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Adelsbrief für Leopold Spitzl von Peitzenstein aus dem Jahr 1783

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Es war kein leichtes Geschäft, das Geschäft des Krieges. Vor allem nicht in jenem 18. Jahrhundert, das manche aufgeklärt nennen. Die österreichische Armee marschierte in den Siebenjährigen Krieg von 1756 bis 1763 und in den bayerischen Erbfolgekrieg von 1778 bis 1779. Sie schlug 1784 den Horea-Aufstand in Siebenbürgen nieder und kämpfte von 1784 bis 1785 im Scheldekrieg gegen Holland.

 

Das Kanonenfutter, die einfachen Soldaten, waren leicht zu bekommen. Es dauerte nicht lange, sie zu drillen, bis sie einsatzbereit waren. Für das Offizierskorps brauchte es aber gut ausgebildete Männer, die willens waren für einen niedrigen Sold viele Jahre Dienst zu tun. Um ihnen einen Anreiz zu bieten, wurden sie - selbstverständlich nur nach ordentlicher Führung - nach 30 Jahren (wenn sie einen Feldzug mitgemacht hatten) bzw. seit 1896 auch ohne Feldzug nach 40 Jahren Dienst in den Adelsstand erhoben. Unser Leopold Spitzl hatte die Frist 1783 hinter sich gebracht und durfte sich nun über seinen so aufwändig produzierten Adelsbrief freuen, den wir in der Sammlung des MoneyMuseums sehen.

 

Mit samtenem Einband, auf feinstem Pergament handgeschrieben, großzügigst verziert, mit einem prachtvollen Wappen, so ein Adelsbrief machte schon etwas her.

 

Leopold Spitzl war nicht der einzige, den Joseph II. mit dieser Ehre auszeichnete. Unter diesem Herrscher wurden gleich Dutzendweise Adlige, Ritter und Freiherrn ernannt, dazu kamen sogar Grafen und Fürsten. Sie hatten für diese Ehre gut bezahlt: 1.075 Gulden waren für den einfachen Adelsstand fällig. Wer das Prädikat „Edler“ wollte, legte 10 % drauf. Der Ritterstand kostete 1.575 Gulden. Dazu kamen jede Menge Gebühren: Für den Schreiber, den Wappenmaler, den Wappenzensor und den Buchbinder. Sogar die Kapsel für das kaiserliche Siegel und die Schnüre wurden eigens berechnet.

 

Da kamen die Berufsoffiziere preiswerter weg. Sie mussten keine Gebühren zahlen. Dafür hatten sie ihre Seele an den Krieg verkauft. Und so lesen wir in einer zeitgenössischen Geschichte des russisch-österreichischen Türkenkriegs (1787-1792), wie unser Leopold Spitzl, nun Oberlieutenant von Peitzenstein, unter seinem Kommandanten mit 400 Mann das türkisch bewohnte Dorf Gorize überfiel, es plünderte und verbrannte. Wie viele Zivilisten dabei ums Leben kamen, interessierte den damaligen Historiker nicht. Er schwärmt davon, dass nur 7 der 400 Österreicher verletzt wurden. Und dass 75 Stück Ochsen, 9 Pferde und eine Menge Kleider und Hausgerätschaften unter der Führung des wackeren Oberlieutenants von Peitzenstein erbeutet wurden.

 

Die Zeiten ändern sich. Während wir heute unsere Soldaten zum Psychotherapeuten schicken, um sie nach den Gräuel des Krieges wieder in die Zivilgesellschaft einzugliedern, machten die Österreicher ihre Kriegsveteranen zu Adligen und nahmen sie so auf in den Stand, der sich selbst für die Elite seines Landes hielt.