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Schlögl Christina: Mein Lieblingsbuch. Max Frisch, Homo faber.

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All jenen, die Max Frisch in der Schule lesen mussten, mag es komisch erscheinen - doch wann immer mich jemand nach meinem Lieblingsbuch fragt, kommt mir "Homo faber" in den Sinn. Es ist das eine Buch, das ich immer wieder lese, und in dem ich stets Neues entdecke.

 

Die Geschichte um den Ingenieur Walter Faber besteht aus einer Reihe von Zufällen. Bei einem Flugzeugabsturz über der mexikanischen Wüste trifft er den Bruder seines Jugendfreunds und beschließt, mit ihm durch den Dschungel zu reisen. Wenig später, auf einer Schiffsreise von New York nach Europa, verliebt er sich in eine junge Frau und beschließt, mit ihr nach Griechenland zu reisen - ohne zu wissen, dass sie seine eigene Tochter ist. In Griechenland führt ein fataler Unfall dazu, dass er seine Jugendliebe Hanna, die Mutter von Elisabeth, wieder trifft, und ihn damit die Vergangenheit vollends einholt.

 

Doch es ist nicht die Handlung, die "Homo faber" zu einem so besonderen Roman macht. Es ist die Art, wie die Titelfigur ihre Geschichte erzählt: Der technisch-rational denkende Mensch - „homo faber“ - berichtet sachlich und verleugnet das Schicksal und seine Gefühle. Seine Sprache ist beherrscht von Fakten und Wahrscheinlichkeiten.

Und so geht Fabers Reise nicht nur von Ort zu Ort, sondern auch in sein Inneres. Sachliche Passagen wechseln mit gefühlvollen Rückblicken. Wenn ihn seine Erinnerungen überwältigen, verdrängen emotionale Passagen die kargen Worte. Immer deutlicher wird es, dass Fabers Sachlichkeit nur ein Mittel zur Verdrängung der ihn so belastenden Vergangenheit ist. Sie holt ihn ein, und Faber muss sich in seinen Rückblenden immer wieder vor sich selbst für die Schuld rechtfertigen, die er auf sich geladen hat.

 

Letzten Endes ist es schwierig zu sagen, warum einen ein Buch nicht los lässt. Und im Falle von "Homo faber" will ich es auch gar nicht wissen. Dann habe ich einen Grund mehr, den „Homo faber“ noch einmal zu lesen.