist der Eingang ins Werk:  Als Leser, Leserin bin ich aufgefordert, zehn Punkte zu notieren, was Geld für mich bedeutet. Es bleibt der einzige Selbsttest des Buches – und beinhaltet bereits eine der Kernaussagen des ganzen Werks.  Doch wir wollen nicht vorgreifen.

 

Schnell wird klar, dass es Peter Koenig nicht um Münzen und Geldscheine geht. Ihn interessiert die komplexe Beziehung der Menschen zum Geld. Und er möchte hinter die Fassade dessen schauen, was wir im Alltag unter Geld verstehen. Erst so können wir das Wissen und Verständnis über Geld vertiefen.

 

Der Autor empfiehlt ausdrücklich, das Buch von Anfang bis Ende zu lesen. Doch wir missachten an dieser Stelle dieses Gebot und springen einfach mal mitten hinein.

 

Lüge Nr. 12 fragt, wo eigentlich das Geld steckt? Münzen und Scheine sind für sich alleine betrachtet eigentlich wertlos. Mit einem Bankauszug haben wir streng genommen nur das Wort der Bank in der Hand, dass irgendwo etwas Wertvolles für uns aufbewahrt wird. Doch wo befindet es sich? Würden wir es auf der Bank finden, und wenn ja, in welcher Form? Nein, das Geld befindet sich – frei an das Wort Kapital angelehnt, im eigenen Kopf.

 

Ausgelassen haben wir die Lüge Nr. 6. Es ist der Irrtum, der von allen 30 Lügen im Buch am wenigstens Worte benötigt. Wer davon ausgeht, dass man sich mit Geld die Existenz sichert, der soll sich mal kneifen. Existenz pur – mit oder ohne Geld.

 

Es geht auch komplizierter. Ist es eine Lüge, dass Renten und Ersparnisse uns einen sorglosen Lebensabend sichern? Überlassen wir die Beantwortung dieser Frage in Lüge Nr. 23 Ihrer Lektüre. Einer Lektüre,  die tiefgründig und humorvoll zugleich ist. Der Autor versteht es, unhinterfragte Annahmen auf den Kopf zu stellen.

 

Peter Koenig selbst hat in seinem Leben erfahren, was es heisst, viel Geld zu haben, aber auch, mit wenig Geld zu leben. Seine Thesen gründen auf 30 Jahren an Selbsterkundung, Experimentieren und Reflexion zu Geld. In seinem Fokus stehen die Beziehung der Menschen zu Geld – als Spiegel ihrer selbst – und der kunstvolle Umgang mit Geld. Diese Themen hat er in seinen Geldseminaren unter anderem an interessierte Menschen weitergegeben.

 

«30 dreiste Lügen über Geld» macht zum Abschluss des Buches Mut, die eigene Freiheit nicht im Geld zu sehen, sondern im eigenen Leben. Peter Koenig ist überzeugt: Wenn wir es wagen, zu tun, was wir wirklich tun wollen, finden wir auch die Ressourcen dazu, woraus diese auch bestehen mögen.

 

Was ist nun Geld? Geld, das sind die Projektionen, die wir dem Geld zuschreiben. Geld besitzt zwar die Fähigkeit, sowohl materielle wie auch immaterielle Eigenschaften anzunehmen. Aber es ist nicht identisch mit diesen. Hier kommen die anfänglich aufgestellten Punkte zur folgenden Frage ins Spiel: Was bedeutet Geld für mich? Wer sich mit den Projektionen befasst, die er auf Geld projiziert, gewinnt Erkenntnis – über sich und sein Verhältnis zu Geld.

 

Was ist das Fazit von Peter Koenigs «30 dreiste Lügen über Geld»?

  • Im Zentrum des Interesses steht die Frage nach der Beziehung der Menschen zu Geld.
  • Geld gibt keine (innere) Freiheit oder (existenzielle) Sicherheit.
  • Geld, das sind die Projektionen, die wir ihm zuschreiben.

 

Ursula Kohler